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Fluglärmgegner Gegenwind für Flughafen-Lobby

Die Flughafen-Ausbaugegner starten eine eigene Kampagne und üben Kritik an Drehkreuzfunktion.

Die ersten Plakate stehen, bei der Montagsdemo sollen viele zu sehen sein. Foto: Gegenwind 2011 Rhein-Main

Die Fluglärmgegner starten zum Gegenangriff: Ihre Antwort auf den neuen Werbefeldzug der Initiative „Ja zu Fra“ ist eine Gegenkampagne. Der offizielle Startschuss dazu fällt bei der nächsten Montagsdemonstration am Frankfurter Flughafen.

Dort werden die ersten Plakate zu sehen sein, die die Motive der Flughafenausbau-Lobby aufnehmen und relativieren: „Unfair, Bruno Hübner!“ steht auf einem. Oder „Direktor Hollein ist naiv!“ Darüber das Original-Plakat, in dem der Frankfurter Museumsdirektor oder der Sportdirektor der Eintracht mit einem Satz den Wert des Flughafens herausstreichen. Darunter der Kommentar der Ausbaugegner. „Das FRA-Drehkreuz mit über 32 Millionen Umsteigern ist kein Heimvorteil“ heißt es dort etwa zu Hübner. „Und Fluglärm macht auch viele Eintracht-Fans krank.“

Vor vier Wochen hatte die von Lufthansa, Fraport und Condor ins Leben gerufene Initiative „Ja zu Fra“ ihre neue Imagekampagne gestartet. Die Großplakate und Videoclips sind an Bushaltestellen, auf Werbebannern und in Kinos zu sehen. Sieben Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft nennen dort ihre persönlichen Gründe dafür, warum der Flughafen für sie wichtig ist.

Darunter Frank Gotthardt vom Pharmaunternehmen Merck aus Darmstadt, dessen Engagement bereits beim bundesweiten Arbeitskreis Ärzte gegen Fluglärm auf Protest gestoßen war. Der Verein Gegenwind 2011 Rhein-Main schließt sich der Kritik an. Der Betrieb des Flughafens führe zu schweren Herzkreislauf-Erkrankungen, gegen die Ärzte Blutdrucksenker aus der Produktion des Darmstädter Pharmariesen verschreiben. „Das Verhalten von Merck ist unethisch“, urteilt Rolf Fritsch, Vorstandsmitglied von Gegenwind, der mit der Initiative gegen Fluglärm Mainz verantwortlich für die Gegenkampagne zeichnet.

Aufruf zum Boykott

Beide Vereine rufen Ärzte im Rhein-Main-Gebiet zum Boykott von Merck-Produkten auf – sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Zugleich fordern sie das Unternehmen auf, aus der „peinlichen“ Ja-zu-Fra-Kampagne auszusteigen, um „wieder Glaubwürdigkeit und Vertrauen bei Ärzten wie Patienten zu gewinnen“, so der Sprecher der Mainzer Initiative, Anselm Einsiedel. Die Veranstalter haben Gotthardt zur Montagsdemonstration eingeladen.

Die Kritik der Fluglärmgegner entzündet sich nicht alleine daran, dass die negativen Auswirkungen des Flughafenbetriebs für Mensch und Umwelt komplett ausgeblendet würden. Es werde auch suggeriert, dass die Ausbaugegner den Airport komplett ablehnen. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Flughafen, sondern dagegen, dass er hauptsächlich ein Drehkreuz ist, in dem Passagiere nur umsteigen“, stellt Fritsch klar. Die kauften keine Würstchen bei der „guten Ilse“ in der Kleinmarkthalle, wie es „Ja zu Fra“ auf ihren Plakaten behaupte. „Die Kampagne ist eine Lachgeschichte.“

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