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Flughafen Lärmbeauftragte nennt SPD-Vorstoß „schizophren“

Die Äußerungen von Jan Klingelhöfer zu möglichen Nachtflügen während der Fußball-EM sorgen für Ärger. Was will die Frankfurter SPD?

Flughafen
Es gibt Ärger wegen Äußerungen zu Nachtflügen in Frankfurt während der Fußball-EM. Foto: Michael Schick

Ist der SPD die Fußballeuropameisterschaft (EM) wichtiger als das Nachtflugverbot? Die Ausbaugegner sind nach der jüngsten Äußerung des sportpolitischen Sprechers der Römerfraktion, Jan Klingelhöfer, alarmiert. Der Sozialdemokrat hatte eine „bürgerfreundliche Lösung für den EM-Flugverkehr“ gefordert. Die Stabsstellen Fluglärm und EM-Bewerbung sollten Vorschläge erarbeiten.

„Abstrus“ sei diese Idee, urteilt die städtische Fluglärmschutzbeauftragte Ursula Fechter (parteilos), die über die SPD-Liste ehrenamtliche Stadträtin wurde. SPD-Fraktionschefin Ursula Busch spielt die Aussagen Klingelhöfers herunter: Es gebe klare Regeln für das Nachtflugverbot. „Aber man muss ja auch über so was wie eine Europameisterschaft reden.“ Womöglich finde sich ja eine Lösung, die alle Seiten befriedigt. Die dürften nicht ohne die Betroffenen gesucht werden.

Was wäre eine „bürgerfreundliche Lösung“? Klingelhöfer konnte am Montag mangels Erreichbarkeit keine Antwort geben. Fraport könnte allen Lärmbetroffenen während der EM einen vierwöchigen Aufenthalt auf den Maldevien spendieren? Oder Freitickets für das gesamte Turnier? „Nein“, sagt Fechter. Auf Deals würde sie sich nicht einlassen. „Das wäre ein Präzedenzfall.“ Den hat Klingelhöfer in seiner Mitteilung vom Donnerstag ausdrücklich abgelehnt.

Er fordert darin von Fraport auch höhere Geldstrafen für Fluggesellschaften, die nach 23 Uhr am Frankfurter Flughafen landen. Was denn nun? Das, meint Fechter, sei schon „irgendwie kontraproduktiv und schizophren“. Eine „bürgerfreundliche Lösung“ wäre die zweistündige Ausweitung des Nachtflugverbots auf 22 bis 6 Uhr. Europaflüge müssten ohnehin nicht in der Nacht stattfinden. Außerdem habe das Land doch bereits abgelehnt.

Auf Drängen der Uefa hatte Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU) in Wiesbaden ausgelotet, ob während der EM das Nachtflugverbot aufgehoben werden könnte. Das Verkehrsministerium lehnte einen Vorab-Freibrief ab. Jeder Einzelfall müsse geprüft werden. Fechter hatte aus der FR davon erfahren. „Ich war sehr überrascht.“ Die Niederräder SPD-Fraktionsvorsitzende Stefanie Then glaubt, Frank suche jetzt einen Buhmann, weil er die Bewerbung für die EM „in den Sand gesetzt hat“. Indem die SPD Gesprächbereitschaft zeige, schiebe sie den Schwarzen Peter zurück.

Reinhard Klapproth, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Ortsbeirat 5, wirft der SPD vor, ihre Beschlüsse über Bord zu werfen, wenn es politisch opportun erscheint. „Wenn ein Fußballfan wichtiger wäre, dann auch jeder andere Fluggast. Das wäre das Ende des Nachtflugverbots.“

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