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Flughafen Frankfurt Leben unter dem Lärmteppich

Wie die Menschen unter der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens leben, soll ein neues Sozialmonitoring zeigen. Fast 50 Kommunen erhoffen sich davon Daten für ihre Planung.

Der Flughafen hat einen enormen Einfluss auf das Umland. Foto: Andreas Arnold

Wie viele Ortsbürger pendeln täglich zum Flughafen? Wie hoch ist die Fluktuation in den Wohngebieten unter der Einflugschneise? Welche Klientel lebt unter dem Lärmteppich? Und wie viele Airportmitarbeiter verdienen so wenig, dass sie ergänzende Sozialhilfe beziehen?

Verlässliche Antworten soll ein sogenanntes Sozialmonitoring liefern, an dem sich bislang knapp 50 Kommunen beteiligen – darunter alle Großstädte in dem Radius von 100 Kilometer um den Airport. Ziel ist, den Kommunen fundierte Daten zu liefern, anhand derer sie ihre Entscheidungen ausrichten können. „Wir erhoffen uns unmittelbare Hinweise auf die Stadtentwicklung“, sagt der Offenbacher Landrat Oliver Quilling (CDU) am Mittwoch zum offiziellen Auftakt des Projekts. „Die Frage ist auch, wie wir die Balance halten zwischen wirtschaftlicher Entwicklung des Flughafens und dem Erhalt der Lebensqualität.“

Quilling ist nicht nur Landrat eines der vom Fluglärm am stärksten betroffenen Landkreise. Der CDU-Politiker ist auch Vorstandsmitglied des Forums Flughafen und Region (FFR), zu dem auch das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) in Kelsterbach gehört. Die Landestochter übernimmt die Kosten von rund 1,3 Millionen Euro für das Vorhaben, das auf eine Forderung der Mediation zum jüngsten Flughafenausbau zurückgeht. Es ergänze das bestehende Fluglärm- und Umweltmonitoring, sagt UNH-Geschäftsführer Günter Lanz. Nach der Norah-Gesundheitsstudie sei es „das zweite große Projekt, mit dem in Frankfurt wegweisend der Einfluss eines so großen und komplexen Gewerbegebiets auf das nähere und weitere Umland untersucht wird“.

Groß angelegte langwierige Studie

Anders als bei Norah handelt es sich nicht um eine groß angelegte langwierige Studie, die viele Interviews und Gesundheitschecks beinhaltete. Die Forschungsgruppe werte vor allem Daten der Kommunen und andere Statistiken aus, sagt der wissenschaftliche Leiter, Peter Bartelheimer vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen an der Georg-August-Universität (SoFi). Insgesamt sind drei Institute beteiligt.

Die rund ein Dutzend Wissenschaftler werden aber auch eigene Daten erheben. So haben sie vor, die Personalverantwortlichen der rund 82 000 Beschäftigten zu befragen, die innerhalb des Flughafenzauns arbeiten. Bei rund 200 Privathaushalten sind zudem Erhebungen geplant, um herauszubekommen, wie stark der Airport mit den Bewohnern und der örtlichen Wirtschaft verknüpft ist. Auch ob es typische Muster in den von Lärm besonders stark betroffenen Gebieten gibt, soll erforscht werden.

Vielleicht liefern die Wissenschaftler auch eine Erklärung dafür, dass nach der Inbetriebnahme der Landebahn die Zahl der Flüge sank, die der Mitarbeiter aber stieg. Interessant wird auch die Entwicklung sein, wenn Ryanair und andere Lowcost-Airlines künftig von Frankfurt aus starten. Sie gelten als Arbeitgeber von Billigjobs. Werden die Kommunen künftig mehr sogenannte Aufstocker haben – also Bürger, die von ihrer Arbeit am Flughafen nicht leben können?

Bislang wisse kein Bürgermeister konkret, wie viele es seien, sagt Lanz. Sollte sich herausstellen, dass Kommunen über Transferleistungen den Airport subventionierten, werde man sich nicht damit abfinden, prognostiziert Quilling. „Das würde zu politischen Diskussionen führen.“

Auf einer eigenen Homepage werden die Wissenschaftler kontinuierlich ihre Ergebnisse publizieren. Schon im April/Mai könnte es losgehen, mit Informationen zu den Pendlerströmen, der Bevölkerungsentwicklung, den flughafennahen Betrieben. Der Abschluss der Projekts ist für das Frühjahr 2018 avisiert. Bis März könnten sich noch weitere Kommunen melden, sagt Lanz. „Die Tür ist noch offen.“

Infos: www.sozialmonitoring.de

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