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Flughafen Bravo-Rufe für Fluglärmgegner

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann empfängt Ausbaugegner im Kaisersaal. Die CDU ist empört, weil Fraport nicht zugegen gewesen ist.

Veranstaltung zur aktuellen Flughafenpolitik im Kaisersaal. Foto: Michael Schick

Brandender Applaus und Bravo-Rufe für die Redner, verkniffene Minen und verschränkte Arme bei den CDU-Stadtverordneten. Auf Einladung von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) haben am Montagabend die Gegner von Fluglärm im Kaisersaal des Römers vor rund 300 Gästen gesprochen. „Ein würdiger Ort“, sagte Feldmann, der die Attacken von Uwe Becker (CDU) im Vorfeld der Veranstaltung verurteilte. Der Fachverstand von Wissenschaftlern dürfe nicht mit leichter Hand in Frage gestellt, das Engagement der früheren Stadträtin Ursula Fechter nicht diskreditiert werden. „Ich will einen neuen Flughafen-Konsens“, sagte Feldmann. Dazu zähle eine Lärmobergrenze und ein achtstündiges Nachtflugverbot.

Der international renommierte Hirnforscher Wolf Singer zweifelte an, dass der Frankfurter Flughafen dem Wohle der Bevölkerung diene. Detailgenau berichtete er über die komplizierten Verfahren zum An- und Abflug. „Sie sehen, ich bin zum Experten geworden.“ Die Nordwestlandebahn nannte Singer eine „kostspielige Fehlplanung“. Die zwei Center-Bahnen hätte Fraport umbauen und effektiver nutzen müssen. Der Londoner Flughafen Heathrow fertige mit zwei Bahnen mehr Passagiere ab als Frankfurt mit vier.

Singer warf den Verantwortlichen von Fraport vor, nichts getan zu haben, um die nach dem Bau der Nordwestlandebahn zunehmend empörte Bevölkerung zu befrieden. Die langwierige und ergebnisarme Mediation habe das Vertrauen der Menschen in die Wahrhaftigkeit der Politik geschwächt.

Ein „gezielter Angriff auf den Flughafen“

Der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel unterstrich, dass Fluglärm zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führe. Dies sei seit den 1960er Jahren bekannt und durch neueste Forschung bestätigt. „Der Blutdruck steigt, wenn Sie nachts ein Flugzeug überfliegt, dagegen können Sie nichts machen.“ Den Bau des Terminals 3 nannte er unverantwortlich.

„Ein weiter so darf es nicht geben“, sagte Ursula Fechter, die Sprecherin der Bürgerinitiative Sachsenhausen. Der Ausbau des Flughafens sei zügellos und rein wirtschaftsorientiert. Die Lärmpausen machten keine Unterschiede zu der Situation zuvor. „Unsere Aufgabe bleibt, den Finger in die Wunde zu legen, bis die Politik die Gesetze ändert.“

Der Frankfurter CDU-Chef und Kämmerer Uwe Becker hatte den Empfang zuvor als „Farce“ und „gezielten Angriff auf den Flughafen“ abgetan. Die Veranstaltung sei einseitig, weil Fraport nicht zugegen sei. Feldmann sammle Stimmen im Lager der Ausbaugegner und betreibe die Gefährdung von Arbeitsplätzen. „Fraport war selbstverständlich eingeladen“, sagte indes Ursula Fechter. In zahlreichen Schreiben solidarisierten sich Fluglärmgegner mit Feldmann. Niemand betreibe „so schamlose Klientelpolitik“ zu Lasten der Gesundheit von Menschen wie die CDU in Frankfurt und Hessen, schrieb Christopher Koch vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm in einem offenen Brief an Becker.

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