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Flughafen Frankfurt und Burson-Marsteller "Ja zu FRA" beauftragt umstrittene PR-Agentur

Die Initiative "Ja zu FRA" von Fraport, Lufthansa und Condor arbeitet mit der fragwürdigen PR-Agentur Burson-Marsteller zusammen. Zu ihren Kunden zählten etwa der rumänische Diktator Ceausescu oder die argentinische Militär-Junta.

Turbulent geht es nicht nur in den Wolken zu, sondern auch darunter. Foto: Mario Vedder /dapd

Das Thema lässt die Region erbeben und rund um den Flughafen, dessen Ausbau und die damit einhergehende Belastung durch Fluglärm ist eine wahre PR-Schlacht entstanden. Bisher haben die zahlreichen Bürgerinitiativen mit ihren vielen Mitstreitern meist die Schlagzeilen beherrscht. Fraport und Luftfahrtgesellschaften sind deutlich in die Defensive geraten.

Damit sich das ändert haben der Flughafenbetreiber, die Lufthansa und die Charterfluggesellschaft Condor die Initiative „Ja zu FRA“ gegründet, die für den 1. März zu einer Demonstration pro Flughafen aufruft. Hinter dem gleichnamigen Internetportal steckt als Domain-Inhaber und Betreiber eine der weltweit größten und wohl auch mächtigsten PR-Agenturen: die Burson-Marsteller GmbH, die ihren deutschen Hauptsitz in Frankfurt in der Hanauer Landstraße hat.

Dass die Zusammenarbeit von Fraport und den beiden Airlines mit den Kommunikationsstrategen ein gefundenes Fressen für die Flughafen-Opposition ist, liegt in der Vergangenheit des PR-Riesen begründet.

Chemiekonzern Union Carbide verursachte schweren Unfall

Zur Kundschaft gehörten die argentinische Militär-Junta, der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu, der Chemiekonzern Union Carbide, in dessen indischem Werk in Bhopal 1984 nach einem Unfall mehrere Tausend Menschen starben (Schätzungen schwanken zwischen 3800 und 25000 Toten) und Hunderttausende Menschen schwer verletzt wurden.

Besonders argwöhnisch und kritisch betrachten die zahlreich an die Öffentlichkeit drängenden Bürgerinitiativen den Einsatz bezahlter Demonstranten für das Biotech-Unternehmen Monsanto 1999 in den USA. „Diese Zusammenarbeit ist skandalös“, sagt Ingrid Wagner von der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach.

Es ist auf jeden Fall ein heißes Eisen, denn am Montagnachmittag hat sich der Geschäftsführer von Burson-Marsteller von einem privaten Termin auf Anfrage bei der Frankfurter Rundschau gemeldet. Karl-Heinz Heuser bestreitet nicht, was die Flughafenausbaugegner bei Wikipedia ausgegraben haben. „Mit bestimmten Klienten würden wir heute nicht mehr zusammenarbeiten“, zitiert Heuser den über 90 Jahre alten Firmengründer Harold Burson. Heuser wirbt aber auch für eine „zum Teil differenzierte Betrachtung der Historie“.

Mit Ceausescu habe die Agentur zusammengearbeitet, als der im Westen noch „als Türöffner für den Eisernen Vorhang galt“. Zu dem Monsanto-Aufzug möchte sich der Geschäftsführer nicht äußern.

Auch Lufthansa beauftragt Burson-Marsteller

Die Kundgebung am 1. März soll den Leuten eine Plattform bieten, sich zu artikulieren, „die einen anderen Blickwinkel auf den Flughafen und dessen Ausbau haben“, sagt Heuser. Die neu gegründete Initiative „Ja zu FRA“ will eine differenzierte und sachliche Diskussion fördern, um die Zukunft des Flughafens auch weiterhin zu sichern, heißt es in dem Aufruf zur Demonstration.

Als „völligen Quatsch“, hat Fraport-Sprecher Dieter Hulick Spekulationen der Flughafenkritiker bezeichnet, bei der Demonstration könnten bezahlte Akteure auftreten. „Das ist absoluter Unsinn“, betont auch Heuser.

Zur langjährigen Kundschaft von Burson-Marsteller zählt die Lufthansa. Zur Vergangenheit der PR-Profis gaben weder Fraport noch die Airline eine Stellungnahme ab.

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