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Flughafen-Lärm CDU-Stadtrat stellt sich gegen Bürger

In Bad Vilbel denkt die Bürgerinitiative gegen Fluglärm nach einem Treffen mit der Deutschen Flugsicherung an konkrete Forderungen - die Union vor Ort bremst schon mal.

Stadtrat contra Bürger? Nein, nur eine Szene von den Burgfestspielen in Bad Vilbel. Der Lärm vom Flughafen zwingt die Schauspieler nun dazu, mit Mikrofonen zu arbeiten. Foto: M.Schick

Die Aussichten, dass es am Himmel über Bad Vilbel künftig leiser zugeht, sind offenbar äußerst gering. Vertreter der Deutschen Flugsicherung (DFS) haben der städtischen Verkehrskommission lediglich die Ist-Situation rund um den Flughafen präsentiert. Ernüchterung, aber keine Mutlosigkeit herrschte nach der Sitzung bei der Bürgerinitiative gegen Fluglärm.

„Unser Eindruck in der Verkehrskommission war: Der Lärmschutz kommt bei der DFS an letzter Stelle“, berichtet BI-Sprecher Ronald Kasten der Frankfurter Rundschau von dem Treffen. Dass der Sicherheit höchste Priorität eingeräumt werden muss, sieht man bei der BI ein, nicht hingegen die fast ungebremste Expansion des Flughafens. „Diese Entwicklung geht mit schweren gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung einher“, sagt Kasten.

Lärm über der Kernstadt

Bei Ostwetterlage ziehen, so Kasten, startende Maschinen mit Nordwest-Kurs in 1100 bis 1500 Meter über die Kernstadt hinweg. „Die Ideallinie liegt jedoch nach dem Flugroutenplan weiter östlich.“ In der Verkehrskommission hätten die DFS-Vertreter zugesagt, sich den realen Flugverlauf anzusehen. Sie erklärten jedoch, die optimale Führung der An- und Abflüge bestehe bereits.

Auch der Gegenanflug, der über die Stadt führt, wenn auch mindestens 1000 Meter höher, scheint als unveränderbar zu gelten. „Wenn sich der Lärm nicht verringern lässt, werden wir die Forderung nach einer Betriebsbeschränkung erheben“, kündigt der BI-Sprecher an. Konkret heiße das: Neben einer Fortsetzung des Nachtflugverbotes solle das Frachtgeschäft komplett von Rhein-Main abgezogen werden.

Stadtrat verteidigt Flughafen

Stadtrat Jörg Frank (CDU), Moderator der Verkehrskommission, sprach sich auf Anfrage gegen beide Forderungen aus: „Die Region darf sich nicht diesen wirtschaftlichen Trumpf aus der Hand nehmen lassen.“ Aber auch er ist dafür, dass die startenden Jets die Kernstadt umfliegen sollten.

Über die mögliche Lärmbelastung für Bad Vilbel bei Ostwind wegen der neuen Nordwest-Bahn hatte die Kommune bei der Planfeststellung Daten erfahren. Da lagen die errechneten Schallpegel unter den Grenzwerten.

Die Stadt hat im Spätsommer eine Lärmmessung bei der Flughafenbetreiberin Fraport beantragt. Wann die kommt, ist laut Frank ungewiss. Vilbel sei nicht die einzige Kommune mit diesem Ansinnen. Frank bezweifelt, dass die Grenzwerte erreicht werden.

Allerdings gebe es auch ohne dies Lärm-Auswirkungen, meint er. Das zeigte sich schon in diesem Jahr bei den Freiluft-Burgfestspielen. „Erstmals haben wir alle Vorstellungen tontechnisch abnehmen lassen“, erläutert Kulturamtsleiter Claus Kunzmann. In den vergangenen Jahren habe man trotz gelegentlichen Fluglärms gezögert, beim Sprechtheater mit Mikrofonen (Mikroports) und Verstärkern zu arbeiten. „Doch das Schlechteste, was wir gebrauchen können, sind Lauter-bitte-Rufe des Publikums“, sagte Kunzmann. Der technische Aufwand schlägt mit einem fünfstelligen Betrag zu Buche. Kunzmann überlegt, ob den nur die Stadt bezahlen soll.

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