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Flughafen Frankfurt Lärmpausen bringen wenig

Schlechte Nachrichten für Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne): Die Lärmpausen, mit denen er Anwohner des Flughafens entlasten möchte, stoßen in der Region auf erhebliche Bedenken. Die Fluglärmkommission, die fünf von Al-Wazir vorgelegte Modelle überprüft, setzt daher keine Hoffnungen darauf.

Für viele Menschen wäre mehr Ruhe in den Nachtstunden ein Erfolg. Foto: Rolf Oeser

In ihrer Empfehlung, die sie in der nächsten Woche veröffentlichen will, wird die Kommission nach Informationen der Frankfurter Rundschau nur eine einzige Variante für so tauglich erachten, dass sie einen Probelauf nicht rundheraus ablehnt. Es ist das Modell 4, bei dem von 22 bis 23 Uhr Ruhe auf der Nordwest-Bahn und der Centerbahn wäre sowie von 5 bis 6 Uhr auf der Südbahn.

Auch bei diesem Modell hegen die Vertreter der Umlandkommunen, die in der Lärmkommission zusammengeschlossen sind, allerdings Bedenken. Zum einen halten sie das Verfahren nur bei Westwind für akzeptabel, so dass es lediglich an etwa drei Viertel der Tage umsetzbar wäre. Zum anderen hadern sie mit dem Modell 4, da nicht nur 60 000 Menschen entlastet, sondern 40 000 Betroffene zusätzlich belastet würden. Nutznießer wären Bewohner des Frankfurter Südens und des Offenbacher Südens. Belastet würde etwa Neu-Isenburg.

Manche Mitglieder der Kommission halten daher auch Modell 4 für ungeeignet. Zu ihnen gehört Dirk Treber aus Mörfelden, der die Bundesvereinigung gegen Fluglärm vertritt. „Die Entlastung ist zu gering, als dass das vonseiten der Fluglärmkommission positiv beschieden werden kann“, urteilt Treber.

Der Vorsitzende der Fluglärmkommission, der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), will dem Ergebnis der Beratungen nicht vorgreifen. „Es wird noch fleißig gearbeitet“, sagt er. Auch Jühe betont aber, „problematisch“ wäre eine große Umverteilung der Belastungen. Sprich: Eine Mehrzahl der Begünstigten genügt der Kommission nicht, wenn dem viele Benachteiligte gegenüberstehen.

Al-Wazir will Lärmpausen ab Ende März

Am Mittwoch nächster Woche will die Fluglärmkommission die Öffentlichkeit informieren. Die Kommunalvertreter werden dem Vernehmen nach deutlich machen, dass sie andere Maßnahmen für wesentlich hilfreicher halten als Lärmpausen. Sie dringen auf wirksame Lärmobergrenzen, höhere Lärmentgelte und eine Reduzierung der geplanten Flüge in den Nachtrandstunden.

Minister Al-Wazir hatte die Fluglärmkommission stets gelobt für ihre konstruktive Mitarbeit. Er ist an deren Votum allerdings nicht gebunden. Sein Ziel sei es, Lärmpausen ab dem letzten März-Wochenende zu starten, sagte der Grünen-Politiker. Die Deutsche Flugsicherung müsse sie technisch umsetzen. „Man könnte es theoretisch auch zwei Wochen früher oder zwei Wochen später machen“, erläuterte er.

Zugleich wartet Al-Wazir auf Gutachten, die überprüfen, inwieweit ein drittes Terminal für den Airport notwendig ist. Der Chef des Flughafen-Betreibers Fraport, Stefan Schulte, hatte am Wochenende angekündigt, „im Sommer“ mit dem Bau zu starten. Die Grünen zeigten sich irritiert. Offenbar wolle Schulte „Gegenargumente gar nicht mehr hören“, sagte Landtags-Fraktionschef Mathias Wagner. Diese „Ignoranz gegenüber den Sorgen der unter der Lärmbelastung leidenden Anwohner“ mache Fraport bei vielen unbeliebt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) reagierte gelassen. „Fraport hat das Recht zu bauen“, kommentierte er.

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