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Flughafen Peter Feldmann spricht über Fluglärm

Im Frankfurter Süden diskutiert Oberbürgermeister Peter Feldmann über Fluglärm. Der Tenor: es muss leiser werden.

Argumente und Flammkuchen: OB Peter Feldmann (rechts) in der Traditionskneipe ?Buchscheer? mit Bürgern. Foto: Christoph Boeckheler

Lebhaft geht es zu an diesem Montagmittag in der „Buchscheer“, dem Traditionslokal im Frankfurter Süden. Über 50 meist ältere Menschen aus Sachsenhausen und Niederrad sind gekommen, um zu hören, was Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zum Thema Fluglärm zu sagen hat.

„Es muss leiser werden“ – wie ein roter Faden zieht sich dieser Satz durch diesen Tag mit mehreren Stationen, die sich Feldmann ausgesucht hat: das Naturfreundehaus, das eine Kita zu Gast hat, eine Lärmmessstation in Oberrad und dann noch Hausbesuche, wieder im Frankfurter Süden. Der Arbeitstitel könnte lauten: das Leben unterm Lärmteppich

In der Buchscheer wird Flammkuchen gereicht. Karlheinz Neumann (79) sitzt mit seiner Frau und drei Bekannten, die er von den Montagsdemonstrationen der Flughafenausbaugegner im Terminal 1 kennt, am Tisch. Der 79-Jährige ärgert sich darüber, dass die Solidarität mit den Lärmopfern schon am Main aufhört, und äußert einen unseligen Wunsch: Nur eine Woche solle es einmal in ganz Frankfurt so laut sein wie in seiner Siedlung; das Entsetzen wäre groß.

Neumann steht jeden Morgen um 5 Uhr auf und schließt die Fenster. Und das bei der Hitze. Um 5 Uhr ist das Nachtflugverbot vorbei, „und dann sind wir erst mal wach“. Alle am Tisch wachen um diese Uhrzeit auf. Steven Collins, das ist der Engländer, der für die Flughafenausbaugegner die Lieder schreibt, wohnt neben der Bergkirche: „Schallschutzzone 1“. Das Regierungpräsidium hat seine Spezialfenster bezahlt. „Draußen sitzen geht gar nicht mehr.“

Es sind die immer gleichen Klagen, seit der Inbetriebnahme der Nordwestbahn im Oktober 2011. Und der OB hat sie sich zu eigen gemacht: Die Menschen bräuchten keine „Placebos“ wie die Lärmpausen, die ja nichts anderes seien als eine „Lärmverschiebung“. Enttäuscht äußert sich Feldmann über den grünen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir und sichert noch im gleichen Atemzug zu: „Meine Hand bleibt ausgestreckt.“ Feldmann wiederholt die immer wieder vorgebrachte Forderung, das Nachtflugverbot von derzeit 23 bis 5 Uhr auf 22 bis 6 Uhr auszuweiten. Und noch ein Kernsatz ist an diesem Tag mehrfach zu hören: „Gesundheit geht vor Profit.“

Vor seiner Rundreise durch Oberrad und den Frankfurter Süden hatten Feldmann und die Fluglärmbeauftragte Ursula Fechter zu einer Pressekonferenz in den Römer geladen. Dort stand der Gesundheitsschutz im Mittelpunkt.

Der Direktor der Kardiologie der Mainzer Uniklinik, Thomas Münzel, zitierte aus einer Vielzahl von Studien. Lärm sei nicht nur lästig und nervig: „Lärm macht krank.“

Selbst wenn man durchschlafe, gehe der Blutdruck hoch, verändere sich der Stoffwechsel in den Zellen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten die Folge sein, aber auch „Depressionen und Angststörungen“.

Nach Einschätzung von Fechter müsse sich die Lärmwirkungsforschung auf die Novellierung des Fluglärmschutzgesetzes auswirken. Sie kündigte an, dass noch in diesem Jahr zwei Messstationen installiert werden sollen, um die Belastung durch gefährlichen Ultrafeinstaub zu erfassen, die in der Umgebung großer Flughäfen möglicherweise besonders hoch ist.

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