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Frankfurter Flughafen „Stille Nacht“ im Terminal

An zwei mehrere Meter hohen Bäumen haben die Teilnehmer der 121. Montagsdemo im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens ihre ganz besonderen Wünsche in die Zweige hängen können.

Montagsdemo mit weihnachtlichem Protestbaum am Frankfurter Flughafen. Foto: Christoph Boeckheler

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Volker Hartmann, Flughafenausbau-Gegner aus Oberrad hat sich leuchtenden Weihnachtsschmuck an die Jacke gehängt. Gleich wird er sich am kollektiven Weihnachtsbaum-Schmücken beteiligen: An zwei mehrere Meter hohen Bäumen können die Teilnehmer der 121. Montagsdemo im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens ihre ganz besonderen Wünsche in die Zweige hängen: „Wiederaufforstung des Bannwaldes“, ist da zu lesen, oder auch: „Acht Stunden Schlaf ohne Fluglärm“.

Es ist dieses Bedürfnis nach Ruhe, das die beiden Geistlichen, die diese „Abschlussandacht“ abhalten, aufgreifen. Besinnlich soll es zugehen, aber keineswegs versöhnlich. Silke Alves-Christe von der evangelischen Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen und Werner Portugall, katholischer Pfarrer aus Niederrad, machen die Montagsdemo zu einer Sternstunde. Sie zeigen abwechselnd schwarze und goldene Sterne. Die goldenen für die Erfolge, die schwarzen für die schweren Stunden, die die Flughafenausbau-Gegner immer wieder durchleben.

Sie bedauern, dass die Bahn „immer noch da ist“. Dass ein „neoliberalistisch tickender Nachtwächterstaat“ ein drittes Terminal bauen will. Dass beim Abwägen von Wirtschaftswachstum und menschlich Erträglichem „eine Grenze überschritten“ wurde. Die durchaus umstrittene Norah-Studien habe belegt, das Fluglärm das Lesen lernen erschwert: „Kinder dürfen nicht in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung behindert werden.“

Rund 700 Demonstranten

Rund 700 Demonstranten sind nach Angaben der Polizei im Terminal zusammengekommen. An diesem Abend wird nicht wie sonst ein Rundgang durchs Terminal unternommen. Weihnachtslieder erklingen – und es wird Bilanz gezogen: Über 33 000 Teilnehmer wurden in diesem Jahr registriert – „handgezählt“, wie die Moderatorin betont.

Es ist bereits das vierte Weihnachten im Terminal. Noch einmal kommen Alves-Christe und Portugall auf die kleine improvisierte Bühne, um für ihre „Gemeinde“ den „Segen der Stille“ zu sprechen. Dann soll das Lied „Stille Nacht“ erklingen. Die 13-jährige Julia stellt das Orchester zusammen. Sie findet eine Klarinettistin, eine Mandoline, eine Gitarre und zwei Blockflöten. Viele stimmen mit ein: „Stille Nacht, fünf Uhr acht, Deutschland schläft, wir sind wach, ...“.

Wie immer ist nach einer Stunde Schluss. Die Demo löst sich auf, man wünscht sich ein frohes Fest. Es ist die letzte Montagsdemo in diesem Jahr. Aber im nächsten Jahr wird es mit Sicherheit weitergehen. Dass versprechen sich hier alle gegenseitig.

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