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Flugverkehr Zu viele Flüge, zu kurze Strecken

Mehr als ein Viertel der Flüge am Frankfurter Flughafen sind kürzer als 500 Kilometer - und werden zum größten Teil von der Lufthansa bestritten. Eine Verlagerung auf die Schiene wäre sinnvoll.

Lufthansa Maschine über Frankfurt
Weniger Flüge würden auch weniger Umweltbelastung und weniger Fluglärm bedeuten. Foto: imago

Ohne Kurzstreckenflüge wäre der Fluglärm in der Rhein-Main-Region wesentlich geringer: 26,5 Prozent der Flugbewegungen am Flughafen entfielen im vergangenen Jahr auf Destinationen, die maximal 500 Kilometer von Frankfurt entfernt liegen. Lufthansa war in dieser Kategorie einsame Spitzenreiterin: Von den insgesamt 124.046 Starts und Landungen auf der Kurzstrecke gingen 98 591 auf das Konto der Kranichlinie. Die Fakten hat die Arbeitsgruppe Flugauswertung der Bürgerinitiative Frankfurt-Sachsenhausen errechnet.

Ergebnisse, die Thomas Norgall von Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen wenig überraschen. „Seit Jahren sind die Kurzstreckenflüge gleich hoch“, sagt Norgall. Verantwortung dafür trage unter anderem die Politik, die die Verkehrsmittel Bahn und Flugzeug nicht gemeinsam denke. Vor drei Jahren hatte der BUND eine Studie vorgelegt, wonach im Jahr rund 28.000 Kurzstreckenflüge am Frankfurter Flughafen auf die Schiene verlagert werden und drei Millionen Passagiere ohne Abstriche am Komfort auf den Zug umsteigen könnten. Das gesamte Verlagerungspotenzial bezifferten die Umweltschützer sogar auf rund 9,5 Millionen Passagiere und mehr als 100.000 Flugbewegungen. BUND-Vorstandsmitglied Jörg Nitsch hatte damals Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) aufgefordert, Fluggesellschafen, Deutsche Bahn und Flughafenbetreiberin Fraport an einen Tisch zu holen und das Ausschöpfen dieser Potenziale zu moderieren.

Und der Minister kümmere sich, versichert sein Sprecher Marco Kreuter der Frankfurter Rundschau: „Wir arbeiten an der Verbesserung des Angebotes auf der Schiene und der Zusammenarbeit zwischen Bahn und der Luftverkehrswirtschaft.“ Eine attraktive und schnelle Bahnverbindung könne Kurzstreckenflüge obsolet machen. Paradebeispiel sei die Destination Köln/Bonn, die nach Eröffnung der Schnellbahnstrecke Frankfurt–Köln eingestellt worden war. Von den schnelleren Verbindungen zwischen München und Berlin erhofft sich das Ministerium einen ähnlichen Effekt. „Das ist der Grund, warum wir den Ausbau der Schieneninfrastruktur vorantreiben“, sagt Kreuter. Speziell der Ausbau der ICE-Strecken Frankfurt–Mannheim und Frankfurt–Fulda ermögliche höheres Tempo.

Um die Zusammenarbeit zwischen der Luftverkehrswirtschaft und der Bahn zu verbessern, „befinden wir uns seit einiger Zeit in einem vertrauensvollen Dialog mit den maßgeblichen Akteuren“. Ziel sei es, bestehende Kooperationen auszuweiten, den Komfort für den Kunden „spürbar zu verbessern“. Alleine auf diesem Weg könne die Zahl der Kurzstreckenflüge sinken. „Natürlich würden wir es lieber sehen, wenn Passagiere, die ihr Ziel mit dem Zug schneller oder zumindest nahezu genauso schnell wie mit dem Flugzeug erreichen können, so oft wie möglich mit der Bahn reisen“, sagte Kreuter. Doch darüber habe nicht der hessische Verkehrsminister zu entscheiden, sondern der Reisende selbst.

Auch Lufthansa arbeitet nach der Devise: Der Kunde ist König. Solange eine Nachfrage für eine Destination existiere, werde sie auch befriedigt, sagt Michael Händel, verantwortlich für die Netzplanung bei der Airline. Wenn nicht, stelle die Airline die Strecke ein – siehe Köln. Manche Kurzstrecken würden aber auch bedient, um die Passagiere ans Drehkreuz Frankfurt zu transportieren, von wo aus sie weiter in die Welt jetten. Nach Ansicht von Händel ist die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn noch ausbaufähig. Schon jetzt würden jährlich eine halbe Million Passagiere per Airrail nach Frankfurt reisen: Dieses Kombiticket für Bahn und Flug könnte noch attraktiver werden – etwa indem das Gepäck vor dem Einstieg in den Zug bis zum Endziel des Flugs durchgecheckt werde. Lufthansa sei dafür offen: „Wir wollen das Angebot ausweiten.“

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