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Fluglärm Flughafen Der Traum vom Fliegen und sein Fluch

Eine neue Dauerausstellung im Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach dokumentiert die Auseinandersetzung um den Frankfurter Flughafen. In einem Schall-Labor können sich Besucher dort anhören, wie laut ein startendes Flugzeug tatsächlich ist.

Ein Kino gibt es auch. Der Film zur Einführung zeigt die Geschichte des Frankfurter Flughafens in fünfzehn Minuten. Foto: Renate Hoyer

Eine neue Dauerausstellung im Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach dokumentiert die Auseinandersetzung um den Frankfurter Flughafen. In einem Schall-Labor können sich Besucher dort anhören, wie laut ein startendes Flugzeug tatsächlich ist.

Tristan Kobler hat „den Blick von außen“ in das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach eingebracht. Der Mann aus Zürich hat mit den Auseinandersetzungen um den Ausbau des Frankfurter Flughafens nichts zu tun. In der von ihm konzipierten Dauerausstellung „Protest. Mediation. Dialog. Der Frankfurter Flughafen, die Region und ihre Menschen“ hat er versucht, die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Gefühle von Ausbau-Befürwortern und -Gegnern aufzugreifen und in multimediale Installationen zu übersetzen. Am Mittwoch lud der Geschäftsführer des Umwelthauses, Günter Lanz, zu einem ersten Rundgang ein.

Kobler hat die alten Büroräume, in denen früher die Angestellten des Glanzstoffwerks Enka saßen, mit neuen Innenwänden versehen, hinter denen sich modernste Technik versteckt. Per Knopfdruck können Animationen abgerufen werden. Lanz öffnet ein Fenster und prompt schwappt gnadenlos Fluglärm wie bei Ostwind in Raunheim in den Raum. Lanz zitiert die Fluglärmgegner, die das Wohnen in Häusern mit Schallschutzfenstern mit einer „Käfighaltung für Menschen“ vergleichen. Ist das Fenster geschlossen, wird der Höllenkrach zum erträglichen Brummen.

In diesem Raum, dem Schall-Labor, werden weitere Hörproben geboten. Wie laut ist ein startendes Flugzeug im Vergleich zum Blockflötenspiel der Nachbarstochter – oder einem Männerchor? Etwa fünfzehn Minuten dauert der Film zur Einstimmung in dem 270-Grad-Kino: Erst werden Flugobjekte gezeigt, dann die Bäume, die dem Flughafenausbau zum Opfer fallen – der Traum vom Fliegen und sein Fluch.

Kobler hat den sechs Themenräumen mit zusammen 760 Quadratmetern Ausstellungsfläche unterschiedliche Farben gegeben. Der Raum, der den Titel „Luftverkehr und Umwelt“ trägt und die Entwicklung von Luftqualität, Biotopen und heimischen Vogelarten zeigt, wurde in Grün gehalten. Postgelb ist der Raum, der sich mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Fracht befasst. Vielen sei zum Beispiel nicht bewusst, dass viele Smartphones in China produziert werden und beim massenhaften Export nach Europa viel umweltschädliches Kohlendioxid entsteht, erläutert Claudia Rothhaar, die das Informationszentrum des Umwelthauses leitet.

Die 1,8 Millionen Euro teure Dauerausstellung ist das Kernstück des neu geschaffenen Informationszentrums. Sie soll durch Expertengespräche, Workshops, Exkursionen und Unterrichtseinheiten für Schulen ergänzt werden, sagt Lanz, der darauf hinweist, dass es teilweise „erhebliche Schwierigkeiten gegeben habe, an harte Fakten zu kommen“. So konnte die Frage, wie es mit Billigarbeitsplätzen rund um den Flughafen aussehe, nicht geklärt werden. Man habe sich mit den offiziellen Zahlen des Flughafenbetreibers von derzeit 74.000 Beschäftigten begnügen müssen.

In der Ausstellung wurden 74.000 knapp vier Zentimeter große Plastikfiguren unter einer Glasplatte befestigt, die entfernt werden kann, um die Beschäftigtenzahl bei Bedarf zu aktualisieren.

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