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Flörsheim und Mörfelden-Walldorf Klage wegen Wirbelschleppen

Wie die Menschen in Flörsheim und Mörfelden-Walldorf mit dem Flughafen umgehen.

Proteste
Die Parolen sind eindeutig. Foto: Christoph Boeckheler

Flörsheim 

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Flörsheimer hätten sich mit dem Fluglärm arrangiert. In der Stadt, über die bei Ostwind auf zwei Routen Jets Richtung Nordwestbahn donnern, wird eifrig gebaut, Wohnhäuser im alten Stadtkern werden aufgestockt, Baulücken im Neubaugebiet Nord geschlossen. Und die Zahl der Einwohner steigt. 4000 Bürger haben zwar seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn Flörsheim den Rücken gekehrt, 5000 sind jedoch zugezogen. Und das, obwohl die Immobilien alles andere als billig sind in der Stadt mitten im Rhein-Main-Gebiet und mit guter Infrastruktur.

Zur wöchentlichen Montagsdemo am Frankfurter Flughafen, die demnächst zum 250. Mal stattfindet, kommen nicht mehr allzu viele Bürger. Beschwerden über Fluglärm – vor allem in den Nachtstunden – gebe es aber zuhauf, sagt Renate Mohr, die Fraktionschefin der Grünen Alternativen Liste Flörsheim (Galf), und fordert: „Wir müssen deshalb weiter auf unsere besondere Situation aufmerksam machen.“

Die Stadt hat ihre Klagemöglichkeiten ausgeschöpft und auch der Verein für Flörsheim, dem mehrere Hundert Bürger angehören, sah kaum noch Möglichkeiten, juristisch gegen den Fluglärm vorzugehen. Dann fegte Ende letzter Woche eine Wirbelschleppe Ziegel von einem Dach in Flörsheim, das auf Kosten von Fraport extra gesichert worden war. Nur mit Glück kam niemand dabei zu Schaden.

Der Verein Für Flörsheim will nun beim hessischen Verkehrsministerium und beim Bundesverwaltungsgericht erreichen, dass schwere Maschinen, die Wirbelschleppen verursachen können, nicht mehr über Flörsheim zum Landen fliegen dürfen. Eine entsprechende Klage hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof 2017 abgelehnt mit dem Hinweis, bei gesicherten Dächern bestehe keine Gefahr. (aro)

Mörfelden-Walldorf

Einst war die Stadt Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) Hochburg der Gegner des Flughafenausbaus. Doch der politische Wind hat sich gedreht. Nachdem 2016 eine neue politische Koalition geschlossen wurde und die SPD nicht mehr mit den Grünen, sondern mit FDP und Freien Wählern regiert, schlägt man im Rathaus weniger kritische Töne gegen Fraport an. „Wir wollen so wenig Beeinträchtigung durch den Fluglärm wie möglich“, sagte Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD), doch man müsse auch die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens sehen. Zudem seien die Klagemöglichkeiten ausgeschöpft. Man arbeite weiter konstruktiv in verschiedenen Gremien und kommunalen Zusammenschlüssen mit, etwa dem ZRM (Zukunft Rhein-Main) oder der Fluglärmkommission.

Im Konsultationsverfahren zur Verlagerung der Abflugroute „Amtix kurz“ ist für Mörfelden-Walldorf ein Hoffnungsschimmer auszumachen: „Derzeit sieht es danach aus, dass es einen Ticken leiser wird“, sagte Becker am gestrigen Dienstag. Diesen Prozess müsse man aber kritisch begleiten. Kritisch bleiben auch Bürgerinitiativen und Oppositionsparteien wie Grüne und DKP/LL. Im Januar ketteten sich Ausbaugegner an Bäume im Bannwald zwischen Mörfelden-Walldorf und Neu-Isenburg. Jüngst sorgten Verstöße gegen das Nachtflugverbot für Ärger. „Wenn allein eine Fluggesellschaft 40 Mal in einem Monat nach 23 Uhr landet, wird das Nachtflugverbot zur Farce“, sagte Dietmar Treber (DKP/LL). (cka)

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