Lade Inhalte...

Flughafen Frankfurt Übernachten im Baumbett

Der Flughafenbetreiber Fraport lässt nach Kampfmitteln suchen, während die Waldbesetzer im Treburer Waldcamp sich darauf einstellen, länger zu bleiben.

Waldbesetzung Sommercamp im Treburer Oberwald
Mitglieder von Robin Wood machen deutlich, was sie von den Ausbauplänen am Frankfurter Flughafen halten. Foto: Michael Schick

Es riecht nach Holzfeuer. Und nach den Zwiebeln, die auf einem zweiflammigen Kocher in der Pfanne schmoren. Ein junger Mann schneidet ein Tofu-Seitan-Würstchen in kleine Teile und gibt sie dazu. Keim nennt sich der Bärtige, der sich heute um das Mittagessen der Baumbesetzer im Treburer Waldcamp kümmert. Die Lebensmittel stammen von älteren Flughafenausbaugegnern, die die jungen Aktivisten hier unterstützen. Auch Wasser bringen sie vorbei, Baumaterial. Bieten Duschmöglichkeiten und auch mal eine Gelegenheit zum warmen Übernachten. Der Zuspruch und das Interesse motiviert die Besetzer weiterzumachen. Denn gemütlich ist es in dem fluglärmbedröhnten Waldstück zwischen ICE-Trasse, A5 und Schnellstraße wahrlich nicht. Und in der Früh hat es sogar geschneit.

Ob es nachts nicht verdammt kalt ist in so einem Baumbett? „Mit einer Isomatte und zwei Schlafsäcken geht es“, sagt Daniel von Robin Wood. Seit rund zehn Tagen halten er, seine Freundin Libell und andere einige der prächtigen Buchen besetzt. Manche waren vorher im Hambacher Forst, der ebenfalls fallen soll. Dort ist es der Tagebau, der sich in die Natur frisst. Hier, zwischen Mörfelden-Walldorf und dem Neu-Isenburger Stadtteil Zeppelinheim, ist es der Flughafen.

Die Rodung sei für Anfang 2019 geplant, informiert Fraport auf Anfrage. Sie soll der letzte Akt sein in der Vernichtung von insgesamt 282 Hektar Wald für die Landebahn Nordwest und Terminal 3. Wo jetzt noch die Bäume stehen, ist die Erweiterung der Anschlussstelle Zeppelinheim vorgesehen. Sie soll den zusätzlichen Straßenverkehr aufnehmen, der mit Eröffnung von Terminal 3 zu erwarten ist. Knapp sechs Hektar Wald benötige Fraport dafür, sagt Konzernsprecher Christian Engel. Laut Gemeinde Trebur sind es lediglich knapp viereinhalb Hektar, den Rest benötige Fraport lediglich auf Zeit, um die Baustelle erreichen zu können. Nach langen Verhandlungen hatte die Flughafenbetreiberin im Dezember erfolgreich eine sogenannte Besitzeinweisung beim Regierungspräsidium beantragt, eine Enteignung. Kurz danach begannen die „vorökologischen Maßnahmen“, sagt Engel. Bis zur Rodung Anfang 2019 lasse man die Aktivisten in Ruhe. „Von ihnen geht keine Störung aus, deshalb werden wir nach derzeitigem Standpunkt nichts gegen sie unternehmen.“ Im Übrigen, betont Engel, sei die Wiederaufforstung bereits erfolgt. Auf 288 Hektar habe Fraport Bäume geplant – auf 13 Flächen im Rhein-Main-Gebiet.

Dem Gesetz mag die Flughafenbetreiberin damit Genüge getan haben. Doch bei den jungen Leuten im Waldcamp gelten andere Werte. „Jeder Baum zählt, jeder Quadratmeter, der versiegelt wird“, sagt Daniel. Auf einem Schild an einer Buche steht die gleiche Botschaft in anderen Worten: „Wir alle wollen leben.“

Es ist ein buntes, zusammengewürfeltes Häufchen, das sich am Mittwochnachmittag immer wieder an dem Holzfeuer und dem Ingwertee wärmt. Sieben Leute sind es heute, manchmal sind es auch mehr oder weniger. Es gibt ja noch andere Dinge zu tun – etwa arbeiten, in die Schule gehen, studieren. In den Zelten haben sie ihre Sachen untergebracht. Die mit Plastikplanen vor Schnee und Regen geschützten Baumplateaus bieten Privatsphäre. Und eine Küche mit rundem, aus Ästen geflochtenem Dach ist in Arbeit. Das Provisorium unter der blauen Plane ist schon recht wackelig. Die Zwiebel-Tofu-Seitan-Pfanne ist inzwischen gar. Jetzt muss nur noch das Nudelwasser kochen. Langsam wird Keim ungeduldig: „Das dauert vielleicht.“ Wie lang die Baumbesetzer ausharren werden, haben sie noch nicht entschieden, sagt Daniel. Mindestens bis Ende Februar, denn dann darf Fraport wegen des Einsetzens der Vegetationsperiode nicht mehr roden. Vielleicht auch viel länger.

Einige Hundert Meter weiter arbeitet eine von Fraport beauftragte Firma mit Metalldetektoren den Boden ab. Die beiden Männer sondieren das Gelände auf mögliche Kampfmittel.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen