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Flughafen Frankfurt Fluglärmbeauftragte fürchtet Weyland-Vorstoß nicht

Frankfurts OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU) will die Stabsstelle für Fluglärmschutz schließen. Ursula Fechter, Fluglärmbeauftragte der Stadt, erläutert, was sie von diesem Plan hält.

Dr. Ursula Fechter
Ursula Fechter arbeitet ehrenamtlich für die Stabsstelle. Foto: peter-juelich.com

Seit mehr als einem Jahr hat die Stadt Frankfurt eine Stabsstelle für Schutz vor Fluglärm. Als ehrenamtliche Stadträtin im Magistrat ist Ursula Fechter die Fluglärmschutzbeauftragte.

Frau Fechter, die CDU-Kandidatin für die OB-Wahl, Bernadette Weyland, möchte die Stabsstelle für Fluglärmschutz schließen. Könnte sie das tun, wenn sie die Wahl gewinnt?
Wir wollen ganz klar, dass die Stabsstelle bestehen bleibt. Und wir gehen auch nicht davon aus, dass sie geschlossen wird.

Auch nicht, wenn Frau Weyland Oberbürgermeisterin wird?
Sie musste zugeben, dass sie überhaupt keine Ahnung hat, was wir machen. Und sie konnte ihre Unterstellung, dass die Stabsstelle nicht geliefert hat, nicht belegen.

Was waren die Gründe, um die Stabsstelle vor einem Jahr einzurichten?
Man muss sich die umgekehrte Frage stellen: Warum gab es eine solche Stelle vorher nicht. Jede Stadt in Deutschland mit einem großen Flughafen, hat eine solche Stabsstelle – bis auf Frankfurt. Peter Feldmann, der den Fluglärm zu einem seiner zentralen Themen gemacht hat, kam dann auf die Idee, eine solche Stelle im Koalitionsvertrag mit CDU und Grünen festzuschreiben.

Nun gibt es ja auch andere Einrichtungen, die sich mit Fluglärm und Schallschutz befassen, etwa das grüne Umweltdezernat oder das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach. Was macht die Stabsstelle, was diese Einrichtungen nicht auch machen?
Es war allen, auch Peter Feldmann klar, dass wir eine Anlaufstelle brauchen, an die sich die Bürgerinnen und Bürger wenden können.

Diese Aufgabe soll ja, wenn auch für die gesamte Region, das Umwelt- und Nachbarschaftshaus wahrnehmen.
Das Umwelthaus wird sehr kritisch gesehen, gerade von den Bürgerinitiativen. Für sie ist es ein großer Gewinn, dass wir die Stabsstelle nun haben.

Ein Jahr Stabsstelle – was war der größte Erfolg?
Wir haben viel in Angriff genommen: So fanden im Auftaktjahr drei Informationsveranstaltungen für betroffene Bürger sowie zwei Pressekonferenzen statt. Auch der Fluglärmtag in den südlichen Stadtteilen unterstrich die Notwendigkeit einer effektiven Lärmobergrenze, klärte über passiven Schallschutz auf, um der damit verbundenen Lebensqualität der Frankfurter mehr Beachtung zu geben.

Und was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Noch im Dezember 2017 werden zwei Ultrafeinstaubmessstationen in Sachsenhausen aufgestellt. Unser vorrangiges Ziel ist, dass wir im Frankfurter Süden mehr Ruhe und einen besseren Fluglärmschutz bekommen. Wir arbeiten an Kriterien für eine echte Lärmobergrenze und sind mit den Akteuren der Region vernetzt.

Wie hoch ist der Etat der Stabsstelle insgesamt?
Die Personalkosten für die drei Stellen, das Geld für die Messstationen und für unsere Veranstaltungen und für die Information der Menschen in Frankfurt.

Ist es richtig, dass Sie selber ehrenamtlich tätig sind?
Ja, und der Aufwand war bislang enorm.

Kurzer Schwenk nach Wiesbaden: Wie beurteilen Sie die Flughafen-Politik der schwarz-grünen Regierung?
Sie steht im Gegensatz zu den festgeschriebenen Zielen Frankfurts: Wir wollen, dass es leiser wird, dieses Ziel hat das Land Hessen scheinbar aufgegeben.

Was hätte die Regierung denn machen können?
Die Landesregierung behauptet, dass ihr die Hände gebunden seien, weil alles schon festgeschrieben sei. Aber im Planfeststellungsbeschluss steht auch drin, dass es Änderungen geben kann.

Welche Änderungen würden Sie sich wünschen?
Wenn wenig Betrieb am Flughafen herrscht, sollte es zum Beispiel keine Landungen auf der Nordwestbahn geben. Und eine Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr. Das würde eine Entlastung schaffen.

Die Bürgerinitiativen fordern die komplette Schließung der Nordwestbahn…
Das ist richtig. Aber hier spreche ich für die Stabsstelle und wir versuchen zunächst einmal Verbesserungen im bestehenden System zu erreichen.

Man hat aber schon den Eindruck, dass die Argumente der Bürgerinitiativen durch die Stabsstelle ein größeres Gewicht bekommen haben.
Wenn man jemanden wie mich als ständige Vertreterin des Oberbürgermeisters beim Thema Fluglärmschutz bestellt, dann ist es völlig klar, wen sich der OB da eingehandelt hat. Das ist auch ein Signal an die Bürgerinitiativen, dass sie ernst genommen werden.

Und wann treten Sie in die SPD ein?
Als ich auf Wunsch der Sozialdemokraten das Amt einer ehrenamtlichen Stadträtin übernommen habe, stand fest: Meine Parteiunabhängigkeit ist mir wichtig. Daran hat sich nichts geändert.

Interview: Friederike Tinnappel

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