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Flughafen Frankfurt Fluglärm Gegen „Profitgeilheit“

Ein Jahr nach Eröffnung der neuen Landebahn demonstrieren in Frankfurt Tausende gegen den wachsenden Fluglärm. Zuvor behindern Aktivisten am Flughafen zeitweise den Straßenverkehr.

21.10.2012 19:53
Laura Wagner
Demonstration am Flughafen zum Jahrestag der neuen Landebahn. Foto: Sascha Rheker

Das Wetter ist ein Flughafenausbaugegner – oder zumindest ein Sympathisant. Pünktlich zum Jahrestag schickt es einen goldenen Oktober. Bei Temperaturen von mehr als 20 Grad schreckt die umständliche Anreise an den Rand der neuen Landebahn weniger ab. Zumal es Fahrräder gibt, Rollerblades und einen Bus-Shuttel an die Okriftler Straße in Kelsterbach, der die Bürgerinitiativen organisiert haben.

Exakt ein Jahr ist es am Sonntag her, dass hinter dem Zaun offiziell der erste Jet landete. Es war die Maschine der Bundesregierung. Drinnen saß Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Sie kam sehr ruhig und es war nebelig“, erinnert sich Monika Gröschl, die an jenem Tag 50 Jahre alt wurde. Ihre Party hat das Geburtstagskind am Sonntag auf den Abend verschoben. Mit sieben weiteren Flörsheimern ist sie zur Kundgebung geradelt. Die gelbe Fahne ist auch dabei. „An den Lärm kann man sich nicht gewöhnen“, sagt sie. „Vielleicht wenn ich 80 bin und mein Gehör nicht mehr so gut funktioniert.“

Nebenan setzt eine Lufthansa-Maschine auf. Die Ausbaugegner, laut Veranstalter 8000 Leute, empfangen das Flugzeug mit Pfiffen und Buh-Rufen. Auf der Bühne steht John Stewart, Vorsitzender der Europäischen Vereinigung gegen die schädlichen Auswirkungen des Luftverkehrs. Nie zuvor habe ein Protest nach einem vollzogenen Ausbau so lange angehalten, sagt er. „Das ist ein historische und eine großartige Leistung“, die in der internationalen Luftfahrtbranche einen Namen habe – „die Frankfurter Proteste“.

Die können sehr familiär und nett sein. Es gibt Musik, Kaffee und Kuchen. Würstchen, jeder redet mit jedem. Manche sind sonntäglich gekleidet. Andere tragen Jeans und Protest T-Shirt. Eine Stimmung wie bei einem spätsommerlichen Freiluftfest. Wären da nicht die Plakate und Banner, die Ausdruck davon sind, wie verbittert die Menschen hier sind. Und wie wütend.

„Das ist ein schwarzer Sonntag“ steht auf dem nagelneuen Transparent, mit dem die Flörsheimer den Platz betreten. Alle in schwarz, vorneweg die drei ebenfalls in Trauer gekleideten Stewardessen mit den blonden Perücken und einem Plakat auf dem steht: „Profitgeilheit statt Menschlichkeit“.

Eine andere Frau, die schon zuvor bei der Mahnwache mit rund 1000 Leuten am Flughafen war, hat sich Teufelshörner aufgesetzt und den Namen des hessischen Ministerpräsidenten ans Kostüm geheftet: Volker Bouffier (CDU). Sein Vorgänger Roland Koch bleibt Gegenstand der Protestplakate, das Konterfei von Frankfurts Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth ebenfalls zu entdecken, und das von Fraport-Chef Stefan Schulte sowieso. „Der Himmel gehört nicht Fraport“, steht auf einem Transparent.

Zuvor, bei der Mahnwache vor dem Flughafen, hatten einige Teilnehmer spontan mit ihren Autos den Verkehr behindert, es kam zu Staus. Das könnte als Warnung verstanden werden. „Es zeigt was passieren kann, wenn der Fluglärm den Menschen die Nerven raubt“, sagt Michael Wilk, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen (BBI). Die wichtigste Hauptforderung sei eine Begrenzung der Flugbewegungen.

Der nächste Jet landet. „Diese Bahn dort hat weitere 300 Quadratkilometer verlärmte Fläche

hinzugefügt“, sagt Heiko Holefleischer von der Bürgerinitiative Mainspitze, der für das BBI die Rede hält. Der Druck von der Straße dürfe nicht nachlassen. „ In einem Jahr sind Wahlen in Hessen und im Bund.“ Es sei höchste Zeit, für einen politischen Wechsel.

Bereits am Samstag waren rund 140 Menschen mit Deckeln aller Art – von Töpfen, Blechbüchsen, Keksdosen und Einmachgläsern – durch den Dreieichpark in Offenbach marschiert. Ihre Parade bildete den Abschluss der dreiwöchigen Anti-Fluglärm-Aktionen, zu denen das Bündnis Menschenkette und der Bürgerinitiative Luftverkehr aufgerufen hatten. Dabei hängten Offenbacher weiße Laken aus ihren Fenstern, trugen beim Waldspaziergang einen Hörschutz, Kinder malten Bilder zum Thema Fluglärm. Mit den Deckeln wollten sie ihrer Forderung nach Deckelung der Flugbewegungen bekräftigen.

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