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Flughafen Frankfurt Fluglärm Ziegelschlag spaltet Fluglärmgegner

Das Bündnis der Bürgerinitiativen, das gegen den Lärm der Frankfurter Flugbewegungen vorzugehen versucht, streitet heftig mit dem Raunheimer Bürgermeister Jühe. Der sieht die Forderungen der Initiativen als nicht vollends durchdacht an. Vorsichtig formuliert.

Vorbildlich gesichert: So richten Dachziegel auch keinen zwischenmenschlichen Schaden an. Foto: M. Müller

Das Bündnis der Bürgerinitiativen, das gegen den Lärm der Frankfurter Flugbewegungen vorzugehen versucht, streitet heftig mit dem Raunheimer Bürgermeister Jühe. Der sieht die Forderungen der Initiativen als nicht vollends durchdacht an. Vorsichtig formuliert.

Die Dachziegel, die in den vergangenen Wochen in Flörsheim und Raunheim von landenden Flugzeugen von den Dächern geweht wurden, haben nicht nur in Vorgärten und auf dem Straßenpflaster Spuren hinterlassen. Die Vorfälle haben auch die Leute stark aufgewühlt, die sich im Kampf gegen den Fluglärm und andere schädliche Auswirkungen des Flugverkehrs engagieren. Statt aber gemeinsam nach Lösungen zu suchen, spalten die herabfallenden Brocken die ohnehin bestehenden Lager noch mehr. Zerwürfnis statt Bündnis.

Im Mittelpunkt des in Pressemitteilungen und E-Mails heftig tobenden Wirbelsturms stehen Jochen Krauß, einer der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen (BBI), und der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Thomas Jühe. Der Frankfurter Unfallchirurg Krauß ist Mitgründer der Sachsenhäuser Protestbewegung Eintracht gegen Fluglärm. Er hatte als Reaktion auf die wegen Ostwetterlage zuletzt vermehrt auftretenden Schäden durch Wirbelschleppen „einen sofortigen Stopp der Betriebserlaubnis für Landeanflüge der Betriebsrichtung 07 auf die neue Nordwestlandebahn“ gefordert. Dies sei dringend erforderlich, um Menschen vor Schaden zu bewahren.

Ignoranz und Arroganz

Jühe, im Hauptberuf Bürgermeister der im Rhein-Main-Gebiet vom Flugbetrieb mit am meisten betroffenen Stadt Raunheim, hat dem Bündnis daraufhin vorgeworfen, dass es sich seit Eröffnung der neuen Landebahn „in seinen Forderungen und Aktionen vor allem auf die Situation der Neubetroffenen konzentriert“. Der Sozialdemokrat kritisiert auch die zentrale Forderung der Bürgerinitiativen, die Nordwestbahn zu schließen, als nicht richtig durchdacht. Jühe fragt, ob nicht die Schließung einer anderen Bahn den Flugverkehr effektiver beschränken könne und zugleich die Zahl der vom Fluglärm stark Betroffenen deutlich reduzieren könne.

Jühe wirft dem BBI Ignoranz und Arroganz gegenüber den Menschen vor, die bereits seit Jahren in höchstem Maße dem Fluglärm und Gefahren durch Wirbelschleppen ausgesetzt seien. Zum Beweis dafür bemüht der Politiker die Statistik. Im direkten Umfeld der neuen Landebahn habe es seit der Inbetriebnahme im Oktober 2011 genau 17 durch Wirbelschleppen verursachte Vorfälle gegeben. Im Raum Rüsselsheim/Raunheim dagegen, also im Bereich der alten Landebahnen, waren es 29.

Außerdem, so Jühe, dürften die schweren Flugzeugtypen, die ein viel höheres Risiko für Wirbelschleppen bergen, auf der Nordwestbahn gar nicht landen. Wieso also sollte ausgerechnet die neue Bahn zum Schutz der Bevölkerung gesperrt werden, fragt sich Jühe.

Arg schnelles Vorpreschen

Der Vorsitzende der Fluglärmkommission warnt davor, Lobbyarbeit nur zugunsten eines eingeschränkten Kreises zu betreiben. Jühe sagte der FR, er habe mit seiner Reaktion ein Zeichen setzen wollen. „So kann es nicht gehen.“ Vehement wehrt sich der Bürgermeister auch gegen Vorwürfe, er habe sich nicht genügend eingesetzt, um Gefahren durch Wirbelschleppen zu verhindern. Jühe verweist auf??Klagen der Stadt Raunheim vor den Verwaltungsgerichten und zahlreiche andere Initiativen.

Kirchturmpolitik sei seine Sache nicht, beteuert BI-Sprecher Jochen Krauß im Gespräch mit der FR. Er habe nur schnelles Handeln anmahnen wollen. Eine Spaltung in Alt- und Neubetroffene lehnten auch die Bürgerinitiativen ab. Der Mediziner lässt auch anklingen, dass ihm aus den Reihen der BBI ein Alleingang vorgeworfen werde. Von der im Dezember erhobenen Forderung der Frankfurter Initiativen, Jühe solle zurücktreten, will Krauß auch nichts mehr wissen: „Der Jühe ist eigentlich ein dufter Typ“, sagt der BBI-Sprecher. Mit der einen Einschränkung: „Fluglärm gerecht zu verteilen, kann nicht alles sein.“

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