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Flughafen Alternative zu Terminal 3

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) plädiert für eine Verschiebung des Baubeginns von Terminal 3 am Frankfurter Flughafen - Umbauten seien ein geringeres finanzielles Risiko.

Die Computergrafik zeigt den ersten Bauabschnitt des Terminals 3 (dunkle Gebäudeteile) auf dem Flughafen Frankfurt. Die Abfertigungshalle ist für 14 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt. Foto: Fraport AG

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) plädiert dafür, den Baubeginn für ein drittes Terminal am Frankfurter Flughafen zu verschieben. Angesichts der Verkehrsentwicklung seien Umbauten im Terminal 1 ein wesentlich geringeres finanzielles Risiko. Der Minister schlägt als Alternative vor, dort den Flugsteig A-Plus-Nord zu erweitern und den 40 Jahre alten Flugsteig C zu erneuern, das dort stehende Parkhaus abzureißen, so dass dort Stellplätze für vier Großraumflugzeuge entstehen könnten. Diese Umbauten kosten nach Berechnung des Ministeriums 860 Millionen Euro und schaffen Platz für drei Millionen Passagiere pro Jahr zusätzlich.

Das sind zwar elf Millionen weniger als beim geplanten Terminal 3, das rund drei Milliarden Euro kosten werde. Dafür müssten auch keine neue Autobahnausfahrt, kein S-Bahn-Anschluss sowie keine Bahn gebaut werden, die die Passagiere zum neuen Terminal transportiert. Allein diese „Sky-Line“ soll rund 700 Millionen Euro kosten.

Wie Al-Wazir am Mittwoch im Landtag in Wiesbaden sagte, heißt das nicht, dass Flughafenbetreiberin Fraport ihre Pläne für das neue Abfertigungs-Gebäude aufgeben müsste. Der Planfeststellungsbeschluss und die Baugenehmigung blieben rechtsgültig. Sollte in späteren Jahren Bedarf bestehen, könne Terminal 3 immer noch gebaut werden. Doch die Investitionen in Terminal 1 gingen nicht verloren.

Aufgabe des Landes als größter Anteilseigner sei, den Konzern vor möglichem wirtschaftlichen Schaden zu bewahren. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die enormen finanziellen Probleme, die vor 20 Jahren beim Bau von Terminal 2 auftraten, und die auch die Fraport-Belegschaft mit ausbaden musste. Sein Vorschlag ist Ergebnis einer Überprüfung der drei Gutachten, mit denen Fraport im September den Bedarf für das neue Abfertigungsgebäude für zusätzliche 14 Millionen Passagiere begründet hatte. Nach Vorstellung von Vorstands-Chef Stefan Schulte muss es 2021 in Betrieb gehen, die beiden anderen platzten dann aus allen Nähten.

Al-Wazir hatte daraufhin im Oktober drei eigene Gutachter beauftragt, die die dort getroffenen Verkehrsprognosen und die Terminal-Logistik nochmals unter die Lupe nahmen. Eine solche „Qualitätssicherung“ sei bei derart großen Projekten nichts Ungewöhnliches, sagte der Minister. Er betonte aber auch, das Land besitze nach dem Bundesverwaltungsgerichtsurteil aus dem Jahr 2012 rechtlich keine Handhabe, den Bau des Terminals zu verhindern. „Die Entscheidung bleibt bei Fraport.“ Doch der Vorstand sei „gut beraten“, diese Alternative zu der Milliardeninvestition noch einmal gründlich zu prüfen.

Knackpunkt sind die Verkehrsprognosen. Bei der Prüfung kamen die Experten des Landes zu dem Schluss, die Fraport-Gutachter gingen, wie schon zuvor, von einem zu hohen Verkehrszuwachs aus. Der hänge stark vom Bruttoinlandsprodukt ab, sagte der Minister. „Und da gibt es sehr optimistische Annahmen.“ Einflüsse wie eine mögliche Ölpreissteigerung oder Wirtschaftskrise fänden keine Berücksichtigung. Auch beim methodischen Vorgehen sehen die vom Land engagierten Experten Unstimmigkeiten, die nicht aufgelöst werden konnten, weil Fraport seine Gutachten unter Verschluss hält.

Sein Alternativ-Vorschlag, betonte der Minister, basiere auf der Annahme, dass die von Fraport prognostizierten Zuwächse in ihrer Höhe nicht zutreffen. „Wenn die Zielmarke 14 Millionen zusätzliche Passagiere eintrifft, bleibt Terminal 3 die günstigere Alternative.“

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