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Flughafen Frankfurt Chaos auf dem Flughafen

Seit Oktober hat der Frankfurter Flughafen eine neue Landebahn und aus Lärmschutzgründen ein striktes Nachtflugverbot. Seither mussten tausende Menschen am Flughafen übernachten, weil ihre Maschinen nicht mehr starten durften. Am Donnerstag kam es zu tumultartigen Szenen.

29.06.2012 16:39
Von Jürgen Ahäuser und Peter Dietz
Derzeit gilt das Nachtflugverbot zwischen 23.00 und 05.00 Uhr. Foto: dapd

Tumultartige Szenen haben sich am Donnerstagabend auf dem Flughafen abgespielt. Nachdem das Hessische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr elf startbereiten Maschinen mit 2184 Menschen an Bord eine Ausnahmegenehmigung zum Nachtflugverbot verwehrt hatte, weigerten sich zahlreiche Passagiere des Lufthansa-Fluges nach Bangkok, ihre Sitzplätze zu verlassen. Nach FR-Informationen pochten sie auf ihr Beförderungsrecht. „Es herrschte eine explosive Stimmung“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Erst das Erscheinen der Polizei habe zur Beruhigung beigetragen.

Die 339 Fluggäste in der Boeing 747 waren nicht die einzigen, die in der Nacht zum Freitag in Frankfurt strandeten. Zehn Flieger der Lufthansa mit 1854 Passagieren mussten am Boden bleiben, darunter auch ein A380 mit 446 Menschen an Bord, die am nächsten Morgen in Johannesburg landen wollten. Das letzte von elf Flugzeugen, die noch eine Ausnahmegenehmigung bekommen hatten, verließ um 23.23 Uhr Frankfurt. Verspätungen bei Starts und Landungen waren wegen der Gewitter eingetreten.

Die höhere Gewalt, die vom Himmel kam, erkannte die Luftaufsichtsbehörde zwar als Ausnahmegrund an. Doch einen Container, der an einem der Großraumflugzeuge festklemmte, bewertete die Behörde als Versäumnis der Airline und stellte die Startampel darum auf Rot.
Wer nicht mehr wegkam, erlebte teils „chaotische Verhältnisse“, wie Marion G. der FR empört berichtete. „Was ist mit den kleinen Kindern am Flughafen, die nachts auf dem Boden schlafen müssen, weil die Airlines (allen voran Lufthansa) nicht in der Lage sind, einen geregelten Ablauf zu garantieren?“ Ein anderer Leidtragender beklagte, dass es gerade mal einen Saft, aber keine Decke für die Leute gegeben habe, die im Terminal auf Sitzen oder gar auf dem Boden hätten übernachten müssen.

Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels räumt Probleme ein. „Auch wenn solche Situationen leider schon öfters vorgekommen sind, können sich die Fluggesellschaften nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten.“ 800 Gäste hat die Airline noch in Hotelzimmern untergebracht, 100 mussten mit Feldbetten und weitere 300 mit Liegen vorliebnehmen. „Wir finden es auch schlimm, dass Leute nicht rechtzeitig in ihren Urlaub oder zu ihren Geschäftsterminen kommen“, sagte Bartels.

Lufthansa und Fraport haben jedoch kein Verständnis dafür, dass das Nachtflugverbot so rigide vom Ministerium durchgesetzt wird. Nach Meinung von Lufthansa hätten ihre zehn Maschinen bis 23.30 Uhr noch starten können. „14 Minuten, die 2000 Leute glücklich gemacht und das Chaos verhindert hätten.“ Der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte forderte eine „flexiblere Regelung“, sonst werde der Frankfurter Airport „auf Provinzniveau zurückfallen“. Es drohten Arbeitsplatzverluste im fünfstelligen Bereich. Dem widersprach umgehend Minister Rentsch (FDP): „Für einen solchen Vorschlag besteht keine Rechtsgrundlage. Ausnahmen bei Starts sind im Interesse des Fluglärmschutzes nicht generell vorgenehmigt worden. Hier sind der Flughafen und die Fluggesellschaften gefordert, ihre Abläufe so zu organisieren, dass Starts nach 23 Uhr auch Ausnahmen bleiben.“

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