Lade Inhalte...

Flughafen Frankfurt Lärmgeplagte Gemeinde bittet Bouffier um Hilfe

Das von Fluglärm geplagte Erzhausen will die Verlegung einer Abflugroute vom Frankfurter Flughafen verhindern. Die Bewohner der Gemeinde befürchten eine Lärmbelastung von 55 Dezibel und darüber.

Erzhausen
Protest in Erzhausen gegen Fluglärm. (Archivbild) Foto: Andreas Arnold

Die vom Auto-, Bahn- und Fluglärm geplagte Gemeinde Erzhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg) hat sich an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gewandt. Bouffier soll sich dafür einsetzen, die mögliche Verlegung einer Abflugroute vom Frankfurter Flughafen zu verhindern. In einem offenen Brief fordern Bürgermeister Rainer Seibold (parteilos), der Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung von Bouffier, das Anliegen der Kommune zu unterstützen.

Hintergrund sind Pläne, die Flugroute „Amtix kurz“ nach Norden zu verlegen, um auf diese Weise die nördlichen Stadtteile von Darmstadt zu entlasten. Der offene Brief der Gemeinde Erzhausen wurde im „Darmstädter Echo“ veröffentlicht. In dem Schreiben wird beklagt, dass eine mögliche Verlegung der Abflugroute an den Rand der Gemeinde den Ort „in höchstem Maße“ beeinträchtigen werde. Die weit vorangeschrittenen Pläne seien der Gemeinde Erzhausen „auf inoffiziellem Weg bekannt geworden“. Eine offizielle und detaillierte Information oder gar Beteiligung habe es bis heute nicht gegeben.

Bürgermeister Seibold äußerte: „Gerade die Geheimniskrämerei macht uns stutzig.“ Dass die Öffentlichkeit nicht informiert und die Betroffenen nicht beteiligt würden, lasse den Schluss zu, dass die geplante Verlagerung der Startroute „völlig unausgegoren“ sei. Mehr als 30 Jahre nach der Inbetriebnahme der Startbahn West müsse die Region „endlich mal zu Ruhe kommen“, so Seibold.

Die Gemeinde will künftig „mit allen verfügbaren Mitteln“ gegen die Verlagerung der Abflugroute vorgehen. Dazu gehöre eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung in Erzhausen, die Ansprache von verantwortlichen Politikern und die aktive Nutzung von Beteiligungsforen wie der Fluglärmkommission.

Der Erzhäuser Gemeindevorstand um Bürgermeister Seibold und die Gemeindevertretung weisen in dem Schreiben an den Ministerpräsidenten darauf hin, dass die Gemeinde durch die Trasse der Main-Neckar-Bahn im Osten, die Autobahn 5 in Westen und den Verkehrslandeplatz Egelsbach im Norden ohnehin schon stark von Lärm beeinträchtigt werde. Durch eine Verlegung der Flugroute würde die Entwicklungsmöglichkeit der Gemeinde weiter massiv eingeschränkt. Zudem verschlechtere sich die Lebensqualität in der Kommune.

„Für Erzhausen wäre eine solche Verlegung eine historische Katastrophe“, heißt es in dem Schreiben. Fast der komplette Ort wäre einer Lärmbelastung von 55 Dezibel und darüber ausgesetzt. Als Folge befürchten die Bürger einen Bevölkerungsrückgang und keine Zuzüge. Die „gesunde Entwicklung“ der vergangenen Jahre würde „ein abruptes Ende finden“. Zudem, so beklagen die Gemeindevertreter, wäre die südlich von Erzhausen gelegene Hessenwaldschule mit 700 Schülern von der Verlegung der Route besonders betroffen.

Anja Wollert, die Geschäftsführerin der Kommission zur Abwehr des Fluglärms am Frankfurter Flughafen, sagte gestern, sie rechne damit, dass die seit fünf Jahren laufende technische Prüfung der Flugroutenänderung noch in diesem Jahr fertiggestellt und der Fluglärmkommission vorgelegt werde. Erst wenn das Expertengremium des Forums Flughafen und Region die Prüfungsergebnisse vorgelegt habe, werde eine betroffene Kommune in das Verfahren einbezogen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen