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Flughafen Frankfurt Stört Fluglärm die Religionsausübung?

Wenn bei der Beerdigung keiner keiner mehr den Pfarrer versteht, weil er vom Flugzeug-Donner übertönt wird - sind dann die Segensworte ungültig? Mit solchen Fragen müssen sich möglicherweise Gerichte befassen. Der Grund: Zwei evangelische Gemeinden wollen klagen.

19.03.2012 21:53
Vater, Sohn und heilige Ruhe? Kirchen wehren sich gegen Fluglärm. Foto: Andreas Arnold

Seit Eröffnung der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens protestieren wöchentlich Tausende gegen den Fluglärm. Jetzt wollen zwei evangelische Kirchengemeinden dagegen klagen, weil sie sich in ihrer Religionsausübung beeinträchtigt sehen.

Eigentlich könnten sich die lärmgeplagten Protestanten aus Flörsheim und Mainz-Marienborn zurücklehnen und das für den 4. April angekündigte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Flughafenausbau abwarten. Die Leipziger Richter deuteten bei der Verhandlung an, dass sie ein absolutes Nachtflugverbot befürworten.

Die Nachtruhe reicht den Gemeinden allerdings nicht. Sie baten die Leitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Voraussetzungen für eine Klage zu schaffen, um das im Grundgesetz Artikel 4, Absatz 2 verankerte Recht auf freie Religionsausübung durchzusetzen.

"Menschenwürdige Bestattung nicht möglich"

Dieses Grundrecht ist nach Überzeugung des Flörsheimer Pfarrers Martin Hanauer nicht gewährleistet. Bei Ost-Wetterlage sei beispielsweise eine menschenwürdige Bestattung auf dem Friedhof nicht möglich, weil Worte nicht mehr zu verstehen seien, argumentiert er. Der Lärm landender Flugzeuge, die in geringer Höhe den Friedhof überfliegen, störe die Besinnung, Gebete und Aussegnung als wesentliche Bestandteile religiöser Bewältigung von Trauer und Abschied.

Die Worte des Grundgesetztextes lassen Raum zur Interpretation. Es müsse genau begründet werden, wann und wie die Religionsausübung gestört sei, sagt Hanauer. „Sind die Segensworte ungültig, wenn sie vor lauter Lärm nicht gehört werden?“. Solche theologischen Fragen müssten von Experten geklärt werden. „Wir können die Fakten vor Ort beschreiben, aber wir brauchen auch fundierte theologische Argumente.“

Man streite „um die Wiedergewinnung von Räumen der Stille“, heißt es im Beschluss der Gemeinde Marienborn. Der rechtliche Kern kirchlicher Arbeit müsse verteidigt werden. Der Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen, Stephan Krebs, sagte, ein Jurist der Kirchenverwaltung habe vor einem Jahr die Chancen einer Klage als „eher gering“ eingeschätzt. Man werde das Anliegen der Gemeinden aber erneut prüfen. (epd/jno)

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