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Flughafen Frankfurt Verdi fürchtet um die Sicherheit

In 25 Minuten sollen Ryanair-Maschinen am Frankfurter Flughafen für den nächsten Flug vorbereitet werden. Die Mitarbeiter von Acciona haben schon jetzt genug Stress und wollen mehr Geld.

Billigflieger Ryanair hat mit Kampfpreisen den Markt aufgemischt. Foto: imago

Parkposition einnehmen, Passagiere aussteigen lassen, Gepäck ausladen und das Ganze auch noch einmal umgekehrt: neue Passagiere aufnehmen, Gepäck einladen und die Parkposition in Richtung Start verlassen – das alles soll innerhalb von 25 Minuten geschehen. Katharina Wesenick und Sebastian Marten von der Gewerkschaft Verdi haben das am Mittwochabend als „gefährlich und unzumutbar“ bezeichnet.

Wesenick ist bundesweit für die Bodenverkehrsdienste zuständig, Marten betreut dieses Geschäftsfeld in Frankfurt. Die Billig-Airlines wie Ryanair und Wizz Air, die ab dem 26. März in Frankfurt starten und landen, werden nicht nur den Verkehr in der Luft kräftig aufmischen, sondern auch die Bodenverkehrsdienste.

Für die Maschinen von Ryan-air wird der spanische Konzern Acciona verantwortlich sein, sagen die Verdi-Vertreter, die mit der Gesellschaft gerade im Rahmen eines Haustarifvertrages über eine Anhebung der Löhne um 1,50 Euro die Stunde und bessere Arbeitsbedingungen verhandeln wollen. Die Lage bei Acciona ist kompliziert: Im April wird das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium entscheiden, ob Acciona die Konzession für die Arbeit auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens behält oder ob ein anderer Anbieter, etwa Wisag, den Zuschlag bekommt.

Weil für den Mittwoch eigentlich Verhandlungen geplant, vom Arbeitgeber aber wegen Krankheit abgesagt wurden, waren am Mittwochabend auch die Mitglieder der Tarifkommission im Verdi-Büro am Flughafen. „Ich war ein kleiner Bub, als ich hier angefangen habe. Das ist jetzt 17 Jahre her“, erzählt ein Mitarbeiter. Alle betonen, dass sie „ihre Arbeit lieben“. Bei anderen Airlines hätten sie beim gleichen Flugzeugtyp – es handelt sich um die Boeing 737-800, die von Ryanair“ eingesetzt wird – „40 bis 50 Minuten Zeit“, also doppelt so lange. „Das schaffen wir noch gerade so.“

„Krasse Form der Arbeitsverdichtung"

Wesenick und Marten sprechen bei der 25-Minuten-Vorgabe von einer „krassen Form der Arbeitsverdichtung bei einem sicherheitsrelevanten Thema“. Es müsse genügend Zeit bleiben, um etwa zu schauen, ob alle Türen richtig verschlossen sind. Alles andere sei „extrem gefährlich“.

Fraport-Sprecher Dieter Hulick sieht dagegen die Sicherheit, die oberste Priorität genieße, nicht gefährdet. Denn auf anderen Flughäfen funktioniere das auch. Die Arbeitsabläufe bei einem Low Cost Carrier seien anders als bei den klassischen Airlines wie der Lufthansa. So hätten die Billigflieger ihre eigene Brücke für die Passagiere an Bord. Es gebe kein „Umsteiger-Gepäck“, da die Fluggäste von „Punkt zu Punkt“ befördert würden. Der Vergleich zu den klassischen Airlines sei etwa so, als würden Äpfel mit Birnen verglichen.

Fraport selbst beschäftigt derzeit rund 3000 Arbeitnehmer bei den hauseigenen Bodenverkehrsdiensten, die nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TvÖD) bezahlt werden. Außerdem wurden bei der Fraport-Tochter „Fraground“ circa 2500 Männer und Frauen eingestellt. Sie verdienen, so Hulick, 13 Euro in der Stunde und damit 20 Cent weniger, als es im TvÖD steht. Dieser Satz wurde allerdings im Jahr 2010 stark gesenkt. Wer davor eingestellt wurde, erhält 16 Euro die Stunde plus eine Reihe zusätzlicher Vergünstigungen.

Wesenick und Marten sprechen deshalb von einer „Abwärtsspirale“ bei der Entlohnung, die durch die Billigflieger erneut beschleunigt werde. Sie fordern nicht nur mehr Geld für die rund 1000 Acciona-Beschäftigten, sondern einen Branchen-Tarifvertrag, der halbwegs gleiche Bedingungen für alle am Boden Beschäftigten schafft.

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