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Demo in Bad Homburg Volle Dröhnung für Fraport-Chef Schulte

Lärm gegen Lärm: Bürgerinitiativen haben vor dem Haus von Fraport-Chef Schulte in Bad Homburg lautstark demonstriert. Zwei Stunden und zwei Lärmpausen dauert die Aktion.

Mit Megaphonen, Gettoblastern oder laut aufgedrehten Musikanlagen im Auto machen die Demonstranten in Bad Homburg Lärm. Foto: Monika Müller

Mit rund 40 Autos ziehen Lärmgegner aus dem gesamten Rhein-Main Gebiet am Samstagmorgen an der Stadtvilla von Fraport-Chef Stefan Schule am Ortsrand von Bad Homburg vorbei. Die Menschen im Korso haben die Scheiben heruntergekurbelt und halten Megaphone und Gettoblaster in die Fensteröffnung. Viele haben einfach nur die Anlage ihrer Autos weit aufgedreht.

Aus allen Lautsprechern schallt dasselbe: Fluglärm, aufgenommen in Niederrad, in Sachsenhausen, in Mainz. Vor dem Haus des Fraport-Chefs steht ein mobiler Lautsprecher, so groß wie ein Umzugskarton. Hier brüllen die Motoren am lautesten. 80 Dezibel hat die Polizei den Protestierern an dieser Stelle erlaubt. 75 bis 81 misst Lärmgegner Erwin Stufler aus Mainz auf der anderen Straßenseite mit einer App auf seinem Smartphone. Er trägt blaue Ohrenschützer. Es dröhnt ununterbrochen, an- und abschwellend. Eine Unterhaltung ist nur möglich, wenn man energisch laut gegen das Brummen anredet.

Grellgelbe Plakate und aufgeblasene Plastikflugzeuge

Reiner Franzmann von der Bürgerinitiative Frankfurt-Nord gegen Fluglärm sagt live im Originaltakt die Flieger und ihre Routen an: Krakau, Fuerteventura, St. Petersburg. Heute kommen die Flieger über Offenbach, zeigt Stufler mit einer weiteren App. Auch über Bad Homburg fliegen an diesem Morgen Flugzeuge, man sieht sie am klarblauben Himmel, sie sind rund 10.000 Meter hoch.

Stefan König aus Offenbach ist mit seinem jungen Cousin nach Bad Homburg gekommen. Der Teenager und der Mann in den 30ern lassen sich mit grellgelben Plakaten gegen den Flughafen –Ausbau vor Schultes Haustür fotografieren. König hat sich vor kurzem die Schlafzimmerfenster mit Schallschutz-Verglasung nachrüsten lassen, erzählt er. „Das muss ich natürlich selbst bezahlen“, sagt er, „sonst bin ich morgens um 5 Uhr wieder wach“.

Auf der Mauer hinter König liegt ein aufgeblasenes Plastikflugzeug, „Pfuifly“ ist darauf zu lesen. Hinter dem Einfahrtstor regt sich nichts. Kurz vor acht Uhr rollt das Tor der Doppelgarage nach oben, der Fraport-Chef sitzt in einem BMW, stößt rückwärts auf die Straße und fährt schnell davon. Lärmgegner König versteht nicht, wie Schulte in Zeitungsinterviews auch noch sagen kann, die Gesellschaft müsse den Lärm eben aushalten.

Ein paar Meter weiter die Straße runter wartet ein Nachbar in einem Wagen der Oberklasse bis der Korso an ihm vorbeizieht. Er will zum Frühstücken fahren, „um meine Ruhe zu haben“. Er hat Verständnis für die Protestierer. Die Lufthansa habe wirtschaftliche Probleme und mache Druck auf Fraport.

Zwitschernde Vögel

Plötzlich ist es still, eine Wohltat, die Vögel sind zu hören. Die Lärmpause, sagt Organisator Franzmann durchs Megaphon. Nach fünf Minuten dröhnen sie dann wieder, die Flieger aus den Lautsprechern. Viele Korsofahrer haben Ortsschilder aus Pappe in die Fondfenster gehängt: Kelsterbach, Nieder-Olm, Mainz-Gustavsburg, Lerchesberg, Oberrad.

Einmal ums Karree darf die Schlange führen, bei den Nachbarn hinter den noblen Fassaden aus Chrom und Glas sind nur 50 Dezibel erlaubt, nur Schulte selbst bekommt die volle Dröhnung. Die meisten Plakate an den Autos sind sichtbar schon auf vielen Demos dabei gewesen. Es grüßen die „Lärmpausenclowns“ Bouffier und Al Wazir mit roten Nasen. „Grüne Verräter“, „Lärm macht krank“ steht auf anderen und „wir sind keine Lärmsklaven“.

Nach gut zwei Stunden und zwei Lärmpausen beendet Franzmann den Protest. Für ihn ist die Aktion ein Erfolg, wenn die Medien und möglichst viele Anwohner aufmerksam geworden sind. Eine Joggerin schüttelt den Kopf. Dass es dermaßen laut ist in den betroffenen Ortschaften, dass hätte sie nicht gewusst.

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