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Flughafen Frankfurt Terminal 3 Arbeiten am Terminal 3 beginnen

Fraport-Chef Schulte spricht auch die Kehrseite des Flughafenausbaus an. Ministerpräsident Bouffier sieht die große Mehrheit der Hessen hinter dem Projekt stehen.

Offizieller Spatenstich zum Bau von Terminal 3 des Frankfurter Flughafens. Foto: dpa

Nicola Thümler und Katharina Deeg sind gut gelaunt. Normalerweise kümmern sie sich um den reibungslosen Ablauf des Passagierbetriebs, aber heute dürfen die beiden Frauen Spaten stechen. Rund 400 Mitarbeiter sind es insgesamt, die das große Los gezogen haben und am offiziellen Startschuss zum Bau von Terminal 3 mitwirken dürfen.

Frauen in Pumps, Männer in Arbeitshosen. Wie die Prominenz aus Politik und Wirtschaft sind auch sie ausstaffiert mit blauen Helmen plus neongelben Westen mit der poetischen Aufschrift „Wir sind dabei – Spatenstich Terminal 3“. Deeg (26) ist begeistert: „Es ist schön, Teil des Ganzen zu sein.“ Kollegin Thümler euphorisch: „Das ist mein Fraport, mein Flughafen.“

Wie Spargelfelder wirken die Erdhaufen in Viererreihen vor der Bühne. Am Mikrofon steht als erster Fraport-Chef Stefan Schulte und dankt der Belegschaft für ihr Engagement. Dann begründet er das Projekt mit den bekannten Argumenten: Zunahme des weltweiten Luftverkehrs um zwei bis drei Prozent, Sicherstellung des Wohlstands der Rhein-Main-Region. „Unser Anzug wird zu klein.“

Deshalb brauche Fraport das dritte Terminal, in dem pro Jahr 14 Millionen Passagiere abgefertigt werden können. Wenn es in sieben Jahren in Betrieb geht, werde der Frankfurter Flughafen eine „exzellente Infrastruktur und ansprechenden Service“ bieten. Eine zukunftsweisende Investition und ein „Stück Daseinsvorsorge“ für die Region. „Wir wollen auch in 30 Jahren noch das attraktive Tor in die Welt sein.“

Schulte spricht aber auch die Kehrseite des Flughafenausbaus an. „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um an der Lärmminderung mitzuwirken.“ Als jüngstes Beispiel nennt er die so genannten Lärmpausen, bei der in der Stunde vor beziehungsweise nach dem Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr abwechselnd jeweils eine Bahn nicht genutzt werden soll. „Wir sind uns sicher, wir gehen den richtigen Weg.“

Diese Zuversicht teilt mit ihm Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Die Landesregierung habe die „zur Zeit größte Investition in Deutschland“ geprüft. Es gebe keine Alternative dazu. Der Airport sei von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung: „Dieser Flughafen und seine Konkurrenzfähigkeit ist der Herzmuskel der Region. Ohne ein internationales Drehkreuz ist der Wohlstand hier nicht zu halten.“

Er respektiere die Meinung der Flughafenausbaugegner. „Aber die ganz große Mehrheit der hessischen Bürger steht hinter der Entscheidung“, sagte Bouffier. Gleichwohl werde die Landesregierung sich auch künftig bemühen, den Lärm zu reduzieren. „Das hier“, betont Bouffier abschließend, „ist ein Stück Geschichte unseres Landes.“

Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) nennt den Baubeginn im Süden des Airports „einen Meilenstein“. Es sei umsteigenden Passagieren nicht zuzumuten, auf dem Vorfeld abgefertigt zu werden. Den abwesenden Oberbürgemeister Peter Feldmann (SPD), der im Aufsichtsrat gegen das Projekt gestimmt hat, erwähnt Becker zwar explizit nicht. Doch er stellt fest, dass man sich „nicht wegducken“ soll. „Man muss Ja sagen und auch, dass es um Arbeitsplätze geht.“

Er sei sicher, dass der Bau im Zeitplan und Kostenrahmen bleiben werde, sagte er in Anspielung auf die Probleme mit dem Neubau in Berlin: „Wir können das hier in Frankfurt.“ Auch Aufsichtsratsvorsitzender Karl-Heinz Weimar ist zuversichtlich: Mit dem Bau neuer Terminals habe Fraport Erfahrung, etwa in St. Petersburg, Varna oder Burgas.

Während über die Leinwand hinter der Bühne ein Image-Film läuft, schreiten die Spatenstecher zu ihren nummerierten Plätzen. Weimar streift die Handschuhe über, Bouffier und Schulte machen es ohne. Werfen Sand in Richtung Kameras. Schulte und Bouffier lachen. Auch Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel ist jetzt stolzer Besitzer eines nagelneuen Fraport-Spaten mit Datum 5. Oktober. „Der Bau war folgerichtigt“, sagt er der Frankfurter Rundschau. „Es geht um die Frage der Qualität der Flüge, nicht ob mehr Flugverkehr stattfindet.“

In Vertretung für den terminlich verhinderten hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) wohnt sein Staatssekretär Mathias Samson dem von Fluglärm beschallten offiziellen Akt bei. Er sei Zuschauer, beobachte das Ganze. Mehr will der Staatssekretär nicht sagen.

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