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Fluglärm Flughafen Frankfurt Fluglärmopfer sind sauer auf Bsirske

Verdi-Chef Bsirke hat Wettbewerbsverzerrungen in Deutschland und Europa beklagt und ein Ende der Luftverkehrssteuer gefordert. Bsirske sprach sich dabei gegen strengere Nachtflugverbote aus. Die Äußerungen des Verdi-Chefs können zu Austritten aus der Gewerkschaft führen.

Wenn das mal keine Stinkefinger sind: Verdi-Chef Frank Bsirske bei einer Kundgebung. Foto: dapd

Verdi-Chef Bsirke hat Wettbewerbsverzerrungen in Deutschland und Europa beklagt und ein Ende der Luftverkehrssteuer gefordert. Bsirske sprach sich dabei gegen strengere Nachtflugverbote aus. Die Äußerungen des Verdi-Chefs können zu Austritten aus der Gewerkschaft führen.

Mathias Wiesheu ist sauer auf Verdi-Chef Frank Bsirske. So sauer, dass er ihm in einem offenen Brief droht, aus der Gewerkschaft auszutreten – nach mehr als 20-jähriger Mitgliedschaft. Eine Kopie des Schreibens geht derzeit unter anderen Flughafenausbaugegnern herum, die sich ebenfalls über die jüngsten Äußerungen Bsirskes maßlos ärgern.

Der Verdi-Chef hatte Wettbewerbsverzerrungen in Deutschland und Europa beklagt und ein Ende der Luftverkehrssteuer gefordert. Bsirske sprach sich dabei gegen strengere Nachtflugverbote aus. Eine Äußerung, die Wiesheu empört. Seit der Eröffnung der neuen Landebahn litten er und seine Familie in Ginsheim-Gustavsburg (Kreis Groß-Gerau) unter Fluglärm, schreibt er in dem offenen Brief. Bsirske habe die Interessen der in der Region lebenden Verdianer vernachlässigt. „Ich möchte Ihnen ins Gedächtnis rufen, dass Sie kein Vorsitzender einer Sparten-Luftverkehrsgesellschaft sind.“

Die Antwort aus Berlin kam prompt. Versöhnt hat sie Wiesheu nicht. Mit ihrem gemeinsamen Positionspapier hätten die beteiligten Gewerkschaften, Unternehmen und Verbände „ein Gesamtpaket angestoßen“. Keine der darin genannten Maßnahmen dürfe „singulär betrachtet“ werden. Der im Planfeststellungsverfahren festgeschriebene Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmern und Bürgern müsse gewährleistet sein. „Bestehende Betriebsgenehmigungen dürfen nicht weiter eingeschränkt, aber auch nicht ausgeweitet werden.“ Eine Ohrfeige auch für alle anderen Verdi-Mitglieder, die – wie Wiesheu – jeden Montag am Flughafen für ein längeres Nachtflugverbot und die Schließung der neuen Landebahn demonstrieren. Auch Jossy Oswald aus Mörfelden-Walldorf ist regelmäßig dabei und will den offenen Brief unterzeichnen. Seit 1973 ist der Walldorfer in der Gewerkschaft – erst in der ÖTV, jetzt bei Verdi. „Da tritt man nicht so schnell aus“, sagt er. Doch der Gewerkschafts-Chef habe eindeutig den falschen Ton getroffen.

Die Kritik kam nicht nur von Fluglärmopfern aus dem Rhein-Main-Gebiet, räumt Martina Sönnichsen, Pressesprecherin in der Verdi-Zentrale in Berlin, ein. Auch aus anderen Regionen der Republik habe es Briefe gegeben. Und die Mainzer Bundestagsabgeordnete der Grünen, Tabea Rößner, hat ihren Parteifreund zum Gespräch über Fluglärmschutz eingeladen. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.

Der hessische Verdi-Vorsitzende Jürgen Bothner versucht, den Ball flach zu halten. Die Gewerkschaft habe die Interessen Tausender am Flughafen Beschäftigter ebenso zu vertreten wie die der lärmgeplagten Anwohner. „Es ist ein Spagat“, sagt Bothner und verspricht, einen Dialog zwischen der Belegschaft und den Ausbaugegnern anzustoßen.

Bei Wiesheu stößt er damit auf offene Ohren. Zum Teil hätten die Beschäftigten ein falsches Bild von der Protestbewegung. „Sie denken, wir wollen den Flughafen plattmachen.“ Dabei gehe es ihnen lediglich darum, die neue Landebahn zu schließen.

Was am Ende bleibt, ist ein Widerspruch, von dem kaum einer mehr redet: Am I5. April 2003 hatte die Landesbezirksdelegiertenkonferenz Verdi Hessen einen Beschluss gegen den weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens gefasst – mit „sofortigem und generellem Nachtflugverbot“.

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