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Flughafen Frankfurt Verspätete Flieger weichen auf Hahn aus

Wegen des Nachtflugverbots in Frankfurt weichen Flugzeuge regelmäßig nach Hahn aus. Den kleinen Flughafen freut es, aber Anwohner sind teils weniger glücklich.

09.07.2018 08:23
The control tower of Frankfurt Hahn airport is pictured
Wer überraschend in Hahn landet, ist meist wenig erfreut. Foto: rtr

Die zurückkehrenden Sommerurlauber erwarten ihre Landung in Frankfurt, Düsseldorf oder Stuttgart. Doch plötzlich finden sie sich im Hunsrück wieder, mitten in der Nacht. „Wenn die Leute erst hoffen, gleich zu Hause zu sein, und auf einmal noch stundenlang Bus durch die Nacht fahren müssen, können Sie sich ihre Stimmung vorstellen“, sagt Olaf Simon von der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn.

Der europäische Luftraum ist in der Hochsaison überlastet. Immer wieder müssen verspätete Abend-Maschinen wegen des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen und an anderen Airports auf den abgelegenen ehemaligen US-Fliegerhorst Hahn ausweichen - er besitzt eine seltene 24-Stunden-Genehmigung.

Meist ein- bis viermal pro Nacht kommt es gegenwärtig hier zu solchen Landungen außerhalb des Flugplans, heißt es in Flughafenkreisen im Hunsrück. Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung, nennt zwar keine Zahlen, bestätigt aber die Flugumleitungen an sich: „Wir freuen uns, jederzeit die überfüllten Flughäfen der Umgebung entlasten zu können. Unsere schnelle Abfertigung und kurzen Wege reduzieren den Zeitverlust der Passagiere.“

Unwetter, Streiks, Personal- und Kapazitätsprobleme verdüstern den Himmel über Europa. Der Sprecher von Europas größtem Billigflieger Ryanair, Robin Kiely, sagt: „Das Jahr 2018 entwickelt sich zu einem der schlimmsten Jahre für Fluglotsen-Streiks in Europa. In Verbindung mit Personalengpässen bei der Flugverkehrskontrolle führt dies bei allen Fluggesellschaften zu massenhaften Verspätungen sowie Flugstreichungen.“ Allein im Mai hätten sich insgesamt mehr als 117 000 Flüge in Europa verspätet. Auch bei Ryanair selbst ist für diesen Donnerstag (12. Juli) ein Streik angekündigt - allerdings nur im Namen der irischen Piloten. Das sind laut der Airline nur einige hundert ihrer mehr als 4000 Flugzeugführer.

Auch die europäische Flugsicherung Eurocontrol hat kürzlich bestätigt, dass in den ersten fünf Monaten 2018 die Flüge über dem alten Kontinent deutlich unpünktlicher waren als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die deutsche Airline Condor teilt mit, im vergangenen Jahr habe sie in keinem Fall Hahn außerplanmäßig in der Nacht angesteuert. Anders in der Hochsaison 2018: „Aufgrund der aktuellen Herausforderungen im europäischen Luftverkehr waren es im Schnitt unter zwei Flüge pro Woche.“ Zahlreiche neue Maßnahmen der Airline sollten helfen, diesen Wert wieder auf null zu senken.

Meist dient der Hahn als Ausweichflughafen für den Airport Frankfurt, wo von 23.00 bis 5.00 Uhr ein Nachtflugverbot gilt. Der Sprecher vom Hahn-Platzhirsch Ryanair, Kiely, sagt zwar zu den Umleitungen: „Wir schlüsseln diese Zahlen nicht nach einzelnen Flughäfen auf.“ Die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion erklärt jedoch zu ihren rund sechs Ausweichflügen zum Hahn seit Anfang Juni: „In der Regel betrifft es den letzten Flug des Tages nach Frankfurt.“

Auch die Airline SunExpress, die Lufthansa und Turkish Airlines gehört, spricht bei ihren fünf Hahn-Umleitungen 2018 von vier Fällen mit dem eigentlichen Ziel Frankfurt und einem Fall mit dem Ziel Stuttgart.

Ohnehin heißt der Hunsrück-Airport offiziell etwas irreführend Flughafen Frankfurt-Hahn. Tatsächlich beträgt die Entfernung bis zur Mainmetropole 120 Kilometer. Dennoch hat es vor Jahren sogar die nie verwirklichte Idee eines gemeinsamen Flughafensystems beider Standorte gegeben. Nun scheinen die äußeren Zwänge dieser Vision gleichsam in einer ungeplanten Miniversion Leben einzuhauchen.

Condor wiederum teilt mit: „Der Flughafen Frankfurt-Hahn wird in der Regel nur bei Flügen mit Flugziel Frankfurt, Stuttgart oder Düsseldorf als Ausweichflughafen in Betracht gezogen.“

Im Hunsrück sollen nachts aber auch schon Maschinen mit den noch weiter entfernten bayerischen Zielflughäfen Nürnberg und Memmingen gelandet sein, heißt es in Hahn-Kreisen. Für Passagiere habe sich dann der unverhoffte Bustrip durch die Nacht noch länger hingezogen.

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