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Flughafen-Ausbau Raunheim schlägt Alarm wegen Feinstaubs

In den Raunheimer Gärten unter der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens ist die Belastung mit Ultra-Feinstaub höher als in hochbelasteten Innenstädten, sagt das Bündnis der Bürgerinitiativen - das hätten eigene Messungen ergeben.

Nicht nur gegen den Lärm demonstrieren die Anwohner des Frankfurter Flughafens - auch der Ultra-Feinstaub belastet sie. Foto: Andreas Arnold

Die Raunheimer Flughafenausbau-Gegner schlagen Alarm: Die Bewohner der Stadt seien „in hohem Maß“ mit Ultra-Feinstaub belastet, teilt die örtliche Bürgerinitiative mit. Dies hätten Messungen mit dem mobilen Gerät ergeben, das das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) angeschafft hat. Demnach übersteigen die Partikelzahlen in den Gärten unter der Einflugschneise diejenigen in hochbelasteten Innenstädten.

Mit jedem Überflug erhöhe sich die Belastung am Boden, so die Raunheimer. Bei ständigen Überflügen steigere sich die Konzentration in der Atemluft um bis zum 20-fachen des Normalen. Die Bürgerinitiative wirft dem Land Hessen Untätigkeit vor. Seit Jahren sei bekannt, dass Abgase aus Flugzeug-Turbinen besonders viel Ultra-Feinstaub produzieren.

Gelangt der über die Lunge ins Blut, kann er eine ganze Reihe von Krankheiten auslösen. Doch das für die Kontrolle der Luftqualität zuständige Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) in Wiesbaden ignoriere diese Erkenntnisse. Mit ihren Messstationen kontrolliere die Behörde ausschließlich die großen Staubteilchen.

Grundsätzlich sei das richtig, sagt Stefan Jacobi vom HLUG, das derzeit 37 Stationen für die kontinuierliche Messung von Luftschadstoffen betreibt. Der Gesetzgeber schreibe vor, die Feinstaubfraktionen PM 10 sowie PM 2,5 zu messen. Selbst wenn die wesentlich kleineren Partikel mitgemessen würden, hätten die Raunheimer nichts davon, sagt Jacobi: „Es gibt keinen Maßstab, keine Grenzwerte dafür.“

Die Datenlage sei nicht ausreichend, zum Teil sogar widersprüchlich. Aus Veröffentlichungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehe hervor, dass es lediglich „Hinweise auf negative gesundheitliche Auswirkungen“ gibt. Die Wissenschaft stehe hier noch ganz am Anfang. Vor diesem Hintergrund gebe es derzeit keinen Anlass für die von der Bürgerinitiative geforderte flächendeckende Erfassung des Ultra-Feinstaubs.

Feinstaubverursacher nicht eindeutig

Stattdessen hat das HLUG in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt in Langen im September mit einer ergänzenden Schwebstaubmessung in Raunheim begonnen. Ein kleiner Messcontainer neben der Luftmessstation in der Starkenburger Straße dient dazu, ergänzend zu den Routine-Messungen die Gesamtzahl der Partikel in der Umgebungsluft zu ermitteln.

Grund ist der Verdacht, dass sich eine hohe Konzentration des Schwebstaubs ebenfalls auf die Gesundheit auswirkt. „Grenzwerte zur Beurteilung der Staubbelastung beschränken sich allerdings derzeit auf die Staubmasse und nicht auf die Anzahl der Teilchen“, heiß es in einer Ankündigung der Messungen, die sechs bis zwölf Monate andauern sollen.

Die Frage der Luftbelastung durch die am Frankfurter Flughafen verkehrenden Flugzeuge ist ein Dauerbrenner. Das Problem ist, dass Abgase und Feinstäube von Autobahnen, Heizungen, der Bahn, produzierender Industrie oder Flugzeugen sich mischen, so dass die Quelle nicht eindeutig feststellbar ist. Darauf weist Flughafenbetreiberin Fraport auch in ihren regelmäßigen Berichten zur Luftqualität hin.

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