Lade Inhalte...

Flughafen Frankfurt Weniger Fluglärm – aber keiner merkt es

Experten zeigen auf einer Veranstaltung der Stabsstelle für Fluglärmschutz in Frankfurt, wie mühsam es ist, den Fluglärm zu verringern. Dennoch sei eine Menge erreicht.

Anti-Fluglärm-Demo
Immer wieder protestieren Flughafenausbaugegner gegen den Fluglärm. Foto: Monika Müller

Den meisten Applaus auf der Veranstaltung der Stabsstelle für Fluglärmschutz am Mittwochabend bekam ein ehemaliger Flugkapitän: „In 350 Metern Höhe über die Ortschaften zu nageln – das muss nicht sein“, sagte Reiner Koglbauer vor rund 100 Zuhörern in der Evangelischen Akademie auf dem Römerberg. Er habe „mehrere Tausendmal den Frankfurter Flughafen angeflogen“, erzählte Koglbauer. Bei Hochbetrieb müsse der Luftverkehr streng sortiert werden. Aber in Zeiten, „wo nicht so viel los ist“, könne man auch mal eine Kurve fliegen.

Wie eng der Spielraum für den aktiven Lärmschutz ist, machten alle Referenten deutlich: Regine Barth vom hessischen Verkehrsministerium, Olaf Glitsch von der Deutschen Flugsicherung und Thomas Schäfer von Fraport wiesen auf die aktuelle Gesetzeslage hin: Da gebe es zum einen die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO, die Europäische Union und den Bund mit ihren Vorschriften und Regelungen.

Dennoch sei es gelungen, „eine Menge“ zu erreichen, wie Barth und Glitsch ausführten: Durch die Anhebung der Gegenanflüge für die Flugzeuge, die in Frankfurt landen wollen, sei es unter diesen Routen leiser geworden. Auch die Erhöhung des Anflugwinkels auf die Nordwestbahn habe eine gewisse Entlastung gebracht. Geschwindigkeitsbegrenzungen beim Starten führten dazu, dass die Flugzeuge schneller an Höhe gewönnen. Und die Lärmpause, also die wechselweise Nutzung der Bahnen vor und nach dem Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr, sorgten dafür, dass es phasenweise ruhiger werde. Glitsch ging jedoch davon aus, dass die Lärmpausen auf Dauer nicht zu halten seien, wenn der Flugverkehr wie prognostiziert zunehmen werde.

„Wir sind per Gesetz verpflichtet, die Kapazitäten vorzuhalten, und können es uns nicht leisten, eine Bahn liegen zu lassen.“ Glitsch ist aber überzeugt, dass durch das Wachstum nicht mehr Krach entstehe, wenn es den Beteiligten gelinge, den aktiven Lärmschutz weiterzuentwickeln.

Nach Angaben von Thomas Schäfer ist es sowohl auf dem Lerchesberg als auch in Offenbach messbar leiser geworden. Es gebe eine „leichte Reduzierung des Dauerschallpegels“. Schäfer hatte Zahlen mitgebracht, wonach die Beschwerden, die nach der Inbetriebnahme der Nordwestbahn in die Höhe geschnellt waren, inzwischen wieder das Niveau von vor 2011 erreicht hätten. „Wir müssen uns mehr beschweren“, war eine männliche Stimme aus dem Publikum zu hören.

Eine kurzfristige Entlastung beim Fluglärm sei nicht zu erwarten, darüber müsse man auch offen reden, so Franziska Heß, Rechtsanwältin und Vertreterin der Bundesvereinigung gegen Fluglärm. Auf die von Ursula Fechter, Leiterin der Stabsstelle für Fluglärmschutz, eingangs gestellte Frage, warum die vermeintlichen Fortschritte beim Lärmschutz von der Bevölkerung „nicht als Entlastung wahrgenommen“ würden, gab es auch an diesem Abend keine schlüssige Antwort.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen