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Flughafen Frankfurt Aufschrei gegen Fluglärm

Aus der ganzen Rhein-Main Region reisen die Demonstranten zur 200. Montagsdemo im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens an.

200. Montagsdemo der Fluglärm-Gegner im Terminal 1: Sie waren viele und sie waren laut. Foto: Christoph Boeckheler

Punkt 18 Uhr setzt ohrenbetäubender Krach ein. Die Trommler der Band „Alles Blech“ in ihren roten T-Shirts geben den Takt vor, und hunderte Demonstranten machen ihrer Wut Luft: Mit Ratschen und Kuhglocken, Blechbüchsen, Tröten und Trillerpfeifen. Fahnen werden geschwenkt, Plakate und Transparente hochgehalten. „Lebensapokalypse für unsere Kinder“ steht drauf, „Zähne zeigen, Flughafen stoppen“ und „Lärm verbannen – Stille erfahren.“ So laut und so bunt wie gestern Abend war es schon lange nicht mehr im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. „Gemeinsam zum Erfolg“ lautete das Motto der 200. Montagsdemo. 1700 Menschen seien dabei gewesen, um gegen Fluglärm, Fraport, die Landebahn und den Bau von Terminal 3 zu protestieren, sagte Erwin Stuffler von dem Mainzer Bürgerinitiativen der FR. „Wir sind überrascht und froh. Das ist viel mehr als in den letzten Wochen und Monaten.“

Aus der ganzen Rhein-Main Region sind die Demonstranten angereist – aus Frankfurt, Darmstadt, dem Main-Kinzig-Kreis, Hanau, Offenbach, dem Kreis Groß-Gerau, Neu-Isenburg, Mainz und Hochheim. Mitten unter ihnen: Helga Weilbacher. Seit mehr als fünf Jahren kommt die 77-Jährige fast jeden Montag zum Protest auf den Flughafen. „Ich habe heute Geburtstag, aber ich bin trotzdem wieder da“, sagt sie und hält ein gelbes Flörsheim-Schild hoch. Für ein absolutes Nachtflugverbot zwischen 22 und sechs Uhr wolle sie kämpfen, sagt Helga Weilbacher. Und dafür, dass die Landebahn Nordwest wieder stillgelegt wird. Flugzeuge, die auf ihr aufsetzen, überfliegen zuvor das Haus der Flörsheimerin in 239 Metern Höhe. „Da helfen auch dreifach verglaste Fenster nichts“, sagt Helga Weilbacher. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich was ändert.“

„Nicht aufgeben!“ Diese Devise gibt auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) aus, der ebenso zur 200. Montagsdemo gekommen ist wie die Oberbürgermeister aus Offenbach und Mainz, Horst Schneider und Michael Ebling (SPD). „Es muss leiser werden“ fordern die drei Rathauschefs in einem gemeinsamem Appell. „Wir stehen an Ihrer Seite“, ruft Peter Feldmann den Demonstranten zu. Es müsse rechtsverbindliche Lärmobergrenzen geben und Folgen, wenn die festgelegten Werte überschritten werden.

Lärmobergrenzen würde sich auch Hildegund Klockner aus Flörsheim wünschen. Ihr Haus steht ebenfalls direkt in der Einflugschneise der Nordwestlandebahn. Sie hätte es an Fraport verkaufen können. „Aber mein Mann und ich, wir wollten aus Flörsheim nicht weg“, sagt die 58-Jährige. Lärmschutzfenster fürs Schlafzimmer haben sie bekommen, die Dachziegel wurden gegen Wirbelschleppen verklammert, und 4000 Euro hat Fraport bezahlt als Ausgleich, weil der Garten bei Flugverkehr unbenutzbar ist. Seit fast 20 Jahren protestieren die Klockners gegen den Flughafenausbau. Regelmäßig kommen sie zu den Montagsdemos, um Gleichgesinnte zu treffen, sich gegenseitig Mut zu machen. „Das Nachtflugverbot, das Programm zur Sicherung der Dächer gegen Wirbelschleppen – das wäre alles nicht gekommen, wenn sich die Bürgerinitiativen nicht eingesetzt hätten“, ist die Flörsheimerin überzeugt.

Kritik an den „überhöhten Prognosen von Flughafenbetreiber Fraport“ äußert gestern der Groß-Gerauer Landrat und Sprecher der Initiative Zukunft Rhein-Main, Thomas Will (SPD). „Den Krach in die Region zu tragen wäre überhaupt nicht nötig gewesen“, sagt Will. Denn die Zahl der Flugbewegungen in Frankfurt sei in den letzten Jahren nicht gestiegen, sondern sogar gesunken. Wenn nun die Billig-Airline Ryanair die Kapazitätslücken fülle, so widerspreche das grundlegend dem Mediationsergebnis und dem Raumordnungsverfahren für die Nordwestlandebahn.

Alleine 14 000 Flugbewegungen gäbe es jedes Jahr zwischen Berlin und Frankfurt berichtet Uwe Hiksch vom Bundesvorstand der Naturfreunde Deutschlands, den das Bündnis der Bürgerinitiativen als Hauptredner zur 200. Montagsdemo eingeladen hat. „Das ist viel zu viel.“ Wenn sich Fraport selbst als eines der 100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt feiere, dann sei das der blanke Hohn. Europaweit werde der Protest gegen den Ausbau von Flughäfen stärker. „Wir müssen den Politikern zeigen, dass wir es nicht akzeptieren, wenn in der Opposition große Sprüche geklopft werden, die man vergisst, sobald man in der Regierung ist“, sagt Hiksch und spielt damit auf den Hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) an, der gestern nicht im Terminal war und nur ein Grußwort geschickt hatte.

Wie jeden Montag beendete auch gestern ein Protestzug durch das Terminal die Montagsdemo am Flughafen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil Fraport uns die Ruhe klaut“, skandieren die Teilnehmer. Und wie immer bleiben Passagiere hinter dem rot-weißen Flatterband stehen. „Recht haben sie“, sagt ein Mann und macht ein Foto mit seinem Handy.

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