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Flughafen Frankfurt Kritik an Lufthansa wegen Fluglärm

Die Lufthansa sperrt sich bisher dagegen, ihre neuen Maschinen mit GPS-Systemen auszustatten, die auch gekrümmte Anflüge zulassen. Der Verein "Stopp-Fluglärm" kritisiert das.

Im Tower haben die Lotsen alles im Blick. Ob und wann sich die starren Anflugverfahren ändern, ist noch offen. Foto: Andreas Arnold

Kürzlich landete der erste „A320neo“ der Lufthansa auf dem Frankfurter Flughafen. Insgesamt wird die Kranich-Airline ihre A320-Familie dieses Jahr um fünf neue Flugzeuge aufstocken. Dank verbesserter Aerodynamik und sparsamerer Triebwerke werden die neuen Jets emissionsärmer und weniger laut sein. Doch nicht alles technisch Machbare wurde umgesetzt. Der Verein „Stopp-Fluglärm“ kritisiert, dass die Neuanschaffungen nicht so ausgestattet wurden, dass sie später einmal beim Landeanflug dicht besiedelte Gebiete umfliegen können.

"Was helfen den Flughafen-Anrainern jahrelange Versprechungen der Politik und der Luftverkehrsindustrie zur Verringerung der Fluglärmbelastung, wenn die größte deutsche Airline, die Lufthansa, ihre neueste Flottenergänzung selbst 2016 noch immer nicht mit GBAS-Empfängern ausstatten lässt", schreibt der Verein.

GBAS, also das Ground Based Augmentation System, verfügt in der Theorie über ungeahnte Möglichkeiten: Eine einzige GBAS-Bodenstation kann bis zu 49 verschiedene Anflugverfahren anbieten. Während die jetzt genutzten Instrumenten-Landesysteme nur einen Geradeausflug zur Bahn ermöglichen, kann GBAS die Piloten auch in einer Kurve zum Ziel führen, so dass lärmgeplagte Stadtteile wie Sachsenhausen oder auch Offenbach rechts liegen gelassen werden könnten.

Geringere Wartungskosten

Tatsächlich hat Flughafenbetreiber Fraport in Absprache mit der Deutschen Flugsicherung am 3. September 2014 eine GBAS-Bodenstation in Betrieb genommen. Sie besteht aus vier GPS-Empfängern auf dem Flughafengelände und einem etwa garagengroßen Bauwerk westlich der Startbahn West für die Rechnerstation. Dort werden die GPS-Signale so verarbeitet, dass sie absolut präzise Angaben darüber machen, wo genau sich ein Flugzeug befindet.

Mit GBAS könnte der Anflugwinkel von jetzt 3,0 und 3,2 Grad weiter erhöht werden, was vor allem für die weiter entfernten Orte unter der Einflugschneise weniger Lärm bedeuten würde. Wie Fraport-Pressesprecher Christopher Holschier bestätigte, sei die Anlage, die fünf Millionen Euro gekostet hat, jederzeit einsatzfähig.

Ob sie tatsächlich zum Zuge kommen kann, hängt allerdings davon ab, ob die Flugzeuge ein entsprechendes Empfangsgerät an Bord haben, das auch aktiviert wurde. Die Aktivierung verursacht allerdings erhebliche Kosten, wie Helmut Tolksdorf, Pressesprecher bei der Lufthansa, einräumte. So wurden für die neuen A320-Modelle zwar die Empfangsgeräte bestellt, aber von Airbus noch nicht aktiviert. Dies für die gesamte A320-Familie machen zu lassen, gehe „in die Millionen“, sagte Tolksdorf. Eine solche Investition sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht sinnvoll, weil GBAS für gekrümmte Anflüge noch gar nicht zertifiziert sei.

Geringere Warungskosten

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung ist GBAS derzeit tatsächlich nur bei gutem Wetter zugelassen, eine Zertifizierung für schlechtes Wetter liege noch nicht vor. Wann sich das ändern wird, sei derzeit nicht absehbar, sagte Pressesprecher Axel Raab: „Lufthansa hat noch Zeit“.

Außer den technischen Möglichkeiten von GBAS muss schließlich auch das hochkomplexe Verkehrsgeschehen rund um den Frankfurter Flughafen berücksichtigt werden. Ob später einmal gekrümmte Anflugverfahren in Zeiten mit hohem Verkehrsaufkommen überhaupt möglich sind, werde vorher im Simulator ausprobiert.

Langfristig setzt nicht nur Fraport, sondern auch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO darauf, dass GBAS wegen erhöhter Genauigkeit und kostengünstigem Betrieb die jetzigen Instrumenten-Landesysteme ersetzen wird. Die Wartungskosten sind nach Angaben von Fraport deutlich niedriger. So könnten etwa die regelmäßigen Vermessungsflüge, mit denen die Instrumenten-Landesysteme überprüft werden müssen, entfallen.

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