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Flughafen Frankfurt Mit Waffen im Gepäck am Flughafen

EU-Kontrolleure decken gravierende Sicherheitsmängel am Frankfurter Flughafen auf. Den Prüfern gelingt dem Vernehmen nach jeder zweiten Versuch, Waffen oder andere gefährliche Gegenstände unbemerkt durch die Sicherheitskontrollen zu schleusen.

Kontrollen der Europäischen Kommission offenbaren schwere Mängel bei der Gepäckdurchleuchtung am Frankfurter Flughafen. Foto: dpa

Kontrolleure der EU-Kommission haben bei verdeckten Kontrollen am Frankfurter Flughafen Sicherheitsmängel bei der Passagier- und Gepäckabfertigung festgestellt. Dies bestätigte Fraport-Sprecher Christopher Holschier auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau. Bereits im November sei der Flughafenbetreiber über die Mängel in Kenntnis gesetzt worden. In Zusammenarbeit mit der Bundespolizei habe man seitdem mehrere „Sofortmaßnahmen“ eingeleitet, um die Sicherheit der Reisenden zu gewährleisten, so Holschier weiter.

Wie am Wochenende bekannt wurde, ist es den EU-Prüfern bei ihren Kontrollen angeblich bei jedem zweiten Versuch gelungen, Waffen oder andere gefährliche Gegenstände unbemerkt durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen zu schleusen. Grund dafür seien vor allem nicht ausreichend geschulte Mitarbeiter an den Sicherheitsbarrieren. Demnach hätte das dortige Personal die versteckten Objekte auf den mit den Röntgengeräten verbundenen Bildschirmen häufig nicht richtig gedeutet und deshalb nicht als gefährlich eingestuft.

Weder Fraport noch die Bundespolizei bestätigten diese Informationen, da der von der EU-Kommission vorgelegte Prüfbericht nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte der FR jedoch, dass die Ergebnisse des EU-Berichts „insbesondere die Dienstleister“ beträfen, die im Auftrag der Bundespolizei Kontrollen am Frankfurter Flughafen durchführen. Dies ist neben der Fraport und deren Tochtergesellschaft FraSec auch der Sicherheitsdienstleister I-Sec.

In Reaktion auf das Ergebnis des Prüfberichts wurden Holschier zufolge in den vergangenen Wochen mehrere zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So habe man eine „sofortige Nachschulung“ der 2500 im Auftrag der Bundespolizei arbeitenden Fraport-Sicherheitsmitarbeiter veranlasst – bei rund 2000 Mitarbeitern sei diese Extra-Schulung bereits abgeschlossen, 500 Schulungen stehen noch aus.

Trainer schulen Personal

Zudem stelle man den Angestellten an den Kontrollspuren seit Bekanntwerden der Mängel verstärkt sogenannte Trainer zur Seite. Diese sollen das Personal zusätzlich zur Sofortschulung auf die in dem Bericht bemängelten Punkte hinweisen und als kompetente Ansprechpartner „on the job“ dienen, wie Holschier es ausdrückt. Im Sicherheitsbereich müssten nun „neue Routinen“ entwickelt werden.

„Die Sofortmaßnahmen wurden ganz eng mit der EU und dem Flughafenbetreiber abgestimmt“, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntag. Medienberichte vom Wochenende, die besagen, dass die EU-Kommission damit drohe, den Flughafen Frankfurt bei Misserfolg der Maßnahmen als „Non-Schengen-Airport“ einzustufen, können seitens der Bundespolizei nicht bestätigt werden. In einem solchen Fall müssten sich Flugreisende aus Frankfurt bei der Einreise in andere EU-Länder einer erneuten Sicherheitskontrolle unterziehen. „Die EU hat den EU-Standard nicht entzogen“, so ein Bundespolizei-Sprecher schlicht. Bei der EU-Kommission war am Sonntag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Kritik kam nach Bekanntwerden der Sicherheitslücken umgehend vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau (BBI), dem über 80 Gruppierungen im ganzen Rhein-Main-Gebiet angehören. „So geht’s, wenn man ein internationaler Großflughafen sein will, aber die elementarsten Abläufe nicht in Griff bekommen kann“, sagte Sprecher Thomas Scheffler.

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