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Flughafen Bewährungsprobe bestanden

Nach Einschätzung des hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministers Tarek Al-Wazir haben die Lärmpausen am Frankfurter Flughafen den „ersten Praxistest bestanden“.

Zu einem Nachtflug startet eine Passagiermaschine der Lufthansa. (Symbolbild) Foto: dpa

Nach Einschätzung des hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) haben die Lärmpausen am Frankfurter Flughafen den „ersten Praxistest bestanden“. Die Lärmpausen seien morgens zu 97 Prozent, abends zu 85 Prozent der Tage mit Westbetrieb eingehalten, erklärte Pressesprecher Marco Kreuter am Montag auf Anfrage. Eine abschließende Aussage könne aber erst nach dem Ende des einjährigen Probebetriebs getroffen werden.
220 000 Fluggäste täglich

Bei der Einführung vor drei Monaten hatte es Befürchtungen gegeben, dass es im notwendigen Zusammenspiel von Flughafen, Deutscher Flugsicherung (DFS) und den Airlines haken könnte. Am Montag erklärten DFS-Sprecherin Ute Otterbein und Fraport-Sprecher Dieter Hulick, dass alles prima läuft und man optimistisch sei, dass das stundenweise Bündeln der An- und Abflüge auf jeweils zwei Bahnen auch jetzt, in der Hochsaison, mit bis zu 220 000 Fluggästen täglich funktionieren wird. Ausnahme könne es wetterbedingt geben – etwa, wenn Blitze über dem Flughafen toben, wie Hulick sagte.

Seit dem 23. April bleiben die Anwohner aller vier Flughafen-Bahnen entweder von fünf bis sechs oder von 22 bis 23 Uhr um jeweils eine Stunde mehr als im Nachtflugverbot von 23 Uhr bis 5 Uhr morgens vorgesehen von direkten Überflügen verschont.
Kreuter zitierte Berechnungen der Fluglärmkommission, wonach zehntausende von Menschen durch die Lärmpausen entlastet würden. Als Beispiel nimmt Kreuter die Landebahn Nordwest. Morgens bleibe dort alles wie gehabt. Abends aber würden etwa 40 000 Menschen entlastet, insbesondere in Frankfurt und Offenbach.

"Für Raunheim ist alles gleich schlimm"

Der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Thomas Jühe, machte darauf aufmerksam, dass es ein „klares Programm zur Bewertung“ der Lärmpausen gebe. Zum einen soll ein Monitoring klären, ob und wo es messbar lauter oder leiser geworden ist. Ergänzt wird diese objektive Faktensammlung durch eine Befragung, die der „subjektiven Seite“ des Lärms gerecht werden soll: „Beides ist angelaufen.“ Seine Kommission habe die Diskussion über die Lärmpausen kritisch begleitet. Es lohne sich, das jetzt praktizierte Modell – es waren unterschiedliche Varianten im Gespräch, auszuprobieren und „genau hinzuschauen“. Als Bürgermeister von Raunheim sagte der Sozialdemokrat: „Für Raunheim ist alles gleich schlimm.“

Ein Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen, Dietrich Elsner, beantwortete die Frage, was sich durch die Lärmpausen verändert habe, mit „nichts.“ Elsner wohnt in Mainz. Je höher die Maschinen, die auf dem Flughafen starten oder landen wollen fliegen, „desto breiter wird der Schallpegel“.

Aber auch für jemanden, der ziemlich nah dran am Flughafen wohnt, wie Helmut Mader von der Initiative „Eintracht gegen Fluglärm“ in Niederrad, ist nichts besser geworden. Die Leute würden sich über die Lärmpausen „eher lustig machen“. Ursula Fechter von der BI Sachsenhausen hat einen „merkwürdigen psychologischen Effekt“ ausgemacht. Wenn es zwischen 22 und 23 Uhr eigentlich ruhig sein sollte, dann aber doch ein, zwei Flugzeuge unterwegs sind, würde das die Bewohner um so mehr aufregen.

Fechter kritisiert, dass die Zahl der Landungen zwischen fünf und sechs Uhr auf der Nordwest- und der Centerbahn von elf auf 23 zugenommen habe. Volker Hartmann von der BI Oberrad hat nach eigenem Bekunden von den Lärmpausen „nichts mitgekriegt“. Einzig Nick Timm von der BI in Neu Isenburg räumt ein: „Ja wir merken was. Morgens ist es tatsächlich ein bisschen ruhiger.“

Wie geht es weiter mit dem Lärmschutz? Einen Vorschlag für dieses „zentrale strategische Instrument“ wird das hessische Verkehrsministerium nach Angaben von Pressesprecher Kreuter „bis zum Sommer 2016“ vorgelegen.

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