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Flughafen Frankfurt Fairer Fluglärm messen

Die neue Frankfurter Stabstelle für Fluglärmschutz präsentiert eine neue Berechnungsmethode, um Lärmobergrenzen am Flughafen Frankfurt zu kontrollieren.

Die Deckelung des Fluglärms am Frankfurter Airport gilt in der aktuellen Diskussion als wirksamster Weg, die Folgen des Luftverkehrs auf die Bewohner zu begrenzen. Foto: dpa

Eine neue Berechnungsmethode für Fluglärm hat die neue Frankfurter Stabstelle für Fluglärmschutz gefordert. Der derzeitige Maßstab spiegele nicht die Realität wieder, sagte die ehrenamtliche SPD-Stadträtin Ursula Fechter am Freitag. Er berücksichtige auch nicht ausreichend, dass Belästigungen in der Nacht weitaus schädlicher für die menschliche Gesundheit sind, als die am Tage. Lärmobergrenzen hätten nur einen Sinn, wenn sie nach dieser Methode überprüft wurden. Sie hoffe, dass Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Vorschläge aus Frankfurt annimmt, sagte Fechter. Zeitgleich verschickte das Ministerium eine lang erwartete Einladung an die Presse: Am Dienstag, 27. September, will Al-Wazir „den Vorschlag für eine Lärmobergrenze“ präsentieren.

Die Deckelung des Fluglärms am Frankfurter Airport gilt in der aktuellen Diskussion als wirksamster Weg, die Folgen des Luftverkehrs auf die Bewohner zu begrenzen. Schon das Mediationsverfahren zum jüngsten Ausbau des Frankfurter Flughafens hatte vor 16 Jahren eine Lärmobergrenze empfohlen. Im Oktober vor fünf Jahren ging die Nordwest-Landebahn dennoch ohne sie in Betrieb. Politisch geriet die Empfehlung der Mediatoren in Vergessenheit. Vor zweieinhalb Jahren tauchte sie in der Koalitionsvereinbarung der schwarz-grünen Landesregierung wieder auf. Das neue Frankfurter Dreierbündnis aus SPD, CDU und Grünen im Frankfurter Römer zog nach.

Wie viele Flüge die Region konkret maximal verträgt, darauf möchte sich Fechter nicht festlegen. Das sei der Job des Wirtschaftsministers. Für sie steht aber außer Frage, dass die Schwelle weit unter den im Planfeststellungsbeschluss für 2020 angenommenen jährlichen 701 000 Flugbewegungen liegen muss. „Schon die 468 000 im Moment sind viel zu viel“, sagt die einstige Sprecherin der Sachsenhäuser Bürgerinitiative. „Die Grenze ist längst erreicht.“

Um dies zu beweisen, will sie mit Unterstützung ihrer Mitstreiter in der Expertengruppe Fluglärm eine aktuelle Berechnungsmethode einführen, die den bisherigen Frankfurter Fluglärm-Index aus dem Jahr 2014 ersetzt. Schon aufgrund der Erkenntnisse der Norah-Lärmwirkungsstudie sei dieser veraltet, urteilt Fechter. „Die gesundheitlichen Folgen und der Belästigungsanteil sind gestiegen.“

Horst Weise vom Deutschen Fluglärmdienst wies am Freitag auf eine weitere Schwäche hin: Der Frankfurter Index erfasse nur Belastungen am Tag von mindestens 53 Dezibel. „91 Prozent der lokal Betroffenen haben jedoch einen geringeren Dauerschallpegel“, sagte er. Der Mathematiker hat eine Berechnungsmethodik entwickelt, die schon Fluglärm ab 40 Dezibel berücksichtigt. Die Randstunden vor und nach dem Nachtflugverbot erhalten dabei ebenso mehr Gewicht, wie die dünnbesiedelten Gebiete, in denen die Menschen Erholung suchen.

Wie Weise einräumte, hat er bereits vor einem halben Jahr seinen „Kritischen Fluglärm-Index“ dem Ministerium in Wiesbaden vorgestellt. Ob seine Anregungen in den Lärmobergrenzen-Vorschlag eingearbeitet sind? Dazu werde bis zum 27. September nichts gesagt, lautete am Freitag die Antwort von dort.

„Wir müssen den Druck auf Wiesbaden aufrecht erhalten“, sagte Fechter. Das Lärmpausenmodell Al-Wazirs habe den Sachsenhäusern mehr statt weniger Krach gebracht hätten. Aber auch auf Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als Fraport-Aufsichtsratsmitglied setzt die Leiterin der neuen Stabstelle Hoffnungen: „Wir erwarten sehr wohl, dass die Stadt Einfluss ausübt.“

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