Lade Inhalte...

Fluglärm Flughafen Frankfurt Minister trifft auf wütende Fluglärmgegner

Er wollte Glaubwürdigkeit zurückgewinnen für seine Partei im Frankfurter Süden - doch es gelingt Bundesratsminister Michael Boddenberg (CDU) nicht: Bei einer Veranstaltung im Bürgerhaus Südbahnhof stößt er auf wütenden Protest von Lärmgegnern.

Bundesratsminister Michael Boddenberg (CDU) trifft im Bürgerhaus Südbahnhof auf wütende Fluglärmgegner. Foto: Christoph Boeckheler

Nach anderthalb Stunden kann die große Mehrheit der 150 Menschen im überfüllten Saal nicht mehr an sich halten. Klatschen und rhythmische Sprechchöre: „Die Bahn muss weg! Die Bahn muss weg!“ Michael Boddenberg verzieht schmerzlich das Gesicht. Der hessische Bundesratsminister hatte sich diese CDU-Veranstaltung im Bürgerhaus Südbahnhof sicher anders vorgestellt. Der CDU-Politiker wollte Glaubwürdigkeit zurückgewinnen für seine Partei im Frankfurter Süden – doch obwohl der 53-jährige nie die Beherrschung verliert, stets höflich bleibt, gelingt ihm das nicht.

Mit Buhs und wütenden Zwischenrufen machen sich die Leute immer wieder Luft. „400 Überflüge am Tag sind Mord und Totschlag!“, schreit eine Frau.

Boddenberg, der hier bei der Landtagswahl am 22. September kandidiert, verspricht den Menschen „bis zum Frühjahr 2014“ eine neue Überwachungs-Technologie am Flughafen, die neue Anflugrouten möglich mache. In Newark (USA) und in Melbourne gebe es sie schon. Sie ermögliche den Verzicht auf die langen, geraden Anflüge zur Landung in Frankfurt. Statt dessen könnten die Jets künftig nach Passieren der Stadt Offenbach „einen Schwenk nach Süden vollziehen und über dem Wald anfliegen.“

Das führe zur Entlastung der Wohngebiete. Vergangene Woche, so Boddenberg, sei er selbst so am Flugsimulator auf Frankfurt zugesteuert. Auch die Pilotenvereinigung Cockpit unterstütze das Verfahren. Allerdings müssten viele Flugzeuge noch auf die neue Technik umgerüstet werden – eine Investition von 70.000 Euro pro Maschine, „die ich erwarte“. In dieser Woche will der Minister mit einer Delegation des Hessischen Landtags nach Toulouse zu Airbus fliegen, um dort für die neue Technik zu werben.

Doch die vom Fluglärm Betroffenen glauben Boddenberg nicht. „Diese Totalwandlung der CDU wird genau bis zur Landtagswahl anhalten“, prophezeit Ursula Fechter von der BI Sachsenhausen. Im übrigen werde die Deutsche Flugsicherung die neue Technologie nicht akzeptieren.

Fechter erinnert daran, dass der Sachsenhäuser CDU-Vorsitzende Jochem Heumann als CDU-Stadtverordneter im Jahre 2009 die Flughafenausbaugegner öffentlich als „Rattenfänger“ diffamiert habe. Sie verliest das entsprechende Wortprotokoll des Stadtparlaments vom 26. Februar 2009. Mit hochrotem Kopf beharrt Heumann: „Ich stehe auch dazu!“ Das Misstrauen der Kritiker gegen die CDU bleibt grundsätzlich. „Die Volksvertreter der CDU haben dieses falsche Projekt Landebahn durchgesetzt – mit der gleichen Macht müssen sie diesen Fehler jetzt rückgängig machen“, ruft Werner Geiss vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Großer Applaus. „Mitten in Deutschland gehört kein internationales Luftverkehrs-Drehkreuz hin“, sagt Helmut Mader von der BI Niederrad. 70 Prozent der Passagiere seien Umsteiger, von denen die Region überhaupt nicht profitiere.

Auch Christopher Koch von der Initiative „Stoppt Fluglärm“ ist überzeugt: „In Deutschland im 21. Jahrhundert darf keine Landebahn in bevölkertem Gebiet gebaut werden“. Koch greift den SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel und die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) scharf an. Beide behaupteten immer wieder, gegen die neue Landesbahn könne rechtlich nichts mehr ausgerichtet werden. Tatsächlich fuße die Planfeststellung aber „auf falschen Voraussetzungen“.

Auch für die CDU bleibt die Lage im Frankfurter Süden schwierig. Als Boddenberg den Bau der Landebahn als „grundsätzlich richtig“ verteidigt, antwortet ihm ein kollektiver Aufschrei.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen