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Fluglärm Bürgerinitiative hält Obergrenze nicht für ausreichend

Die Zustände seien unerträglich, sagt die Frankfurter Bürgerinitiative. Der Fluglärm müsse abnehmen.

Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung bezeichnet Jochen Krauß, Gründungsmitglied der Initiative „Eintracht gegen Fluglärm“ und Anwohner im Stadtteil Niederrad, die beschlossene Fluglärmobergrenze. „Ausreichend ist er aber nicht“, relativierte er schnell. Der Fluglärm müsse jetzt weniger werden, weil die Zustände unerträglich seien.

Krauß kritisierte, dass erst die Landebahn Nordwest gebaut worden sei, dann die Auslastungszahlen auf der Bahn nicht erreicht wurden und nun Billigflieger angelockt werden, damit die Bahn überhaupt einen Zweck erfülle. Der Niederräder sagte: „Die innerdeutschen Flüge von und nach Frankfurt sind absurd.“ Diese unnötigen Kurzstreckenflüge müssten am besten auf die Schiene verlagert werden. Allein dadurch könnten Flugverkehr und Lärmbelästigung erheblich verringert werden.

Beim Thema der gesetzlichen Nachtruhe und einer Ausweitung der Nachtflugbeschränkung von 22 bis 6 Uhr erklärte das Gründungsmitglied, dass die Initiative das höchstrichterliche Urteil akzeptiere, welches die Zeiten von 23 bis 5 Uhr bekräftigte. „Alle Mitglieder sind da realistisch.“ Äußerungen von Fraport-Chef Stefan Schulte, diese Regelung müsse gelockert werden, bezeichnete Krauß als „weltfremd“.

Der Vorsitzende der Fluglärmkommission Frankfurt, Thomas Jühe, sagte, er habe sich eine verbindliche Lösung gewünscht. Jedoch fehle im Bund der politische Wille, per Gesetz stärker gegen Fluglärm vorzugehen. „Das Wichtigste ist für mich, dass es überhaupt eine Lärmobergrenze gibt. Wir haben jetzt zum erstem Mal den Fuß in der Tür.“

Lob von der IHK

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) lobte das Konzept als einen Ausgleich zwischen den Belangen des Luftverkehrs und des Lärmschutzes. „Ohne die Zukunft des Luftverkehrsstandortes Frankfurt zu gefährden, bietet die Einführung der freiwillig vereinbarten Lärmobergrenze eine Perspektive für die vom Lärm betroffenen Anwohner“, sagte Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt. Die Obergrenze würde ein Wachstum der Flugbewegungszahlen nicht ausschließen, solange der Lärm nicht zunehme. Dies würde die notwendigen Weiterentwicklungen für den Flughafen im globalen Wettbewerb zulassen. Sehr positiv sei zudem, dass die Interessenvertreter zu einer freiwilligen Vereinbarung gekommen sind.

Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) dankte ihrem Parteikollegen Tarek Al-Wazir, dass er das 17 Jahre alte Versprechen der Fluglärmobergrenze nun umsetze. Zum ersten Mal in der Geschichte des Flughafens habe ein verantwortlicher Minister eine verbindliche Lärmobergrenze definiert. „Das ist eine Trendwende in der hessischen Landespolitik“, sagte Heilig.

Jeder, der mehr fliegen wolle, müsse ab jetzt leisere Flugzeuge einsetzen, resümierte die Umweltdezernentin. Von der Obergrenze profitiere die gesamte Region, auch die Menschen, die im Nahbereich des Flughafens am meisten von Fluglärm betroffen sind. Heilig machte aber deutlich: „Der nächste Schritt muss nun die Ausweitung des Nachtflugverbotes von 5 auf 6 und von 23 auf 22 Uhr sein.“

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