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Frankfurter Flughafen Fluglärm in den Ohren der Aktionäre

Proteste der Ausbaugegner begleiten die Hauptversammlung der Flughafenbetreiberin Fraport in der Jahrhunderthalle. In der Aussprache stellen Aktionäre kritische Fragen zum Bau von Terminal 3.

Der Flughafen wächst und wächst. Foto: Boris Roessler/dpa

Einige Ausbaugegner haben dieser Tage Post von Flughafenbetreiberin Fraport erhalten – eine schriftliche Einladung zum Dialog. „Das ist der Versuch, uns im vierten Jahr nach Eröffnung der neuen Landebahn mutlos zu machen“, sagt Knut Dörfel, Aktivist und Herr über das Megafon bei der Protestveranstaltung am Freitag. Mit ihm haben sich rund 30 Mitstreiter vor der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst gestellt, um den Besuchern der Fraport-Hauptversammlung ihr Anliegen vor Augen zu führen. Und vor Ohren. Denn sie haben nicht nur Plakate und Flyer mitgebracht, sondern auch Fluglärm, den sie über Lautsprecher immer wieder einspielen.

„Fraport ist der größte Umweltbelaster der Region“, sagt Volker Hartmann (66), der seit dem 21. Oktober 2012 seine Terrasse in Frankfurt-Oberrad kaum mehr nutzen kann. „Ich habe Bluthochdruck und hatte schon einen psychischen Zusammenbruch“, berichtet Ina Gratenau (47), die „schon immer“ auf dem Sachsenhäuser Berg wohnt. Die Eröffnung der vierten Bahn habe die Lebensqualität ihrer Familie wesentlich verändert. „Das war ein krasser Einschnitt.“

Mehr Geld für Aktionäre

Während sie draußen ihr Schild in die Höhe hält, huscht drinnen ein Lächeln über viele Gesichter im Zuschauerraum: Vorstand und Aufsichtsrat schlügen vor, die Dividende um zehn Cent auf 1,35 Euro pro Aktie zu erhöhen, hat Fraport-Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte soeben verkündet. Die Geschäftsentwicklung sei gut. Der Bedarf nach Mobilität wachse weltweit. Trotz Streik habe Frankfurt im vergangenen Jahr nur knapp die Rekordmarke von 60 Millionen Fluggästen verpasst. Das Geschäft mit den Shopping-Meilen in den Airports entwickele sich in diesem Jahr wieder positiv.

Die Fraport-Aktionäre sollten am wachsenden Markt auch künftig mitverdienen, sagt Schulte. Deshalb gelte es, den gewachsenen Ansprüchen an Qualität und Service Rechnung zu tragen. Frankfurt benötige ein drittes Terminal. Bei durchschnittlich zwei bis drei Prozent Wachstumsrate im Jahr sei der Airport mit der für 2022 geplanten Eröffnung des neuen Abfertigungsgebäudes „bereits jetzt eher zu spät dran“.

In der Aussprache äußern sich Aktionäre weniger optimistisch. Bei einer Investition von 2,5 bis 3 Milliarden Euro für Terminal 3 könnte die Dividendenerhöhung nicht von Dauer sein. Es gibt Fragen nach einem Überangebot von Geschäften, der Strategie von Lufthansa und danach, welche Airline überhaupt Interesse daran habe, das neue Gebäude zu nutzen. Bislang hatte Schulte darauf verwiesen, dass Fluggesellschaften sehr kurzfristig planten. Ein Kleinaktionär sagt, das von Fraport mit Prognosen beauftragte Institut habe mit falschen Zahlen gerechnet. Und auch der jüngste Wirbelschleppen-Vorfall in Flörsheim kommt zur Sprache. In dieser Woche hat eine Flugzeug an einem Haus wieder Dachziegel gelöst. „Als Aktionäre müssen wir zutiefst dankbar sein, dass dabei keinem Menschen etwas passiert ist.“

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