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Fraport Weitere Dächer falsch gesichert

Fraport muss nach dem jüngstem Wirbelschleppen-Vorfall die Prüfungen ausweiten. Eine Bürgerinitiative sieht grundsätzliche Mängel an dem Programm.

Fluglärm über Flörsheim
Über Flörsheim liegt die Einflugschneise. Jetzt hat eine Maschine ein Dach demoliert, obwohl das extra gesichert wurde. Foto: Rolf Oeser

Vom Pfusch bei den Dachsicherungen seitens Fraport sind möglicherweise mehr Häuser betroffen, als bislang kommuniziert wurde. Oder sind die Klammern doch nicht so sicher, wie angenommen? Diese Frage stellt sich, nachdem die Flughafenbetreiberin am Montag der Frankfurter Rundschau weitere Fragen zu dem mutmaßlichen Wirbelschleppenvorfall von Donnerstag in Flörsheim beantwortete.

Demnach wurde das betroffene Gebäude bereits im Februar 2014 gesichert. Allerdings nicht von jener Kolonne, die Fraport bereits wegen Mängeln im Visier habe, sagt Konzernsprecher Dieter Hulick. Aber von derselben Firma, für die diese tätig war. „Es werden jetzt alle Dächer, die von diesem Handwerksbetrieb gesichert wurden, nachträglich überprüft.“ Betroffene Eigentümer würden kurzfristig informiert.

Eine von einem Flugzeug erzeugte Luftverwirbelung hatte am Donnerstag Ziegel von dem Haus in der Flörsheimer Rheinallee heruntergefegt. Fraport hatte die Immobilie im Rahmen des Casa-Projekts gekauft und vermietet. Nach Angaben Hulicks waren es nicht zwölf, sondern acht Ziegel, die herunterfielen; einer soll eine Nachbarin nur knapp verfehlt haben. „Einige weitere blieben geschädigt auf dem Dach“, ergänzte der Fraport-Sprecher.

Flughöhe war zulässig

Offen sei bislang, welche Maschine dafür verantwortlich ist. Zum infrage kommenden Zeitpunkt sei „der übliche Mix“ von Flugzeugtypen von Light bis Heavy im Anflug auf die Landebahn Nordwest gewesen. Keine habe die zulässige Flughöhe unterschritten. Die Untersuchungen dazu liefen. „Nach derzeitigem Stand der Untersuchung lässt sich eine A320 Neo als Verursacher ausschließen.“

Damit widerspricht Fraport der Bürgerinitiative (BI) Raunheim. Deren Sprecher Horst Bröhl-Kerner spricht von einem „GAU für das Dachsicherungsprogramm der Fraport“. Samt Deutscher Flugsicherung und Landesregierung habe die immer behauptet, Anflüge über Flörsheim und Raunheim seien ungefährlich. Auch Linken-Fraktionschefin Janine Wissler forderte Aufklärung. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) müsse die Umstände „endlich ehrlich, transparent und umfassend“ untersuchen. Der Fall zeige, dass das Risiko durch Wirbelschleppen unter der Anflugschneise für große wie kleinere Maschinen unterschätzt werde.

„Wir erwarten von der Fraport, dass sie schnellstmöglich die betroffenen Dächer reparieren lässt“, sagte Ministeriumssprecher Marco Kreuter der FR. „Zudem haben wir der Fraport gegenüber nochmals klargestellt, dass Sie verpflichtet ist, Dächer im Kernort von Flörsheim sowie ganz Raunheim zu sichern, wenn die Hausbesitzer dies verlangen.“

Am Sonntag hatte Fraport bereits eingeräumt, dass eine bestimmte Kolonne bei der Verklammerung von 99 Dächern vermutlich geschlampt hatte. Bei rund der Hälfte sei bereits oder werde demnächst nachgebessert. Die Besitzer der anderen würden zeitnah kontaktiert. Für die Raunheimer BI will die Flughafenbetreiberin von den eigentlichen Mängeln des Dachsicherungsprogramms ablenken. Ihre Forderung: „Solange über die Ausbreitung von Wirbelschleppen im Landeanflug keine vollständige Klarheit besteht, sind solche Anflüge soweit wie möglich zu minimieren und insbesondere bei Wetterbedingungen zu vermeiden, die das Absinken der Wirbelschleppen zum Boden befördern.“

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