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Fluglärm in Frankfurt Kritik an Bewerbung als Green City

Flughafengegner wollen in Brüssel gegen eine mögliche Auszeichnung Frankfurts als Grüne Hauptstadt Europas intervenieren. Der Preis für eine Stadt, die von Fluglärm überzogen sei, wäre ein „schlechter Witz“, finden die Aktivisten.

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug. Foto: imago

Flughafengegner wollen in Brüssel gegen eine mögliche Auszeichnung Frankfurts als Grüne Hauptstadt Europas intervenieren. Der Preis für eine Stadt, die von Fluglärm überzogen sei, wäre ein „schlechter Witz“, finden die Aktivisten.

Die Aussage ist eindeutig: Ursula Fechter und Jochen Krauß fordern die Stadt Frankfurt auf, ihre Bewerbung als Grüne Hauptstadt Europas 2014 zurückzuziehen. Weil der Sprecher der Bürgerinitiative Eintracht gegen Fluglärm und die Frontfrau der Flughafenausbaugegner (FAG) nicht glauben, dass die auf dem Römer Regierenden auch nur einen Funken Einsicht zeigen, reisen beide am Freitag nach Brüssel, um ihre Stadt anzuschwärzen.

Krauß, einst Leitender Notarzt beim Flughafenbetreiber Fraport, und die langjährige Stadträtin hielten es für einen schlechten Witz, sollte Frankfurt am 29. Juni den so wohlklingenden und wohl auch imagefördernden Titel von der Europäischen Union verliehen bekommen. „Es wäre ein Hohn, wenn Frankfurt, dessen südliche Stadtteile durch die Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn zu großen Teilen unbewohnbar geworden sind, als Vorbild für eine ,Green City‘ geehrt würde“, sagen beide. Die Anklage gipfelt in dem Vorwurf an den Magistrat, das Problem des Flughafenausbaus und den damit verbundenen Fluglärm bei der Bewerbung verschwiegen zu haben.

Dies zu ändern, ist Hauptzweck der Reise in die EU-Zentrale. Dem Jury-Vorsitzenden und Generaldirektor der Direktion Umwelt der EU-Kommission, Karl Falkenberg, will die insgesamt dreiköpfige Delegation klarmachen, dass Frankfurt als Preisträgerin denkbar ungeeignet ist. „Hier gehen ganze Stadtteile vor die Hunde und gleichzeitig schmückt sich die Stadt mit diesem prestigeträchtigen Titel. Das wäre ein ganz, ganz schlechter Treppenwitz, das würde den Preis lächerlich machen“, sagt Krauß. Seit Eröffnung der Landebahn seien weite Teile des Stadtwaldes zur Erholung ungeeignet. Aus den südlichen Stadtteilen flüchteten viele alteingesessene Bürger vor dem Lärmterror. Und Ursula Fechter weist darauf hin, dass in dem Siedlungsbeschränkungsbereich, in dem wegen des Flughafenausbaus aus Lärmschutzgründen nicht mehr gebaut werden darf, rund 90.000 Menschen leben, und unter anderem 72 Kindertagesstätten, 17 Schulen sowie 28 Seniorenwohnanlagen liegen. „Das ist das Gegenteil von dem, was eine grüne Hauptstadt Europas auszeichnen sollte.“

„Fluglärm ist in Brüssel angekommen“

Die Einladung nach Brüssel werten die Aktivisten bereits als großen Erfolg. „Der Fluglärm ist in Brüssel angekommen“, sagt Krauß und nimmt den Vorwurf, ein Nestbeschmutzer zu sein, mit einem Lächeln hin. „Den Schmutz haben andere nach Frankfurt gebracht“, meint der Arzt und zeigt mit dem Finger auf den Römer.

Insbesondere von den Frankfurter Grünen sind die Bürgerinitiativen maßlos enttäuscht. „Die müssten eigentlich rot vor Scham werden“, prangern Fechter und Krauß deren Schweigen an. Mit „die“ ist auch explizit Umweltdezernentin Manuela Rottmann gemeint, „die Bewerbung ist doch ihr Baby“, so Krauß. Die Politikerin der Grünen sieht in dem Green Capital Award aber keine Trophäe, „sondern einen Arbeitsauftrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Das ist eine Chance, den Nöten der Lärmbetroffenen zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.“

Darüber können Fechter und Krauß nur bitter lachen: „Das ist, als ob ein Kind, das seine Eltern umgebracht hat, sich dann beklagt, Vollwaise zu sein.“ Ob Frankfurt triumphiert, entscheidet sich Ende Juni. Mit im Finale sind noch Bristol und Kopenhagen. Am 8. Juni darf Frankfurt in Brüssel noch einmal seine „grüne Seite“ präsentieren.

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