Lade Inhalte...

Flughafen-Protest Machtlosigkeit im Protestcamp

Die Solidarität durch andere Ausbaugegner hielt sich im Waldcamp in Treburg enttäuschenderweise sehr in Grenzen. Kaum jemand schien es für nötig zu halten, die jungen Leute in den Bäumen durch Anwesenheit zu unterstützen. Unser Kommentar.

Räumung Protestcamp
Die Polizei in vollem Einsatz: Auch Äste und Gestrüpp werden geräumt. Foto: Michael Schick

Die Räumung des Waldcamps ist der vorerst letzte Akt im Trauerspiel um den Flughafenausbau. 282 Hektar Wald mussten dafür fallen. Stolze Buchen und Eichen oder knorziges Gehölz, von dem auch nicht wenig im Treburer Oberwald gedeiht. Umzingelt von Autobahnen und Bahnlinien ist dieser Forst nicht der idyllischste Fleck. Aber man trifft dort immer Radler, und er ist wichtig für Klima, Tier und Mensch. Die Neupflanzungen von Fraport haben andernorts stattgefunden. Und die alten Wälder können sie ohnehin nicht ersetzen. 

282 Hektar Natur im Rhein-Main-Gebiet werden geopfert, damit der Flughafen noch mehr brummen kann, der Wohlstand nur nicht gefährdet wird. Eine Tatsache, die Bewohner inzwischen mit Achselzucken hinnehmen. Man kann ja doch nichts machen.

Dieses Gefühl der Machtlosigkeit war auch bei der Räumung des Camps zu spüren. Die meisten Aktivisten gaben kampflos auf. Die Solidarität durch andere Ausbaugegner hielt sich enttäuschenderweise sehr in Grenzen. Kaum jemand schien es für nötig zu halten, die jungen Leute in den Bäumen durch Anwesenheit zu unterstützen. Schade. Man kann nicht nur auf Montagsdemos gehen, sondern muss auch mal in den kalten Wald, wenn es erforderlich ist.

Möglicherweise wiederholt sich hier das Phänomen, das nach der Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest zu beobachten war: Die Dimensionen und Folgen für die Lebensqualität werden den Anwohnern erst bewusst, wenn die Bäume abgeholzt sind und auf der neuen Anschlussstelle Zeppelinheim die Autos und Lastwagen rollen. 

Der Verkehr wird rasant zunehmen, speziell nach Eröffnung von Flugsteig G, denn die Transportsysteme dorthin werden erst 2023 fertig. Bis dahin müssen alle Passagiere und deren Gepäck mit dem Bus transportiert werden. Oder mit dem Auto. Wo bleibt da die Klima- und Verkehrswende, von der die Grünen reden?

Die Räumung des Camps muss nun wirklich der letzte Akt sein in der Geschichte des Ausbaus des Frankfurter Flughafens. Ein Airport dieses Ausmaßes ist im wachsenden Ballungsraum Rhein-Main fehl am Platz. Es kann einer angst und bange werden, wenn man sieht, wie die Kapazitäten nach Eröffnung von Terminal 3 steigen.

Doch erst einmal ist es einfach nur traurig, dass der Treburer Wald mit seinen schönen, alten Bäumen verloren ist.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen