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Fluglärm „Dreimal so viele Landungen“

Die Frankfurter sind nach Auffassung von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) die einzigen, die von den Lärmpausen profitieren. Trotzdem bleiben diese auch nach ihrer Einführung in Frankfurt umstritten. Die Hessen-FDP fragt nach deren Rechtssicherheit.

Die Sonne geht auf, das erste Flugzeug landet. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Die Einzigen, die von den Lärmpausen profitieren, sind nach Auffassung der Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) „die Frankfurterinnen und Frankfurter“. In dem Lärmpausen-Modell, das seit Donnerstag praktiziert wird, ist vorgesehen, dass auf der Nordwestbahn bei Westwind in der Stunde vor dem Nachtflugverbot, also von 22 bis 23 Uhr, keine Flugzeuge landen. Das soll den sogenannten Neubetroffenen zugutekommen, die seit Inbetriebnahme der neuen Bahn im Oktober 2011 massiv unter Fluglärm leiden.

Doch die Bürgerinitiative gegen den Flughafenausbau in Sachsenhausen sieht das anders. „Wir sind die absoluten Verlierer“, meint die Sprecherin der BI, Ursula Fechter. In der Morgenstunde nach dem Nachtflugverbot, zwischen 5 und 6 Uhr, werden nämlich alle Landungen über die Nordwestbahn abgewickelt. Das bedeutet laut Fechter eine Verdopplung beziehungsweise sogar Verdreifachung der Flugbewegungen. Die Zahl der Landungen habe von durchschnittlich fünf auf zwölf am Donnerstag und 15 am Freitag zugenommen. Die Nachtstunde von 5 bis 6 Uhr sei „zumindest für die Erwachsenen wesentlich sensibler als die Stunden von 22 bis 23 Uhr“.

Umweltdezernentin Heilig räumt im Gespräch mit der FR ein, dass es sich nur um ein Umverteilen des Lärms handelt. „Besser wäre es gewesen, die Nordwestbahn nicht zu bauen.“ Sie bezeichnete die Lärmpausen als einen ersten Schritt, dem weitere folgen müssten. Die Flugzeuge müssten leiser und eine Lärmobergrenze eingeführt werden.

Zu früh für erste Bilanz

Das ebenfalls grüne Verkehrsministerium in Wiesbaden will das Konzept dafür in einem Jahr vorlegen. Für eine erste Bilanz ist es laut Deutscher Flugsicherung (DFS) noch zu früh. Alle Beteiligten hätten sich darauf verständigt, den auf ein Jahr befristeten Probebetrieb erstmal eine Weile zu beobachten und aktuell keine Bewertung vorzunehmen, erklärte DFS-Sprecherin Kristina Kelek.

Unterdessen sorgt sich die FDP-Landtagsfraktion um die Rechtssicherheit der Lärmpausen. Sie hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CDU) geschrieben: „Im Interesse aller Beteiligten“ müsse geklärt werden, ob „in bereits gewährte Rechte des Betreibers“ eingegriffen werde. Verwunderung bei Fraport, die den Test ausdrücklich unterstützt: „Die Bahnen sind grundsätzlich offen, werden nur anders genutzt“, sagt Sprecher Christopher Hulick. Auch das Verkehrsministerium sieht keine rechtlichen Bedenken. Ein Pilot habe keinen Anspruch auf die Nutzung einer bestimmten Bahn. „Die wird ihm vom Lotsen zugewiesen.“ Die DFS sei per „Amtshilfegesuch“ gebeten worden, das gemeinsame Papier zum Lärmpausen-Test umzusetzen.

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