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Fluglärm "Die Landebahn wird geschlossen"

Die Fluglärm-Gegner Helmut Mader und Jochen Krauß von der Niederräder Bürgerinitiative „In Eintracht gegen Fluglärm“ glauben, dass die Politiker letztlich einlenken

28.12.2011 10:14
Setzen auf vertrauliche Gespräche mit Entscheidern: Helmut Mader (li.) und Jochen Krauß. Foto: Michael Schick

Die Fluglärm-Gegner Helmut Mader und Jochen Krauß von der Niederräder Bürgerinitiative „In Eintracht gegen Fluglärm“ glauben, dass die Politiker letztlich einlenken

Niederrad gehört zu den Frankfurter Stadtteilen, die seit der Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn besonders unter dem Fluglärm leiden. Die neu gegründete Bürgerinitiative „In Eintracht gegen Fluglärm“ will die Politiker überzeugen, dass die Bahn wieder geschlossen werden muss.

Woher nehmen Sie den Optimismus, dass etwas zunächst Undenkbares wie die Schließung einer neuen Landebahn gelingen könnte?

Helmut Mader: Die hessische Politik hat eine kapitale Fehlentscheidung getroffen und wird das schließlich eingestehen.

Jochen Krauß: Es geht um mehr als die betroffenen Stadtteile Niederrad oder Sachsenhausen. Diese Landebahn wird die gesamte Stadt verändern. Das haben viele noch nicht erkannt. Ich kenne fünf Familien, die aus dem Frankfurter Süden in die Innenstadt ziehen. Die sagen, wir halten es nach zwei Monaten nicht mehr aus. Diese werden im Nordend oder in Bockenheim andere Mieter verdrängen, und das wird noch schlimmer werden. Wer wird dann hier zurückbleiben? Die Alten, Schwachen, und die, die sich einen Umzug nicht werden leisten können.

Warum hat Ihre Bürgerinitiative die „Eintracht“ im Titel?

Krauß: Uns geht es nicht um eine Verschiebung des Fluglärms, also eine Verlagerung nach Neu-Isenburg oder Flörsheim. Es geht nur in Eintracht mit der gesamten Region. Darin sind sich alle über 60 Bürgerinitiativen einig.

Viele Experten gehen davon aus, dass es in Zukunft noch mehr Lärm in Frankfurt und der Region geben wird …

Krauß: Nicht, wenn die Bahn geschlossen wird. Die Politik hat in den letzten Wochen begonnen, sich zu bewegen. Und denken Sie bitte an die Atomkraftwerke. Ein Ausstieg aus der Atomenergie wurde auch lange für ausgeschlossen gehalten.

Welche Signale haben Sie empfangen, die Sie an eine Schließung der Bahn glauben lassen?

Mader: Die Politik sagt natürlich heute nicht, die Bahn wird geschlossen. Außer ein paar Minderheitsvertreter wie Frau Ditfurth und Herr Dr. Dr. Rahn. Die Grünen würden es gern sagen, sehen es aber derzeit politisch als nicht durchsetzbar an.

Oft wird behauptet, der Flughafen müsse wachsen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und das Argument, dass so Arbeitsplätze entstehen, ist Ihnen sicher auch bekannt?

Krauß: Das Wachstum ist bereits an seine Grenzen gestoßen. Alle, mit denen wir sprechen, sagen, diese Bahn ist genau der eine Schritt zu viel an Wachstum, und erfordert deshalb eine Umkehr.

Und die Arbeitsplätze?

Krauß: Erstens muss die Qualität der Arbeitsplätze respektiert werden, dies haben die Gewerkschaften schon 2001 gefordert. Und zweitens darf es grundsätzlich nicht sein, dass Arbeitsplätze geschaffen werden auf Kosten der Gesundheit von Hunderttausenden.

Mader: Ich würde das gerne noch ergänzen. Also wir wenden uns nicht gegen Wachstum. Ich bin Banker, und Herr Krauß ist Arzt. Wir wenden uns auch nicht gegen eine vernünftige Erweiterung der Flughafenkapazität. Der Frankfurter Rhein-Main-Flughafen liegt allerdings von vornherein an der falschen Stelle. Wir haben einen Stadtflughafen. Und als er erweitert werden sollte, kam die Landesregierung auf die absurde Idee, die neue Bahn noch näher an die Stadt heranzurücken. Die Landebahn gehört da nicht hin.

Plädieren Sie für eine Kapazitätsdeckelung auf dem jetzigen Niveau?

Mader: In London gehen auf zwei Bahnen mehr Flugbewegungen. Ich weiß nicht, warum es hier auf drei Bahnen nicht geht und man angeblich noch eine vierte braucht.

Das Problem ist ja wohl, dass die beiden Parallelbahnen in Frankfurt so dicht beieinander liegen, dass die Flugzeuge nicht gleichzeitig, sondern nur zeitlich versetzt landen können.

Mader: Mit dem Abzug der Amerikaner hätte es die Möglichkeit gegeben, die eine Bahn ein paar Meter nach Süden zu verlagern.

Was sind die nächsten Schritte, um die Schließung der Nordwestbahn zu erreichen?

Krauß: Wir führen als kleine, schlagkräftige, gut vernetzte Initiative direkte Gespräche mit Politikern. Persönliche und vertrauliche Gespräche, das ist eine unserer Vorgehensweisen. Wir suchen nicht die Konfrontation, wir wollen unsere Politiker überzeugen. Und wir machen bei allen Aktionen des Bündnisses der Bürgerinitiativen mit und sind akkreditiertes und stimmberechtigtes Vollmitglied im Bündnis.

Am 16. Januar geht es mit den Montagsdemonstrationen im Terminal 1 wieder los. Werden wieder tausende Menschen kommen?

Krauß: Ich glaube, es werden doppelt so viele sein. Weil über die Weihnachtsfeiertage alle, auch die sonst tagsüber Berufstätigen, zu Hause sind und den unerträglichen Lärm und die Emissionen mitbekommen.

Das Interview führten Jürgen Ahäuser und Friederike Tinnappel

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg
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