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Flughafen Frankfurt Kurzflüge in der Kritik

15 Prozent der Flugverbindungen am Frankfurter Flughafen könnten ohne großen Zeitverlust auf die Schiene verlegt werden. Mensch und Umwelt könnten so entlastet werden.

Anti Fluglärm Demo
Zugfahrten statt Flüge haben auch Demonstranten bei der Anti-Fluglärmdemo am vergangenen Sonntag gefordert. Foto: Monika Müller

Im vergangenen Jahr starteten am Frankfurter Flughafen 60 259 Passagierflüge zu Zielen, die in höchstens vier Stunden hätten mit dem Zug erreicht werden können. Weitere 6000 kommen hinzu, bei denen die Bahnfahrt maximal sechs Stunden gedauert hätte, auch hier mit Start Frankfurt-Hauptbahnhof. 

Wie aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion an das Bundesverkehrsministerium weiter hervorgeht, legten mehr als die Hälfte aller Flüge (52 Prozent) eine Distanz von bis zu 1000 Kilometern zurück. Bei einem Drittel betrug die Entfernung maximal 600 Kilometer. „Das sind 395 Flugbewegungen am Tag, welche auf circa 60 ICEs verteilt werden können“, sagt Jörg Cezanne, hessischer Bundestagsabgeordneter der Linken, der Frankfurter Rundschau. 15 Prozent des Verkehrsaufkommens in Frankfurt bestehe aus Inlandsflügen, die zu 99 Prozent ohne Zeitverlust auf die Schiene verlegt werden könnten. „Bei vollständiger Verlagerung gäbe es noch 380 000 Flugbewegungen pro Jahr“ – statt derzeit 447 563. Die von Ausbaugegnern, Umweltschützern und auch von der Linken geforderte Reduzierung wäre damit realisiert. 

Die Forderung nach Verlagerung von Kurzstrecken von maximal 500 Kilometern sind ein Dauerbrenner. In Frankfurt betrifft sie vor allem Lufthansa, die die Gruppe der Airlines mit Abstand anführt. Eine Auswertung der Arbeitsgruppe Flugauswertung für das laufende Jahr zeigt, dass 24,3 Prozent ihrer Starts und Landungen unter diese Rubrik fallen. Würde die Kranich-Linie diese Verbindungen streichen, fielen 79 Prozent aller Kurzstreckenflüge ab Frankfurt weg. 

Die aktuellen Engpässe am Himmel könnten den Fluglärmopfern und Umweltschützern in die Hände spielen. Beim sogenannten Luftfahrtgipfel Anfang Oktober in Berlin wurden 24 Punkte verabschiedet. Einer davon heißt: „Die Bundesregierung wird sich dafür einsetzen, Kurzstrecken- und Zubringer-Flugverkehr auf die Schiene zu verlagern und die intermodale Anbindung der wichtigen internationalen Verkehrsflughäfen zu verbessern.“ 

Müssen nur noch die Kunden mitspielen: „Am Ende entscheidet der Passagier“, sagt Fraport-Sprecher Dieter Hulick. Deshalb gebe es zum Beispiel weiter Flüge nach Stuttgart, wohingegen die nach Köln wegen der Eröffnung der Schnellfahrstrecke vor 16 Jahren eingestellt wurden. Der Antwort des Bundesverkehrsministeriums ist allerdings zu entnehmen, dass es sehr wohl Airlines gibt, die zwischen Frankfurt und Köln/Bonn verkehren: 49 Flüge waren es im vergangenen Jahr mit 3204 Passagieren. Zeitersparnis gegenüber dem Zug: knapp eine Viertelstunde. 

Eile allein ist es demnach nicht. Es geht auch um Bequemlichkeit. Lufthansa bedient manche Kurzstrecken einzig, um die Passagiere ans Drehkreuz Frankfurt zu transportieren, von wo aus sie weiter in die Welt jetten. 

Besserung verspricht sich Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) von der im September verkündeten Ausweitung des Express-Rail-Systems der Lufthansa und der Deutschen Bahn. Dabei bekommen Lufthansa-Passagiere bei der Buchung ihres Fluges obligatorisch eine Bahnverbindung von ihrem Wohnort angeboten. „Das macht den Kunden die Entscheidung so einfach wie möglich und setzt einen Anreiz, die Bahn statt Flugzeug oder Auto zu wählen“, lobte Al-Wazir. „Das schont Klima und Umwelt.“

Das Ziel verfolgt auch Linken-Politiker Cezanne. Doch er bezweifelt, dass den Worten der Akteure beim Luftverkehrsgipfel nun Taten folgen werden: „Die Bundesregierung denkt zuerst an die Profite der Luftverkehrsindustrie und bleibt vollkommen untätig“, sagt er. Die Einführung einer Kerosinsteuer für Inlandsflüge etwa würde eine halbe Milliarde Euro in die Kassen spülen. „Damit könnten die Trassenpreise für den Bahnverkehr gesenkt und der Wettbewerbsvorteil des subventionierten Luftverkehrs endlich abgebaut werden.“ 

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