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Frankfurter Flughafen „Nicht auf Nachtruhe verzichten“

Dietrich Elsner äußert im Interview mit der Frankfurter Rundschau die Vermutung, dass mit den Ausnahmeregeln das Flugverbot umgangen werden soll.

Immer wieder stranden in Frankfurt Passagiere (Symbolfoto). Foto: dpa

Am vergangenen Freitag mussten 7000 oder sogar 8000 Passagiere wegen eines Unwetters in Frankfurt übernachten. Jetzt fordert der Flughafenbetreiber eine „modifizierte Handhabung“ des Nachtflugverbots in extremen Ausnahmefällen. Die Lufthansa hat bereits in der Vergangenheit eine flexiblere Regelung gefordert. Die FR sprach mit Dietrich Elsner vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau.

Herr Elsner, haben Sie dafür Verständnis?
Nein, überhaupt nicht. Es ist die Aufgabe eines Operation Managers mit Begrenzungen und Beschränkungen fertig zu werden. Das ist in der gesamten Industrie so. Und wenn der Flughafenbetreiber das nicht schafft, dann ist er nicht richtig am Platz.

Nun stellen Sie sich aber mal die 7000 Leute vor, die nicht wissen, wie es weitergeht. Darunter auch viele Kinder auf dem Weg in die Ferien. Haben Sie da kein Mitleid?
Natürlich tun mir die Leute leid. Es war ein Fehler von der Fraport, die Leute ins Flugzeug zu setzen, obwohl der Flughafenbetreiber wusste, dass er die Flieger nicht mehr rausbringt. Luftverkehr ist nun mal wetterabhängig, aber das Wetter fällt ja nicht vom Himmel.

Aber gerade bei der Wetterlage am Freitagabend, da haben die Meteorologen zwar vor Gewittern gewarnt, aber auch immer wieder darauf hingewiesen, dass niemand genau sagen kann, wann und wo es dazu kommt.
Ganz so ist es heute nicht mehr. Man ist durchaus in der Lage vorherzusagen, wo es Gewitter geben wird, wenigstens im Halbstunden- oder Stundenvorlauf.

Wie hätte Fraport denn reagieren sollen?
Die Leute hätten gar nicht erst an Bord gehen dürfen. Man hätte sie gleich im Hotel unterbringen sollen.

Man hätte es nicht einmal versuchen sollen?
Nein. Man kann doch mit Menschen kein Risiko eingehen. Da wurden 7000 Menschen ins Flugzeug gesetzt und dann wieder zurückbeordert. Das ist unmenschlich.

Die Menschen waren doch aber nicht darüber verärgert, dass sie ins Flugzeug gestiegen sind, sondern darüber, dass sie nicht fliegen konnten. Die Verärgerung soll groß gewesen sein.
Ja, natürlich, aber wenn wir keine Grenzen haben, werden Verbote wie das Nachtflugverbot permanent aufgeweicht. Und die Grenzen, die wir haben, sind gerichtlich bestätigt und von Fraport selber beantragt worden. Das Wirtschaftsministerium hat sich völlig richtig verhalten.

Das heißt, sie lehnen jede Ausnahmeregelung vom Nachtflugverbot auch in extrem seltenen Situationen ab?
Ja, dahinter steckt der Ansatz, immer mehr Ausnahmeregelungen durchzusetzen.

Unterstellen Sie Fraport eine böse Absicht, möchte der Flughafenbetreiber das Nachtflugverbot unterlaufen?
Genau das würde passieren.

Nun wird ja in der Politik auch eine Ausweitung des Nachtflugverbots von 22 bis 6 Uhr diskutiert. Wenn es so käme, könnte man dann über Ausnahmegenehmigungen reden?
Nein. Wir kämpfen jetzt seit zehn Jahren um eine Verringerung der Lärmbelastung. Wenn ein Flieger startet, dann haben die Kommunen um den Flughafen herum Lärmpegel bis zu 90 Dezibel.

Die Nachtruhe der Anlieger ist wichtiger, als dass die Leute pünktlich ihr Reiseziel erreichen?
Allerdings. Hier in der Region leben fünf Millionen Menschen. Die können doch nicht auf ihre Nachtruhe verzichten, damit 7000 Passagiere pünktlich ihre Urlaubsorte erreichen. Ich buche keinen Flug nach 20 Uhr. Und da kann ich auch sicher sein, dass er noch rausgeht.

Interview: Friederike Tinnappel

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