Lade Inhalte...

Flughafen Frankfurt Fluglärm Jets holen Ziegel vom Dach

Wirbelschleppen machen der Gemeinde Flörsheim zu schaffen - mehrfach deckten sie Hausdächer teilweise ab. Bürgermeister Antenbrink sieht einen bedrohlichen Anstieg solcher Schäden. Das vermeintlich zuständige hessische Wirtschaftsministerium glaubt, Fraport sei zuständig.

Gefährdet: Ziegel und Zwerge. Foto: dpa

Gleich zweimal hat es am Osterwochenende in Flörsheim gekracht. Am Samstag und am Montag haben nach Angaben der Stadt Wirbelschleppen landender Flugzeuge Hausdächer in der Einflugschneise teilweise abgedeckt. Am gestrigen Dienstag wurde ein weiteres Dach im Stadtzentrum durch die Luftverwirbelung am Heck eines Jets beschädigt.

Flörsheims Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) spricht von einem „bedrohlichen Anstieg“ der Zahl der Wirbelschleppenschäden. Allein fünf Vorfälle seien seit Februar bei der Polizei gemeldet worden – offenbar eine Folge des lang anhaltenden Ostwindes, bei dem Flugzeuge, die auf die Nordwestlandebahn oder eine der beiden Parallelbahnen auf dem Frankfurter Flughafen zusteuern, große Teile des Flörsheimer Stadtgebietes in geringer Höhe überqueren. Keine 300 Meter hoch sind sie in der Wickerer Straße, wo am Wochenende Ziegel von den Dächern fielen; in nur noch 275 Metern Höhe überqueren sie die Weilbacher Straße. Dort war im Februar der Sog der Wirbelschleppe so groß, dass sogar festgenagelte Schieferplatten vom Dach eines Hauses gerissen wurden.

Keine freiwillige Kulanz

Flughafenbetreiber Fraport ist stets bemüht, die Schadensfälle rasch und geräuschlos aus der Welt zu schaffen. Die Kosten fürs Reparieren der kaputten Dächer werden komplett übernommen. „Auf Kulanz und im Sinne einer guten Nachbarschaft“, behauptete Fraport-Sprecher Frank Cornelius gegenüber der Frankfurter Rundschau. Ganz so freiwillig ist diese Leistung allerdings nicht. Denn laut Planfeststellungsbeschluss ist der Flughafenbetreiber verpflichtet, „nachweislich durch Wirbelschleppen verursachte Schäden auf eigene Kosten zu beseitigen“.

Eigentlich müssten sich die Hausbesitzer an die Airlines als Verursacher des Schadens wenden. Das würde jedoch im Einzelfall sehr kompliziert, weil sich Wirbelschleppen einzelnen Flugzeugen oft gar nicht zuordnen lassen.

Dass Wirbelschleppen als ein Phänomen, das auf allen Flughäfen beobachtet wird, rund um den Frankfurter Airport in letzter Zeit häufiger vorkommen, bestätigte Cornelius. Fraport sei „am Thema dran“ sagte der Sprecher, nicht zuletzt, weil die Luftverwirbelungen auch für nachfolgende Jets nicht ungefährlich sind. „Wir versuchen Zuordnungen zu finden zwischen Maschinentypen und Flugzeuggrößen, das ist aber nicht leicht.“

Nur ermitteln und bewerten

Flörsheims Bürgermeister Michael Antenbrink hat zwischenzeitlich an das Luftfahrt-Bundesamt geschrieben und um Aufklärung über Zuständigkeiten gebeten. Dort nannte man ihm das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehrs- und Landesentwicklung als Ansprechpartner. Dessen Sprecher Marco Krause sieht die Behörde nicht in der Pflicht, Schäden zu regulieren. Dafür sei laut Planfeststellungsbeschluss explizit Flughafenbetreiber Fraport zuständig.

Als Luftfahrtbehörde habe das Ministerium lediglich das Risiko durch Wirbelschleppen für Personen und Sachen ermitteln und bewerten müssen. Dies ist laut Krause auch im Zuge des Planfeststellungsverfahrens geschehen. Zwei Untersuchungen hätten das Schadensrisiko durch Wirbelschleppen als sehr gering eingestuft, sodass es der Errichtung der Landebahn Nordwest nicht entgegengestanden habe.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum