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Flughafen Frankfurt Fraport sieht sich nicht in der Pflicht

Verspätete Landungen nerven die Anwohner des Frankfurter Flughafens, doch der Konzern sieht sich nicht in der Verantwortung.

Flugzeug
Trotz Nachtflugverbot ist nach 23 Uhr keine Ruhe am Himmel. Foto: Michael Schick

Höhere Preise für Landungen nach 23 Uhr fordert Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Die Strafen müssen deutlich verschärft werden“, sagte der Rathauschef der Frankfurter Rundschau, der auch Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafenbetreiberin Fraport ist. Das Unternehmen sieht allerdings keinen Anlass, die Entgelte für Flüge in der sogenannten Nachtzeit 2 anzuheben. Sie liegen derzeit bei 200 Prozent über den „Tageskomponenten“. In Hamburg sind es 350 bis 550 Prozent. Auch eine Änderung des Planfeststellungsbeschlusses oder der Betriebserlaubnis sei nicht beabsichtigt, sagte Fraport-Sprecher Dieter Hulick auf Anfrage.

Die Appelle der Fluglärmkommission (FLK) laufen demnach ins Leere. Sie hatte sich in der vergangenen Woche mit dem Problem der wachsenden Zahl von nächtlichen Landungen beschäftigt, die dass Nachtflugverbot zunehmend aushöhlen.

„Entweder die kriegen das hin, oder sie müssen den Planfeststellungsbeschluss ändern“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die für die Stadt Frankfurt in der FLK sitzt. Es sei inakzeptabel, dass die Bevölkerung permanent in ihrer Nachtruhe aufgeschreckt werde. Der aktuelle Zustand verstoße gegen den mühsam gefundenen Kompromiss der Mediation, die dem Flughafenausbau vorausgegangen war.

Darauf hatte die FLK auch in ihrem Beschluss abgehoben: Fraport solle „ihrer gesellschaftlichen Verantwortung“ nachkomme und einen Antrag auf Änderung des Planfeststellungsbeschluss beziehungsweise der Betriebsgenehmigung stellen.

Nur so lasse sich das Mediationsergebnis retten. Das sieht eine Kapazitätserweiterung des Airports vor, unter Bedingung der Einführung eines Nachtflugverbots sowie weiteren Bemühungen, den Fluglärm zu mindern. Die Bevölkerung müsse wahrnehmen, „dass sich Flughafenbetreiber und Ministerium engagiert für ein verträgliches Miteinander von Flugverkehr und Lebensqualität für die im Umfeld des Flughafens lebenden Menschen einsetzen“, fordert die Kommission unter Vorsitz von Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe (SPD).

Derzeit sei dies nicht der Fall. Die Menschen seien hochgradig genervt, sagt Geschäftsführerin Anja Wollert. „Noch nie haben wir eine solche Beschwerdeflut erlebt wie derzeit.“ Knackpunkt seien die im Planfeststellungsbeschluss genannten Ausnahmeregeln wonach zwischen 23 Uhr und Mitternacht Landungen zulässig sind, sofern sie sich nicht schon aus der Flugplangestaltung ergeben. Bedingung: Es dürfen nicht mehr als 7,5 Landungen pro Nacht im Jahresdurchschnitt sein. Ein Schlupfloch, das in den vergangenen Monaten immer mehr Airlines weidlich ausnutzen. 193 Verspätungslandungen gab es laut Deutschen Fluglärmdienst alleine im Mai.

Das Maximum von 7,5 ist allerdings bei weitem noch nicht erreicht. Und das Perfide: Weniger Nachtlandungen im verkehrsärmeren Winter können mit vielen im Sommer aufgerechnet werden. Die Kommission plädiert für die Einschränkung der Landungen nach dem Vorbild der Starts nach 23 Uhr. Die sind am Frankfurter Flughafen nur mit Einzelgenehmigung erlaubt und unter der Bedingung, dass der Verspätungsgrund außerhalb des Einflussbereichs der Airline liegt.

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