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Frankfurt Scharfe Kritik an Fraport

Fraport muss für den Wirbelschleppen-Vorfall Kritik bei den Aktionären einstecken. Der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte rechnet mit Wachstum.

Protest
„Ruhe jetzt“, fordern Aktivisten des Bündnisses der Bürgerinitiativen vor Beginn der Fraport-Hauptversammlung. Foto: Christoph Boeckheler

Die Kritischen Aktionäre machten auf Menschenrechtsverstöße am neuen Flughafen in brasilianischen Porto Alegre aufmerksam. Die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Uli Nissen berichtete davon, dass sie eine ganze Stunde an der Sicherheitskontrolle Schlange stehen musste. Auch die wachsende Zahl von Landungen nach 23 Uhr sowie der Konflikt mit Lufthansa wurden beklagt. Am schärfsten aber fiel die Kritik bei der Hauptversammlung der Fraport-Aktionäre am Umgang des Unternehmens  mit den Menschen in Flörsheim und Raunheim aus; diese würden in falscher Sicherheit gewiegt. 

Fraport-Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte räumte am Dienstag Missverständnisse aus. Konkret gehe es um 99 Häuser, die eine bestimmte Dachdeckerfirma mangelhaft geklammert habe. Ein Viertel sei nachgebessert worden, ein Viertel werde es demnächst, die anderen Hausbesitzer würden zeitnah informiert. Zur letzten Gruppe gehört auch das Gebäude in der Flörsheimer Rheinallee, von dessen Dach am Donnerstag mehrere Ziegel flogen. Die Ursache: eine Wirbelschleppe.

„Ich bedauere das für die betroffene Familie“, sagte Schulte. Außer Fluglärm müsse die auch noch das ertragen. „Verärgert“ sei er über die fehlerhafte Arbeit der Firma, die im Rahmen des Dachsicherungsprogramms 99 Dächer gedeckt habe. Die Qualitätskontrolle habe die Mängel offenbart, sie würden so schnell wie möglich behoben.

„Ausgesprochen peinlich“ nannte Nissen den Vorfall. Erst einige Wochen zuvor hatte der Verwaltungsgerichtshof Kassel in einer Verhandlung Fraport bestätigt, dass die Dachklammern sicher sind. „Es ist eine Unverschämtheit“, schimpfte Wolfgang Heubner, Kleinaktionär und Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenhausen. „Fraport wusste, dass die Dachverklammerungen unsachgemäß sind und hat die Leute nicht informiert.“ Eine Entschuldigung reiche nicht aus, sagte er: „Das muss Konsequenzen haben.“ 

Ein weiterer Aktionär stellte die Glaubwürdigkeit der Fraport-Prognosen grundsätzlich infrage. „Angeblich kommt doch nur alle zehn Millionen Jahre eine Wirbelschleppe vor.“

All dies geschah nach dem Vortrag des Fraport-Vorstandvorsitzenden Schulte, bei dem Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als einziges Aufsichtsratsmitglied durch Abwesenheit glänzte. Der kam, wie schon in der Vergangenheit, zu spät.

Schulte malte den Aktionären ein positives Bild von der Zukunft des Unternehmens. Die Aktivitäten an den 30 ausländischen Flughäfen seien erfolgreich. Die Menschen in Porto Alegre wohnten illegal auf dem Land des Airports, sagte er. Das zu regeln, sei nicht seine Aufgabe. 

Das Fluggeschäft boome, betonte Schulte, wegen der wachsenden Nachfrage sei Terminal 3 dringend notwendig. Dessen Bau sei im Plan. Die Vergabe des Personaltransportsystems sei entschieden. Der Spezialtiefbau werde zum Jahresende beendet sein. Im nächsten Jahr beginne der Rohbau des Hauptgebäudes. Die Baugenehmigung für Flugsteig G von der Stadt Frankfurt werde demnächst erwartet. Eine Lösung für das Problem mit den langen Schlangen an den vom Bund gesteuerten Sicherheitskontrollen sieht Schulte darin, dass Fraport sie selbst übernimmt: „Wenn wir von etwas Ahnung haben, dann davon, wie Prozesse organisiert werden.“ Er würde gerne die Passagiere so steuern, dass sie sich gegenseitig überholen können. Andernorts funktioniere das gut.

Zur Frage der Low-Cost-Carrier sagte er, ein Drittel des Wachstums gehe auf deren Konto. Doch das Geschäft mit Billigfliegern sei lediglich „Ergänzung“.

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