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Demo Trommeln gegen den Fluglärm

Über tausend Menschen demonstrieren am Frankfurter Flughafen gegen Fluglärm. Der Widerstand gegen den Flughafenausbau scheint immer breiter zu werden. Unterdessen sind die Flugrouten Thema im Römer

22.11.2011 21:18
Bettina Printz, C.-J. Göpfert und Friederike Tinnappel
Die Demonstranten dürfen den Abfertigungsbetrieb nicht stören. Foto: Christoph Boeckheler

Auf den Schildern der Demonstranten steht „Extremer Lärm ist Mord auf Raten“ oder schlicht „Es ist zu laut“. Heute veranstalten sie selbst extremen Lärm, die Teilnehmer der Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. Die Menschen haben Rasseln und Trillerpfeifen mitgebracht, Tröten und Trommeln. Sie demonstrieren gegen Fluglärm und für ein dauerhaftes Nachtflugverbot. 1500 bis 2000 Menschen sind nach Schätzung der Veranstalter am Montagabend zu der Demonstration des Bündnisses der Bürgerinitiativen gekommen. „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Ruhe klaut“, skandieren einige Teilnehmer. Aber ihre Sprechchöre gehen im ohrenbetäubenden Lärm fast unter.

„Die Menschen sind betrogen worden in einem nicht rechtsstaatlichen Verfahren“, sagt Joy Hensel, Ruhebeauftragte von Hattersheim, bei der Abschlusskundgebung. Und jetzt drohe sogar das Nachtflugverbot zu kippen. „Wir wollen zeigen, dass es so nicht weitergeht.“

Michael Wilk vom Arbeitskreis Umwelt Wiesbaden (AKU) freut sich, dass der Widerstand gegen den Flughafenausbau immer breiter werde. „Im Moment schießen fast wöchentlich neue Initiativen aus dem Boden.“ Die Bürgerinitiativen dürften am Flughafen nur unter der Auflage demonstrieren, dass sie nicht „in den Betrieb eingreifen. Aber mit welchem Recht greift der Flughafen, greift die Lufthansa in unser alltägliches Leben ein?“ Deshalb gingen die Montagsdemos weiter: „Wir werden so lange wiederkommen, bis sie uns hören“, sagt Wilk.

Während im Terminal 1 über tausend Menschen ihrer Wut über den Fluglärm Luft verschaffen, spannt Eberhard Centner vor dem Römer einen netten kleinen Regenschirm auf, der mit Flugblättern gegen den Fluglärm dekoriert ist. Der Sprecher der Bürgerinitiative „Frankfurt-Nord gegen Fluglärm“ steht in einer Gruppe von Menschen, die die Stilllegung der neuen Landebahn wollen. Gleich werden die einen in den Römer marschieren, wo die Deutsche Flugsicherung (DFS) Stadtverordneten und Ortsbeiräten Rede und Antwort zu den neuen An- und Abflugrouten stehen wird. Centner aber hat kein Mandat und muss draußen bleiben. Auch Journalisten sind bei diesem Abend im Plenarsaal nicht zugelassen.

Die DFS-Pressestelle sagt dazu, das sei so mit der Stadt vereinbart worden. Wendelin Friedel vom grünen Umweltdezernat sagt dagegen, man hätte gern Journalisten eingeladen.

35 Fragen hat Centner für die DFS vorbereitet. Die Fragen hat hat er seinen Ortsbeiräten, Michael Bartram-Sitzius (SPD) und Lothar Kramer (Die Linke) mit auf den Weg gegeben. Auch Sigi Weiß und Ralf Heider vom Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) gehören zur Gruppe. Alle sind dafür, dass die Bürger Zugang zur DFS-Veranstaltung bekommen. „Wir gehen mal rein“, sagen die Mandatsträger dann und verschwinden im Römer. Die 35 Fragen von Centner nehmen sie mit. Die hat er auch an die SPD-Fraktion, die Linke und die Piraten im Römer geschickt. Nein, an die Grünen nicht – obwohl die sich doch jetzt als „Teil der Protest-Bewegung“ sehen, wie Fraktionschef Olaf Cunitz im FR-Interview erklärt.

Aus Sicht der Grünen hat das Wachstum des Rhein-Main-Flughafens die Grenze der Verträglichkeit überschritten. Man gehe das Risiko ein, dass Menschen krank würden, die Ökologie aus dem Gleichgewicht gerate und ganze Ortschaften nicht mehr bewohnbar seien, sagt Cunitz. Der Fluglärm, etwa im Stadtwald, sei „einfach Wahnsinn, einfach brutal“. Das Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr müsse ebenso ausgedehnt werden wie die Flächen, auf denen jetzt der passive Schallschutz installiert werde.

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