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Flughafen Frankfurt Fluglärm Zu laut zum Wohnen

Wegen des Flughafenausbaus stoßen die umliegenden und die von den Flugbewegungen betroffenen Kommunen in ihrer Entwicklung an Grenzen. Doch es gibt Ausnahmen. Und es gibt lärmdämmende Fassaden.

Mondarchitektur: Bauen an den Flugschneisen. Foto: Rolf Oeser

Leben unter dem Fluglärmteppich: Für Frank Junker ist das kein Problem. Passivhäuser schlucken den Krach, moderne Anlagen sorgen für Frischluftzufuhr. Das ist die Wohn-Zukunft, die der Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding für die hochbelasteten Regionen in Rhein-Main vorschlägt. Eine Idee, die im Saal auf wenig Begeisterung stößt. Doch was ist die Lösung für das Problem, das der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main mit den Worten zusammenfasst: „Wohnen mit Fluglärm – planerische Aspekte für Gemeinden im Siedlungsbeschränkungsgebiet“. So lautet das Thema seiner abendlichen Diskussionsveranstaltung über die Folgen des Flughafenausbaus für die Bautätigkeiten am Ort.

Auf dem Podium sitzt Johannes Baron, Präsident des Regierungspräsidiums (RP) Südhessen. Auch er hinterlässt den Eindruck, dass Siedlungsbeschränkung nicht heißt, dass jegliche Stadtentwicklung ein Ende hat. Die von Junker propagierte „Einkapselung des wohnenden Menschen“ lehnt Baron zwar ab. Doch die wohnortnahe Versorgung mit Kindertagesstätten oder Grundschulen müsse gewährleistet sein. Die Experten im RP suchten Lösungen, erteilten nach Bedarf auch Ausnahmegenehmigungen. Wie das in der Realität aussieht, berichtete ein Zuhörer aus Rüsselsheim: Dort soll ein Kindergarten in einem Gewerbegebiet gebaut werden, weil dort der Dauerschallpegel bei „nur“ 59 Dezibel liege, im benachbarten Wohngebiet bei 62 Dezibel.

Freiwillig gesetzte Grenzen

Die Stadt Raunheim hat sich wegen des Fluglärms selbst Grenzen gesetzt. „Freiwillige“, wie Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) ausführt. Laut einem Parlamentsbeschluss aus dem Jahr 2007 darf die Stadt in den kommenden zehn Jahren nicht wachsen. Mit allen Nachteilen wie Überalterung der Bevölkerung, geringere Einkommensteuereinnahmen, höhere Sozialkosten. Dafür fordert der Bürgermeister und Vorsitzende der Lärmschutzkommission finanzielle Kompensation aus dem Regionalfonds. Damit die Kommune „soziale Aufsteiger“ mit attraktiven Angeboten halten könne – beispielsweise einem guten öffentlichen Nahverkehr oder attraktiven Betreuungsangebote für Kinder.

Ausnahmegenehmigungen für Neubauvorhaben seien nicht die Lösung, kritisierte Grünen-Landtagsabgeordneter Frank Kaufmann, Mitglied des Vorstand im Regionalverband. Der Alt-Bestand werde überhaupt nicht geschützt „Es geht um die Lebensqualität und die Gesundheit der Menschen.“ Der Lärm müsse an der Quelle bekämpft werden, lautet seine Forderung. „Es kann nicht heißen, wenn es euch zu laut wird, dann zieht weg.“

Beliebt, aber fluktuierend

Wie aber passen die Proteste gegen den Fluglärm und die Siedlungsbeschränkungen damit zusammen, dass immer mehr Menschen in den Ballungsraum ziehen? Selbst die von Lärm stark belasteten ABG-Immobilien in Frankfurt-Oberrad oder Neu-Isenburg seien stark gefragt, führt Junker aus. Auch Jühe berichtet davon, dass Raunheim als Wohnort beliebt sei. Allerdings sei die Fluktuation bei den Mietern hoch und wer sich den Traum vom Eigenheim mit Garten verwirklichen will, wähle in der Regel einen ruhigeren Ort.

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