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Flughafen Frankfurt Eklat beim Protest gegen Flughafenausbau

Auch nach vier Jahren Landebahn verklingen die Proteste der Flughafenausbaugegner nicht. Am Jahrestag geraten sie in Konflikt mit Sicherheitsleuten der Frankfurter Börse - und werden genötigt, ihr Plakat zwischen Bulle und Bär zu entfernen. Wem gehört die Fläche samt Tier-Denkmal?

Die Börse will den Vorfall an dem Kunstwerk nicht kommentieren, das sie dem Magistrat 1988 geschenkt hat. Foto: Andreas Arnold

Die Aktion zum vierten Jahrestag der Landebahn begann Mittwoch früh mit einem Eklat. Sicherheitsleute von der Börse nötigten die Mitglieder von der Bürgerinitiative Sachsenhausen, ihr Plakat zwischen Bulle und Bär zu entfernen, berichtet Flughafenausbaugegner Eberhard Ruof der Frankfurter Rundschau. „Sie sagten, der Platz sei Eigentum der Börse.“ Er und seine Mitstreiter hätten das Transparent dann in die Hand genommen. Auch die Polizei habe nicht klären können, wem die Fläche samt Tier-Denkmal gehört. Die Börse will den Vorfall an dem Kunstwerk nicht kommentieren, das sie dem Magistrat 1988 geschenkt hat.

Es ist ein öffentlicher Platz, ergibt eine Anfrage beim Straßenbauamt. Von der Genehmigung einer „Sondernutzung“ Mittwochfrüh sei nichts bekannt. „Es war eine spontane Kunstaktion für einen Tag“, sagt Ruof. „Wir dachten, dazu braucht man keine Genehmigung.“ Einziges Ziel sei gewesen, auf den Jahrestag der Landebahn-Eröffnung aufmerksam zu machen. Seit vier Jahren würden er und die anderen Bürgern des Sachsenhäuser Bergs um fünf Uhr früh vom Krach des ersten landenden Jets aus dem Schlaf gerissen. Die Börse besitze Einfluss auf den Flughafen. Deshalb hätten die Aktivisten für den Platz davor ein Plakat mit dem verfremdeten Zitat von Karl Marx kreiert: „Flughafenausbaugegner aller Länder vereinigt euch.“

Sieben weitere Transparente brachten sie in Laufe des Vormittags an anderen Denkmälern der Stadt an. „Über allen Wipfeln spürest Du... Fluglärm“, hängten sie bei Goethe auf, „Es gibt nichts Richtiges im Fluglärm“ bei Adorno in Bockenheim. „Alle Menschen werden Brüder, wo dein Fluglärm leise weilt“, zitiert Beethoven in der Taunusanlage. Zum Schluss ziehen sie zum Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römer: „Vor Gericht und in der Luft sind wir in Fraports Hand?“

Davor steht Wolfgang Heubner und sagt, warum auch nach vier Jahren die Proteste nicht verklingen. „Der Flughafen zerstört die Rhein-Main-Region.“ Während er und seine Mitstreiter den Sinn der neuen Landebahn bezweifeln, kommt Dominique Prümm vom Flughafenmanagement bei Fraport zu einem anderen Urteil: Sie habe „maßgeblich dazu beigetragen, die Qualität, die Pünktlichkeit und damit die Zuverlässigkeit des Flugbetriebs deutlich zu verbessern“. Auch eröffne sie Chancen für die Zukunft. Nach Inbetriebnahme sei die durchschnittliche Pünktlichkeit konstant auf mehr als 80 Prozent gestiegen. Seit Oktober 2011 seien mehr als 440 000 Jets auf der neuen Bahn gelandet.

Janine Wissler von der Linksfraktion in Landtag bekräftigt anlässlich des Jahrestags ihre Forderung nach Schließung. „Der Bau einer vierten Piste im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet war eine krasse Fehlentscheidung.“ Günter Rudolph (SPD) erinnert daran, dass die Mediationsergebnisse noch immer nicht vollständig umgesetzt sind. Die FDP sei die „einzige Partei, die in allen Jahren klar bei ihrem Bekenntnis zur Bedeutung des Frankfurter Flughafens für die gesamte Region geblieben ist“, stellt Fraktionschef Florian Rentsch klar.

Die Grünen hätten immer gegen den Ausbau gekämpft, stellt Abgeordneter Frank Kaufmann klar. „Leider haben sich die Ausbaubefürworter immer durchgesetzt, auch bei Wahlen.“ Die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden stelle sich der Aufgabe, die Interessen von Lärmschutz und Flughafenentwicklung zusammenzuführen, versichert Walter Arnold von der CDU.

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