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Frankfurter Flughafen Ausbaugegner bleiben laut

Zur 250. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen kommen 1500 Teilnehmer und fordern: „Ruhe jetzt!“

Montagsdemo am Frankfurter Flughafen
250. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. Foto: Christoph Boeckheler

Ein Sarg steht auf einem Kofferkuli, „Feinstaub-Opfer“ steht auf der Seite. Darauf sitzt ein Skelett mit Ohrenschützern. Wenige Meter weiter steht Wolfgang Heubner auf dem Podium am Mikrofon und ruft die 1500 Mitstreiter dazu auf, in ihrem friedlichen Protest nicht nachzulassen. Die antworten ihm mit ohrenbetäubendem Lärm. Der Terminal 1 ist am frühen Montagabend voll mit Menschen. Nicht nur, weil wegen der Gewitterwarnung viele Flüge annulliert sind.

Das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) gegen den Flughafenausbau veranstaltet seine 250. Montagsdemo. Für viele ein Grund mehr, heute dabei zu sein. Susanne Wagner aus Flörsheim mit Ehemann und den beiden Töchtern Chiara (11) und Hannah (7) etwa. „An wichtigen Terminen kommt die ganze Familie“, sagt sie. Schließlich sei auch die ganze Familie betroffen. Etwa von dem Risiko einer Wirbelschleppe, die jüngst wieder Ziegel von einem Dach fegte. „Da kommen die Kinder jeden Tag auf dem Schulweg vorbei.“

Al-Wazir „als Bettvorleger gelandet“

„Ruhe jetzt!“ lautet das Motto der Jubiläumsdemonstration. Die Stimmung ist fröhlich. Obwohl es angesichts der zunehmendem Belastungen durch Lärm und Schadstoffe eigentlich nichts zu feiern gibt. Die Aktivisten fühlen sich von der Politik in Stich gelassen. Und zeigen „Wachsamkeit“, wie es BBI-Sprecher Thomas Scheffler formuliert. Bei der 100. Montagsdemo stand noch Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) im Getümmel. Dass er der heutigen Veranstaltung fernbleibt, war für Scheffler schon im Vorfeld absehbar: „Er ist mit vielen Versprechen bei der Landtagswahl angetreten und als Bettvorleger gelandet.“

Die Ausbaugegner seien enttäuscht von der Regierungsbilanz der vergangenen viereinhalb Jahre. „Es wurde Lärm verlagert, und die Pseudo-Obergrenzen mindern auch nicht den Lärm.“ Ihre Kritik hat das BBI in einem Politikbrief zusammengefasst und auf ihre Homepage gestellt.

„Es ist eine absolute Zumutung“, sagt Stephanie Rosenthal aus der Hochheimer Südstadt. Um 5 Uhr morgens sei für sie die Nacht vorbei. „Es war eine Verarschung“, fügt sie hinzu. Erst hieß es, die Kapazitäten reichten nicht aus, Fraport brauche die neue Landebahn. „Dann locken sie Ryanair her.“ Seitdem sei die Nachtruhe ab 23 Uhr passé. Neben ihr steht Nachbarin Margot Domke, die sich besonders über die Dumpingpreise der Fluggesellschaften aufregt. „Meine Tochter studiert in Berlin, das günstigste Verkehrsmittel nach Frankfurt ist nicht der Fernbus oder der Zug, sondern das Flugzeug.“ Ein paar Meter weiter plaudert Ilka Bischofs aus Heidelberg mit Werner Kohn aus Gelnhausen. Sie ist auf dem Weg zu einer Dienstreise nach Bristol und zufällig in die Demo geraten.

Das gesamte Rhein-Main-Gebiet ist vertreten. Aus Mainz werden Schilder in die Höhe gehalten, aus Offenbach, Hanau, Mühlheim. „Buh“, rufen sie, als der Bürgermeister von Paris, Jean-Pierre Blazy, ihnen von dem pausenlosen Betrieb auf dem Flughafen Charles de Gaulle berichtet. „Wir beneiden euch um das Nachtflugverbot.“ Ihm folgt der Landrat des Kreises Groß-Gerau, Thomas Will (SPD), am Mikro: „Bis nachts um 24 Uhr fliegen sie permanent über unser Haus in Bischofsheim.“ Das Flugverbot werde „durchlöchert“. Er bittet die Aktivisten, nicht lockerzulassen: „Für unsere Enkel, unsere Kinder.“ Dann ziehen die Demonstranten durch den Terminal. „Wir sind hier, wir sind laut, weil Fraport uns die Ruhe klaut.“ An der Spitze sitzt das Skelett. Es wird ruhig unter der großen Anzeigetafel. Und plötzlich steht Frankfurts OB Peter Feldmann (SPD) im Terminal. Er wirkt etwas verloren.

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