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Flughafen Frankfurt „Irgendwie kommen wir schon nach Ibiza“

Nach einer Sicherheitspanne am Frankfurter Flughafen wird eine Abflughalle geräumt. Die meisten gestrandeten Urlauber nehmen die unplanmäßige Wartezeit am Flughafen recht entspannt.

Teile des Frankfurter Flughafens gespert
Hier ging es weder vorwärts noch zurück. Zunächst musste geklärt werden, wo die französische Familie ist. Foto: Christoph Boeckheler

Irgendwann wird auch dem letzten Fluggast in Frankfurt klar, dass ein solcher Menschenaufmarsch selbst für den größten deutschen Verkehrsflughafen nicht normal sein kann. Immer mehr Menschen strömen in den Bereich vor den Abfertigungsschaltern in Halle A. Kopfschüttelnd blicken viele Menschen auf die große Anzeigetafel, wo Dutzende Flüge aufgelistet sind. An den meisten stehen bereits verspätete Abflugzeiten hinter der eigentlichen Startzeit. In einigen Fällen, etwa bei den Flügen nach Bremen, Friedrichshafen, Linz oder Innsbruck, steht sogar „annulliert“ dahinter. Nun bangen viele, dass es auch ihren Flug erwischen könnte.

Zwei junge Männer aus den Niederlanden stehen an der Seite und wischen aufgeregt auf ihren Handys herum. „Wir wollen um 16 Uhr nach Budapest fliegen, aber wir wissen nicht, ob die Maschine starten wird“, erzählt einer der beiden, als die Uhr gerade 13.35 Uhr anzeigt. Zwar haben sie noch Zeit, doch sie wissen nicht so recht wohin. In Ungarn wollen die beiden auf ein Festival, doch das Chaos am Frankfurter Flughafen könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

Um sie herum läuft ein Teil der Reisenden hin und her. Der andere Teil steht entweder in einer Schlange, um am Infostand Neuigkeiten zu erfahren oder hat sich an die Seite gesetzt und wartet einfach. Vereinzelt haben sich auch Menschen hingelegt und schlafen anscheinend unbeeindruckt ob des Gewusels drumherum. Besonders gefragt sind auch die Fraport-Mitarbeiter mit den rosa Westen. Care Team Fraport, also Betreuungsteam, steht darauf. Ständig sind die Mitarbeiter in Gespräche verwickelt, versuchen zu helfen und zeigen mal nach links und mal nach rechts.

Eine vierköpfige Familie aus Tübingen steht unschlüssig vor einer kleineren Informationstafel, die den Stand der Abflüge anzeigt. „Ganz oben auf der zweiten Tafel ist unser Flug nach Helsinki“, sagt der Familienvater. 13.20 Uhr steht daneben als Abflugzeit, doch die ist mittlerweile verstrichen und eine neue ist nicht zu sehen. „Es wurde uns gesagt, dass über Halle B abgefertigt wird, aber da kommen wir nicht durch.“ Die Familie will in Finnland Urlaub machen und hat ihr Gepäck auch bereits abgegeben. Als sie im Abflugbereich A gewartet hatte, sei plötzlich die Polizei gekommen und habe sie rausgescheucht. „Wir wissen nicht, was wir tun sollen, irgendwie sagt uns auch keiner was“, sagt der Vater.

Mittlerweile hat die Fraport auch eine Station eingerichtet, an denen die Fluggäste kostenfreie Getränke und Snacks bekommen können. Bei Schokoriegeln, Erdnüssen, Wasser und Säften wird zugegriffen. Auch insgesamt wirkt die Stimmung nicht allzu gedrückt. Vereinzelt weinen ein paar Kinder und auch eine Frau hat Tränen in den Augen, doch der größte Teil der Menschen verhält sich ruhig und wartet.

Auch Alex, Natalja und Vanessa sind optimistisch. Die drei kennen sich aus ihrer einstigen Studienzeit und wollen Urlaub auf Malta machen. 13.55 Uhr soll ihr Flug abheben, doch mit einer pünktlichen Abflugzeit rechnen die drei nicht mehr. „Wir haben vor einer Stunde eine Mail von der Lufthansa bekommen, dass es Probleme gibt“, berichtet Vanessa. Allerdings kritisieren die Freunde, dass am Flughafen nichts weiter gesagt wurde. Alle Informationen hätten sie aus Medienberichten im Internet entnommen.

Eine große Menschentraube steht an einem Durchgang zu den Gates von Halle A. Ein gelbes Absperrband und mehrere Fraport-Mitarbeiter in gelben Westen halten sie vom Weitergehen ab. Diejenigen die ganz vorne stehen wollen scheinbar ihre tolle Position nicht aufgeben. Sie hoffen wohl, dass sie die Ersten sind, falls es doch mal wieder weitergeht. Einige Meter weiter steht ein Junge vor einem Geschäft. Seinen Rucksack hat er zwischen seine Beine gestellt. Als er sich einen halben Meter vom Rucksack entfernt, wird er von einem vorbeikommenden Polizisten angeraunzt, ob das sein Rucksack sei. Schnell klemmt er sich wieder den Rucksack zwischen die Beine. Für die Beamten ist das ganze keine Lappalie – es herrscht wirklich Alarm.

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